Interview mit Forsa-Chef Güllner
„AfD als Volkspartei? Völliger Quatsch!“

Die AfD will heute auf ihrem Parteitag in Hannover ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik abstecken. Das Thema treibt der Partei Wähler zu. Forsa-Chef Güllner sieht für die Rechtspopulisten dennoch keine Zukunft.

BerlinDie Frage, wie Deutschland mit dem großen Andrang von Flüchtlingen umgehen soll, treibt die Menschen um. Profitieren von der Stimmung kann die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD), die viele im Juli schon totgesagt hatten. Alle Umfrageinstitute sehen die Partei bundesweit inzwischen über der Fünf-Prozent-Hürde. Auf diesem Erfolg will sich die AfD nicht ausruhen. Auf ihrem heutigen Bundesparteitag in Hannover will sie deshalb ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik abstecken. Das Ziel ist, bei den anstehenden Landtagswahlen zu triumphieren und in weitere Parlamente einzuziehen. Forsa-Chef Manfred Güllner glaubt, dass dies gelingen kann. Im Interview erklärt er aber auch, warum der Stern der AfD schon bald wieder sinken wird.

Herr Güllner, in Umfragen scheint sich die AfD bundesweit dauerhaft über der Fünf-Prozent-Hürde zu etablieren. Kann sich dieser Trend aus Ihrer Sicht tatsächlich festigen?

Ob das wirklich dauerhaft sein wird, lässt sich derzeit nicht sicher sagen. Wir haben ja schon ein Auf und Ab bei der AfD gesehen. Im Augenblick profitiert sie nur von der Diskussion um die Flüchtlinge, weil sie bei diesem Thema wie ein Magnet alle anzieht, die latent anfällig sind für rechtsradikales Gedankengut, Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass. Wenn das Flüchtlingszustrom nicht mehr im Mittelpunkt der politischen Debatte steht, wird die magnetische Kraft nachlassen und die AfD wird auch viel weniger Zuspruch haben.

Ein Umfrage-Institut sieht die AfD bereits bei 10,5 Prozent – und Parteichefin Frauke Petry spricht davon, dass die AfD auf dem Weg zur Volkspartei sei.

Das ist völliger Quatsch! Die AfD wird nur von ganz bestimmten Schichten gewählt. Die Merkmale ihrer Anhänger sind typisch für eine rechtsradikale Partei. Das sind Männer, vor allem Ostdeutsche und Konfessionslose. Sie kommen aus einem Segment der Mittelschicht, dem es objektiv eigentlich gut geht, das sich aber subjektiv durch Statusängste auszeichnet und zerrieben fühlt zwischen dem globalen Kapitalismus und dem Proletariat. Und diese Klientel hat auch eine extrem pessimistische Wirtschaftserwartung. Das hat mit einer Volkspartei nun gar nichts gemein.

Wieso kommt die AfD bei den Wählern an und nicht die NPD?

Der Unterschied zwischen denen, die NPD wählen und denen, die die AfD bevorzugen, liegt in der gesellschaftlichen Verankerung. Die unteren Schichten tendieren zur NPD und die rechtsradikalen Wähler aus der Mittelschicht zur AfD, weil ihnen die NPD zu dumpf ist.

Die AfD-Chefin Frauke Petry verortet ihre Partei im „liberal-konservativen“ Milieu.

Was die Wählerschaft betrifft, war die AfD schon unter ihrem früheren Vorsitzenden Bernd Lucke nicht liberal-konservativ. Sie war auch schon damals rechts. Durch seinen Weggang werden nun die Merkmale, die eine rechtsradiale Partei auszeichnen, noch deutlicher sichtbar.

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