Interview mit designierter Juso-Chefin
„Ich möchte Rot-Rot-Grün auf die Agenda setzen“

Johanna Uekermann will sich am Freitag zur neuen Juso-Chefin wählen lassen. Zuvor erklärt sie, warum sie die Große Koalition ablehnt, welche Bilder sie irritieren und wie sie die Partei der alten Männer aufbrechen will.
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Die Jusos bekommen eine neue Führung. Um den Chefposten beim Jugendverband der SPD bewerben sich der Hamburger Hauke Wagner und Johanna Uekermann, die aus Niederbayern kommt. Die 26-jährige Politikwissenschaftlerin gilt als Favoritin, gewählt wird auf dem Bundeskongress der Jusos am Freitag in Nürnberg. Uekermann ist bislang Stellvertreterin von Juso-Chef Sascha Vogt, der nicht mehr zur Wahl steht. Im Interview spricht sie über ihre politischen Ziele, die Große Koalition und das nächste Treffen mit Parteichef Sigmar Gabriel.
Frau Uekermann, die SPD-Mitglieder stimmen in diesen Tagen über die Große Koalition ab. Wissen Sie schon, an welcher Stelle Sie ihr Kreuzchen machen?
Johanna Uekermann: Ja, das weiß ich. Ich kann der Großen Koalition nicht zustimmen.

Dabei ist von einem sozialdemokratischen Koalitionsvertrag die Rede. Die SPD hat  angesichts ihres schwachen Wahlergebnisses doch viel durchgesetzt, oder etwa nicht?
Ich finde schon, dass die SPD gut verhandelt hat. Und trotzdem muss ich mir danach das Ergebnis anschauen und prüfen: Stehen diese Inhalte für den versprochenen Politikwechsel. Dafür fehlen mir aber wesentliche Punkte.

Welche?
Ich vermisse einen Kurswechsel in der Europapolitik. Ein einfaches „Weiter so“ ist mir zu wenig. Ich brauche kein Bekenntnis, dass Jugendarbeitslosigkeit bekämpft werden soll, sondern konkrete Maßnahmen gegen die Misere. Außerdem ist das Gerechtigkeitsthema, mit dem die SPD in den Wahlkampf gezogen ist, wie weggewischt.

Zählt dazu nicht auch der Mindestlohn?
Der Mindestlohn ist ein Erfolg – trotz der Ausnahmen. Wir haben uns aber viele weitere Maßnahmen überlegt, um die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern. Die Stichworte sind Vermögensteuer, Anhebung des Spitzensteuersatzes, Abgeltungsteuer. Doch davon ist im Koalitionsvertrag keine Rede mehr. Außerdem finde ich, dass junge Menschen in der Vereinbarung schlecht weg kommen.

Inwiefern?
Viele junge Menschen haben sich eine Bafög-Reform gewünscht – doch die taucht im Koalitionsvertrag nicht auf. Außerdem halte ich eine Mindestausbildungsvergütung und die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung für ganz wichtig, damit Jugendliche und junge Erwachsene ihr Leben planen können, ihre eigene Wohnung bezahlen und auf eigenen Beinen stehen können.

Wenn Sie gegen die Große Koalition stimmen, nehmen Sie in Kauf, dass die ganze SPD in eine große Krise stürzt. Scheitert der Mitgliederentscheid, wird Parteichef Sigmar Gabriel kaum zu halten sein. Ein Problem für Sie?
Ich sehe das ganz sachlich. Wir haben einen Politikwechsel versprochen. Nach der Wahl wurde gut und lange verhandelt. Jetzt entscheiden die Mitglieder – auch diesen Partizipationsprozess finde ich gut. Für mich ist das eine Abstimmung, ob die Inhalte des Vertrags für einen Politikwechsel stehen. Und den sehe ich in den Abmachungen mit der Union nicht. Warum sollte Sigmar Gabriel deswegen beschädigt sein? Von mir aus müsste er nicht zurücktreten.

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„Ich möchte Rot-Rot-Grün auf die Agenda setzen“

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„Die Mehrheit der Jusos dürfte gegen die Koalition stimmen“

Kommentare zu " Interview mit designierter Juso-Chefin: „Ich möchte Rot-Rot-Grün auf die Agenda setzen“"

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  • @hansblick

    Ach....dann sind Sie ja der ERSTE, der Kapitalismus umdefiniert :)...Und Marx ist eine totale Niete, gell

    Pech nur für Sie, dass Sie entweder NICHT LESEN, GESCHWEIGE NOCH DENKEN KÖNNEN!

