Interview mit Franz Müntefering
„Ein Simsalabim gibt es nicht“

Der Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering über Sonderregelungen bei der Rente mit 67, neue Initiativen zur Wiedereingliederung älterer Arbeitsloser ins Erwerbsleben, Reformen im Niedriglohnsektor und die Reibereien in der großen Koalition.

Handelsblatt: Herr Müntefering, in einem Überraschungscoup haben Sie im Februar die „Rente mit 67“ durchs Kabinett geboxt. Seitdem ist es still geworden um das Vorhaben. Wollen Sie die unpopuläre Reform vielleicht vertagen?

Müntefering: Nein. Es bleibt dabei: Von 2012 an wird das gesetzliche Renteneintrittsalter stufenweise bis 2029 auf 67 Jahre angehoben. Das ist alles im Plan. Wir werden in der zweiten Jahreshälfte den Gesetzestext entwickeln, und die Beratung wird in diesem Jahr beginnen. Anfang nächsten Jahres fassen wir den Beschluss.

Bleibt es bei der von Experten kritisierten Ausnahmeregelung für Arbeitnehmer mit 45 Berufsjahren, die weiter ohne Abschläge mit 65 Jahren aufhören dürfen?

Das ist politisch gesetzt. Dabei handelt es sich aber faktisch um eine abnehmende Zahl. Derzeit gibt es noch angehende Rentner, die sehr jung angefangen haben zu arbeiten. Die erreichen 45 Jahre. Inzwischen beginnt man das Arbeitsleben im Schnitt mit 21 Jahren. Es wird also immer weniger Arbeitnehmer geben, die unter die 45-Jahre-Regelung fallen.

Viele Betriebe beschäftigen aber schon heute keine Arbeitnehmer über 55 Jahren mehr. Damit käme die „Rente mit 67“ de facto einer Rentenkürzung gleich.

67 ab 2029 wohlgemerkt. Ich werde in dieser Woche im Kabinett meine Überlegungen für die Initiative „50plus“ vortragen. Das werden wir in der Koalition dann weiter zu besprechen haben. Dem folgt dann im Herbst die Konkretisierung. Und wir müssen zu einer breiten Debatte über die Beschäftigungschancen Älterer kommen. Dazu werden wir das Gespräch mit allen gesellschaftlichen Gruppen suchen. Wir wollen, dass ältere Menschen weniger schnell aus dem Erwerbsleben herausgedrängt werden und die, die draußen sind, eine Chance haben, besser wieder hereinzukommen. Im Augenblick sind nur 45 Prozent derer, die 55 und älter sind, im Erwerbsleben. Mein Ziel ist, dass 2010 rund 50 Prozent dieser Altersgruppe einen Job haben.

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