Interview mit Hans-Werner Sinn
„Sparkassen können auch globale Player sein“

Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, hat eine umfassende Analyse der aktuellen Finanzkrise vorgelegt. Im Interview mit Handelsblatt.com erläutert er, welche Lehren daraus zu ziehen sind. Er skizziert seinen Plan zur Sanierung der Finanzmärkte - und welche Rolle die Landesbanken dabei spielen können.

Herr Sinn, der Titel ihres neuen Buches "Kasino-Kapitalismus" spiegelt die Gefühle wider, die das Geschehen auf den Finanzmärkten bei vielen Menschen ausgelöst hat. Wie schätzen Sie derzeit die Chancen ein, diesen Kasino-Kapitalismus zu bändigen?

Hans-Werner Sinn: Die Chance, den Kasino-Kapitalismus jetzt zu bändigen, ist größer denn je. Die Krise hat aller Welt gezeigt, dass es so nicht weiter gehen kann. Beim G20-Gipfel in London ist man schon ein ganzes Stück voran gekommen.

Die Europäische Union hat mit der Neuordnung der Finanzmärkte begonnen. Was erwarten Sie von einer neuen Regulierung?

Der Kern muss sein, die Banken zu zwingen, künftig mit mehr Eigenkapital zu arbeiten als heute. Das hat zwei Vorteile: Die Institute sind dann krisenfester, und sie wählen risikoärmere Geschäftsmodelle. Ein Teil des Problems, unter dem wir heute leiden, resultiert ja daraus, dass sich die Banken angesichts minimaler Eigenkapitalbestände wie Glücksritter verhalten haben. Sie haben darauf gesetzt, dass ihre Geschäfte schon gut gehen werden. Den Katastrophenfall haben sie ausgeblendet, weil sie wussten, dass dann entweder die Gläubiger oder die Steuerzahler die Zeche zahlen müssten.

Wie soll dieser Zwang zu mehr Eigenkapital durchgesetzt werden?

Die EU kann die Banken selbst nicht zwingen, sie kann aber die nationalen Gesetzgeber verpflichten. Deshalb brauchen wir ein Basel-III-System, das den Banken höhere Mindestkapitalquoten auferlegt. Notwendig ist außerdem, dass der Handel mit Credit Default Swaps, einer Art Versicherungspolice für Kreditrisiken, eingeschränkt wird. Wenn sich die Versicherung auf Ereignisse bezieht, die keinen erkennbaren Schaden für den Versicherungsnehmer bedeuten, sind sie reine Wetten, die keine volkswirtschaftliche Funktion haben. Auch Leerverkäufe sollten eingeschränkt werden, weil sie im Vergleich zu normalen Termingeschäften nur durch die Macht, Marktpreise zu verändern, profitabel werden.

Brauchen wir eine europäische Finanzaufsicht, etwa unter dem Dach der EZB?

Mit Sicherheit. Die großen europäischen Banken sind alle multinational aufgestellt. Deshalb ist es völlig unmöglich, sie durch eine nationale Aufsicht zu kontrollieren. Die Europäische Zentralbank könnte die Aufsicht übernehmen.

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