    Warum gab es denn den 2. WK?? Den SILVIO GESELL EINST VORHER SAGTE!! Warum wurde in der Geschichte immer KRIEG GEMACHT?! Ja klar doch, weil es schon im 11. Jahrhundert Sozialismus gab :)

    Junge junge...Sie schreiben aber auch einen Mist hier zusammen.

    UND NOCH EINMAL EXTRA FÜR SIE....

    EINE HERRSCHENDE KLASSE IST UND BLEIBT EINE HERRSCHENDE KLASSE!!! OB LINKS; RECHTS; MITIG; BUNT; LILA; GRÜN; BLAU ODER GELB...SPIELT EBEN KEINE ROLLE!!!

    ES SIND DIE STRUKTUREN!!!!!!!!

    Was glauben Sie wohl warum die Merhheit noch nie zu einem Reichtum kam?

    Sie haben NICHT EINMAL DAS SYSTEM VERSTANDEN!! WELCHES SCHON SEID JAHRHUNDERTEN EXISTIERT!!

    Nur einige NATURVÖLKER leben ziemlich in Freiheit und gleichberechtigt nebenher. ALLE ANDEREN LEBEN IN EINER AUSBEUTERISCHEN; UNTERDRÜCKER HIERARCHIE!!

    Wenn ich mir aber solche Menschen wie Sie so "anschaue"...Menschen mit sinnlosen, weil völlig an Fakten vorbei gehenden Kommentaren, muß die Mehrheit nur unterdrückt werden. Denn schon Einstein hatte erkannt, dass die DUMMHEIT DER MENSCHEN UNENDLICH IST!!

  • @Willi Kammschott

    Ach..sind Sie etwa neidisch?? Warum sind sie denn nur kein Politker geworden?!

    Jeder Mensch mit einem gesunden Menschenverstand, kann tausendmal besser sein als ein Professor oder Arbeiter!!

    Die junge Frau hat VOLLKOMMEN RECHT!! DIE REICHEN WERDEN GESCHONT UND IMMER REICHER!! WÄHREND DIE MITTE IMMER MEHR VERARMT! Und junge Menschen kaum noch CHANCHEN AUF EIN PLANBARES LEBEN HABEN!

    Sie sollten sich nicht soviel auf dem HB tummlen. Sondern lieber mal recherchieren, wieviele junge Menschen, AKADEMIKER MIT EINGESCHLOSSEN, sich von einem PRAKTIKUM, PREKÄRER ARBEIT zu nächsten hangeln!!!

    Wir haben KLASSENKAMPF...Arm gegen REICH...Alt gegen Jung....BESITZENDE UND PRIVILEGIERT GEGEN BESITZLOSE

    WIR HABEN NICHT EINMAL EINEN ARBEITSMARKT!!! Weil uns die ARBEIT AUSGEHT!! Wenn es nach Ihnen ginge, könnten wir ja alle, die nicht mehr gebraucht werden, einfach aushungern, gell...

    Menschen gibt es hier....unfassbar voller Angst um seine Privilegien, Geld, Besitz. Das wird noch eine lustige Zukunft werden. Wenn erstmal die Wohlhabenden Rentner wegsterben und die narzisstischen, verwöhnten Kinder das Geld verjubeln. Anstatt innovativ, sozial und human zu sein. Der Gesellschaft etwas zurück zu geben. Denn schliesslich haben die wohlhabenden Eltern ja auch nur ihren Reichtum aufgebaut, in dem sie anderen etwas "weggenommen hatten". Die wenigsten haben dafür hart gearbeitet! Da man von EHRLICHER ARBEIT NOCH NIE WIRKLICH WOHLHABEND GEWORDEN IST!! Und damit meine ich WIRKLICHE ARBEIT, die WERTE SCHAFFT. Arbeit am Fliessband z.Bsp.

  • Wenn jemand in so einem Alter die Arbeit nur vom Hörensagen kennt und nur Berufslinker und Berufsstudent ist, muß ich ihm die Qualifikation absprechen, sich öffentlich zu politischen Themen zu äußern. Einige Jahre praktische Berufserfahrung außerhalb von Hochschule und Gewerkschaftsverunstaltungen würden da helfen, den Horizont zu erweitern.

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