Interview mit Fritz Kuhn
„Hamburg hat jetzt die Chance, Ökohauptstadt zu werden“

Sieben Fragen zu den Konsequenzen aus der Hamburger Bürgerschaftswahl an Fritz Kuhn, Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Die Grünen haben in Hamburg 9,6 Prozent erreicht, also 2,7 Punkte verloren. Zufrieden kann man damit nicht sein, oder?

Das sehe ich nicht so. Wir liegen weit vor der FDP und viel deutlicher vor der Linken, als viele es erwartet hatten. Viel wichtiger noch ist: Das Ergebnis ist strategisch sehr interessant.

Aber mit diesem Ergebnis kann der Preis für Schwarz-Grün doch nicht so hoch sein wie erhofft.

Keinesfalls. Schwarz-Grün ist nur möglich, wenn die CDU eine ökologische Modernisierung einleitet. Hamburg hat jetzt die Chance, zur Ökohauptstadt der Republik zu werden.

Was sind Ihre Hauptanliegen?

Da ist vor allem das geplante Steinkohlekraftwerk, das unter Schwarz-Grün natürlich nicht mehr gebaut werden könnte. Daneben propagieren die Grünen die „kreative Stadt“ – dafür muss man auch das Schulsystem reformieren, also die gemeinsame Schule für alle bis zur neunten Klasse einführen.

Die umstrittene Elbvertiefung, die im Übrigen auch die SPD für nötig hält, würden Sie eher schlucken als das Kohlekraftwerk?

Auch über dieses Thema würden die Hamburger Grünen in Koalitionsverhandlungen reden.

Sie als Wirtschaftspolitiker müssten doch Verständnis haben für die ökonomische Bedeutung der Elbvertiefung für den Hamburger Hafen.

Es gibt immer Alternativen, auch in der Wirtschaftspolitik. Aber entscheiden werden das unsere Hamburger Parteifreunde.

Sollte es in Hamburg erstmals zu Schwarz-Grün kommen – ist das dann auch eine Option für den Bund 2009?

Hamburg ist Hamburg, und Bund ist Bund. Strategisch geht es darum, dass die Grünen entlang von Inhalten Verantwortung übernehmen. Das kann man aber nicht automatisch auf den Bund übertragen. Die eigentliche Botschaft dieses Wahlsonntags ist: Auf die Grünen kommt es an.

Die Grünen wären dann die einzige kleine Partei, die nach allen Seiten offen ist – wird die FDP überflüssig?

Die FDP hat sich mit Westerwelle auf ein fast religiöses Bündnis mit der Union festgelegt und damit in eine Sackgasse manövriert. In Hessen könnte sie noch dort herausfinden, indem sie mit uns und der SPD eine Ampel-Koalition schmiedet. Aber ich fürchte, Herr Westerwelle ist dafür zu stur.

Die Fragen stellte Barbara Gillmann.

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