Interview mit Gudio Westerwelle
„Das TV-Duell ist ein Ärgernis“

Guido Westerelle will das Fingerhakeln der CSU nicht überbewerten, auch wenn sie mit ihren ständigen Attacken auf die Liberalen den falschen Gegner ins Visier nimmt. Im Gespräch mit dem Handelsblatt spricht der FDP-Vorsitzende über das TV-Duell unter Koalitionären, seine soziale Ader und die Opel-Entscheidung.

Handelsblatt: Herr Westerwelle, am Sonntag findet das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier statt. Wo werden Sie sich das ansehen?

Guido Westerwelle: Mutmaßlich zu Hause. Im Anschluss daran habe ich Gelegenheit, das Ganze in einer Sendung des Privatfernsehens zu kommentieren.

Das klingt ein wenig eingeschnappt.

Warum? Es geht doch um keine Eingeschnapptheit von Herrn Gysi, Herrn Trittin oder mir. Für jeden Demokraten sollte das ein Ärgernis sein. Die Opposition, die für 35 bis 40 Prozent der Bürger in Deutschland steht, wird zugunsten eines gebührenfinanzierten Selbstgesprächs der Kanzlerin und ihres Vizekanzlers ausgesperrt. Das ist schon seltsam in einer Demokratie. Es ist Realsatire. Frau Merkel wird dann sagen: Frank-Walter, es war nicht alles schlecht. Und Frank-Walter sagt: Da hast du recht, Angela.

Könnte man auf so ein Duell nicht gleich ganz verzichten?

Inhaltlich ganz bestimmt. Das ist ja kein Duell, sondern eine öffentliche Kabinettssitzung. Die Wähler sollten aber schon wissen, was nach der Wahl auf sie zukommt - Rot-Rot-Grün oder Schwarz-Gelb.

Sind Sie sicher, dass die Union wirklich Schwarz-Gelb will?

Die fast täglichen Attacken aus der CSU lassen nur den Schluss zu, dass sie auf die Fortsetzung der Großen Koalition setzt. Die CSU schießt immer noch auf das falsche Tor. Der Gegner steht links. Wir wollen eine bürgerliche Mehrheit und kämpfen gegen die Gefahr, dass es über kurz oder lang zu einer rot-rot-grünen Bundesregierung kommt.

Offenbar hat die CSU noch keine Ihrer Wahlkampfreden gehört?

Was meinen Sie damit?

Sie wettern gegen exzessive Managerabfindungen, gegen die Dax-Hörigkeit der Politik. Stattdessen wollen Sie sich um die Sorgen und Nöte der Mittelschicht kümmern. Ist das eine neue FDP?

Die Steuerpolitik der FDP setzt auf eine Entlastung vor allem der kleinen und mittleren Einkommen. Und wenn wir die Gesundheitspolitik von Ulla Schmidt beenden wollen, dann wollen wir doch nicht den Reichen einen Gefallen tun. Die Superreichen können sich jede Behandlung irgendwo auf der Welt kaufen, gekniffen ist die Mitte.

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