Interview mit Gerhard Schick: „Der Steuerzahler wird über den Tisch gezogen”

Interview mit Gerhard Schick
„Der Steuerzahler wird über den Tisch gezogen”

Gerhard Schick ist empört: Denn von der Finanzpolitik der Regierung profitieren nur Konzerne, nicht die Bürger, sagt er. In seinem neuen Buch rechnet der grüne Finanzpolitiker mit der Machtwirtschaft der Unternehmen ab.
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Herr Schick, können Sie Jürgen Fitschen, den Co-Chef der Deutschen Bank, eigentlich leiden?
Herrn Fitschen schätze ich als klugen Gesprächspartner. Und generell gilt: Einzelne Manager sind für mich keine Feindbilder, die Strukturen sind entscheidend. Und die zeigen: Die Deutsche Bank ist als Institution zu groß.

Am Donnerstag treffen Sie Fitschen, um über ihr neues Buch „Machtwirtschaft – nein danke!“ zu sprechen. Wird das ihr größter Kritikpunkt, wenn Sie sich treffen?
Ja, das ist wahrscheinlich ein Punkt, an dem es richtig haken wird: Jürgen Fitschen sagt: Deutschland braucht eine große Bank. Und ich sage: Deutschland braucht sicher mehr als Sparkassen und Volksbanken, aber eine Bilanzsumme von über zwei Billionen Euro, die etwa drei Viertel der deutschen Wirtschaftsleistung entspricht, braucht Deutschland nicht. Das ist zu gefährlich, denn diese Größe kann kein Mensch mehr managen.

Sie kritisieren nicht nur die Größe vieler Banken in ihrem Buch. Einer Ihrer zentralen Kritikpunkte ist der Umgang mit der Bankenrettung während der Finanzkrise. Was hätten Sie denn anders gemacht?
Die Bankenrettung ist das Paradebeispiel dafür, dass der Staat im Interesse von wenigen finanzstarken Akteuren handelt und nicht im Interesse der Bürgerinnen und Bürger. Wir hätten uns viel Ärger erspart, wenn wir schon ab 2008 die Stabilisierung des Bankensektors europäisch organisiert, Gläubiger systematisch an den Verlusten beteiligt und Banken, die nicht lebensfähig sind, konsequent abgewickelt hätten. Das hätte uns viel weniger gekostet. Das Argument dagegen war immer: Wenn es zu einer Gläubigerbeteiligung kommt, kippen die Finanzmärkte. Aber das war klug inszenierte Panikmache. Eine Gläubigerbeteiligung von zehn, 20 Prozent hätte keinen Meltdown am Finanzmarkt erzeugt, aber den Steuerzahlern Milliarden an Schulden erspart. Im Rückblick muss man sagen: Die Bankenrettung war eine der größten Umverteilungen der jüngeren Geschichte – von unten nach oben. Die großen Vermögen wurden stabilisiert und wir alle tragen jetzt die Kosten über die Staatsschulden ab.

Sind sie wütend?
Wie meinen Sie das?

Der Titel Ihres neuen Buches lautet: „Machtwirtschaft – nein danke!“, der klingt ein wenig wütend.
Ich bin vor allem empört über die Zustände, die einfach hingenommen werden. Bestes Beispiel ist wieder die Bankenrettung: Fehler passieren, aber wenn so viel Steuergeld verschleudert wird, ohne dass versucht wird, die Verursacher zur Finanzierung des Schadens heranzuziehen, dann bin ich empört. Und wenn die Regierung versucht, den Steuerzahler systematisch an verschiedenen Stellen über den Tisch zu ziehen, dann bin ich sprachlos. Der Staat gehört uns allen und darf nicht für die Interessen weniger eingespannt werden.

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  • Die Welt wurde nicht in einem Tag erschaffen,wir haben nur zugelassen das die Politiker unsere Welt erschaffen.
    Es gibt eine Lebens Weisheit. Entweder du machst es selbst oder du öffnest den Geldbeutel. Was besser ist, muss jeder selber wissen, den jeder schafft seinen Lebenssinn selbst, oder die Andern sagen was du Zutun hast, das ist die heutige Sklaverei, und sie bezahlen noch dafür. Welcher Politiker oder die Machtelite könnte da widerstehen. Wie sagte man Früher, Völker vereinigt euch.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Was nützt all das Faktenwissen, wenn nicht entsprechend gehandelt wird. Die Mehrzahl der Menschen im Lande hat längst erkannt, was hier los ist. Sie sind jedoch noch weitestgehend ohnmächtig, hilflos und verängstigt wie Schafe, weil es keinen Hirten gibt, der ihnen die Richtung vorgibt.
    Das Alles ist jedoch nur eine Frage der Zeit. Wenn die Zahl derer, die nichts mehr besitzen außer ihr Leben und ihre Arbeitskraft sich weiter drastisch erhöht, dann wird sich dieser Zorn des Volkes auch entladen. Dazu braucht es keines Buches über die heutigen Zustände. Wer die Geschichte der Menschheit aufmerksam verfolgt und darin lesen kann, weiss, dass es so kommen muss, weil es immer so war. Es ist überaus anmaßend und eine gehörige Selbstüberschätzung der Mächtigen zu glauben, man könnte alles kontrollieren und habe alles im Griff. Dieser Saustall wird ihnen früher oder später um die Ohren fliegen. Das will ich gern noch erleben, denn es ist nur gerecht, dass die Peiniger irgendwann zur Ader gelassen werden.

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