Interview mit Helmut Schmidt „Angela Merkel agiert nicht sehr geschickt“

Helmut Schmidt rechnet ab: Er wirft der Spitze der Bundesbank vor, wegen nationalstaatlicher Vorbehalte das Projekt Europa aufs Spiel zu setzen. Auch mit Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble geht er hart ins Gericht.
  • David Marsh
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Helmut Schmidt Quelle: DAPD

Helmut Schmidt

Handelsblatt: Viele Jahre lang verfolgte Deutschland zwei parallele politische Ziele: einerseits die Verpflichtung zu finanzieller und monetärer Stabilität, andererseits das Bekenntnis zur europäischen Integration. Denken Sie, dass angesichts der Krise der Währungsunion diese beiden Politiken nicht mehr vereinbar sind?

Helmut Schmidt: Lassen Sie mich erst mit Blick auf das politische Umfeld antworten. Die Briten will ich von meiner Antwort ausschließen, weil die Regierung noch relativ neu im Amt ist und ich die führenden Personen nicht persönlich kenne. Generell würde ich sagen, dass Europa Führungspersönlichkeiten fehlen, Personen in hohen Ämtern in den Nationalstaaten oder den europäischen Institutionen mit genügendem Überblick über nationale wie internationale Fragen und ausreichender Urteilskraft. Es gibt wenige Ausnahmen wie Jean-Claude Juncker, den Premierminister von Luxemburg, aber sein Land ist zu klein, um eine substanzielle Rolle zu spielen. Ich denke nicht, dass die Deutschen oder ihre politische Klasse das Stabilitätsziel aufgegeben haben. Seit 2008 haben die Umstände sie dazu gezwungen - wie auch fast den gesamten Rest der Welt -, ihre Stabilitätsideale zu verletzen, aber das geschah nicht aus freiem Willen, sondern als Folge der Wirtschaftskrise.

Es lag also nicht an der politischen Führung?

Es kommt hinzu, dass die deutsche Regierung aus Leuten besteht, die erst im Amt ihren Job lernen. Sie können nicht auf frühere Erfahrungen in der Weltpolitik oder der Weltwirtschaft zurückgreifen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist ein Mann, den ich schätze und vor dem ich großen persönlichen Respekt habe. Haushalts- und Steuerprobleme versteht er gut. Doch die internationalen Geld- und Kapitalmärkte, das Bankensystem oder die Aufsicht über die Banken und Schattenbanken sind neu für ihn. Dasselbe gilt für Angela Merkel. Das ist keine Kritik an Schäuble oder Merkel, aber wir brauchen Personen in den Spitzenämtern, die ein Verständnis von der heutigen Wirtschaft haben.

Manche Leute sagen, das Problem liege tiefer: Der Geburtsfehler der Währungsunion bestehe darin, dass die Politische Union fehlte.

Das wiederholt die Bundesbank seit 30 Jahren. Im tiefsten Herzen sind die Bundesbanker Reaktionäre. Sie sind gegen die europäische Integration.

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25 Kommentare zu "Interview mit Helmut Schmidt: „Angela Merkel agiert nicht sehr geschickt“"

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  • Herr Schmidt äußert sich extrem inkonsistent und hat die aktuelle Situation eher mitzuverantworten.
    im einzelnen:
    Zu beginn spricht er fast allen Politiker finanzpolitische Kompetenz ab - außer sich selbst natürlich! Das ist an Arroganz kaum zu übertreffen.
    Dann legt er dar, dass er die Eurozone anders gestaltet hätte, nämlich mit deutlich weniger Mitgliedern und festen, unumstösslichen Regeln. Dieser Gedanke ist absolut richtig; nur, wenn ein deutscher Politiker heute so etwas in Europa äußert, dann schnauzt Herr Schmidt über "Wilhelminismus". Das ist absolut unlogisch und unredlich! Und dann fordert Herr Schmidt unverblümt eine "Führungspersönlichkeit"; hoffentlich meinte er nicht "Führer"... die Wortwahl ist erschreckend und undemokratisch.
    Dann schwadroniert Herr Schmidt darüber, dass die Deutschen im 21. und wohl auch im 22. Jahrhundert für Europa zahlen müssten. Wo leben wir denn, Herr Schmidt! ich verstehe ihre Einschätzung sehr gut vor ihrem persönlichen Hintergund als Offizier der ehemaligen Deutschen Wehrmacht an der Ostfront, als Zuschauer im Volksgerichtshof bei Roland Freisler. Das erklärt ihr schlechtes Gewissen! ich hingegen habe mir nie ausgesucht, Deutscher zu sein. ich bin als Europäer genauso gut oder schlecht wie die anderen auch!
    Herr Schmidt bestätigt indirekt im übrigen die Fehlkonstruktion der heutige Eurozone. Zur Lösung der Probleme trägt er mit seinen Äußerungen jedoch nichts bei. Absolut gar nichts. Wenn der einzige Lichtblick für ihn die europäische Versklavung des deutschen Volkes wegen seiner Vergangenheit ist, dann kann ich das nicht ernst nehmen. Jeder hat in Europa Verantwortung, nicht nur die Deutschen! Jeder einzelne, und wenn man genau hinsieht, funktioniert die EU eben nicht. Es ist nicht Anderes als ein basar mit Selbstbedienungsmentalität der einzelnen Nationen. Das merkt man schon beim Hinhören auf Äußerungen der einzelnen EU-Kommissare zu aktuellen Problemen. Die EU ist ein bürokratischer Popanz, der sich deutlich Richtung EUSSR bewegt. ich halte es für besser, einen Schritt zurückzugehen, zu ehrgeizige politische Projekte zurückzustellen und sich wirklich mal zu fragen, was Europa eigentlich soll. Soll es eine "Supermacht" à la USA oder China werden? Soll es nur eine Transferunion werden, in der die Subventionsmentalität der Landwirtschaft auf alle bereiche ausgedehnt wird! Dieser Gedanke ist absurd.
    Wahr ist jedenfalls, dass in Europa die EUliten nichts mehr zu bieten haben. Es ist beschämend, wie die Politiker aller europäischen Staaten dabei sind, Europa zu zerstören. Die bevölkerung wurde sowieso nie gefragt. ich bin wütend und nachdenklich. So geht es jedenfalls nicht weiter.

  • interview mit Helmut Schmidt:„Angela Merkel agiert nicht sehr geschickt“,
    Seit 65 Jahren ist die deutsche Nation kopflos. Deutschland braucht seinen lang ersehnten Erlöser, den Führer hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder. Das ist das Hauptproblem.

  • ich halte Hr. Schmidt immer noch für einen Guten. Weg mit Merkel, Schäuble und Co. Sofort? Die derzeitigen Politiker müssen den angerichteten Schaden aus eigener Tasche bezahlen. Die gesamte Verwandtschaft, bekanntschaft und Freundschaft dürfen helfen, bis Deutschland schuldenfrei ist!

  • Alles schon da Gewesen: http://www.deutsche-schutzgebiete.de/verbreitung_der_deutschen.htm
    Manche Deutsche werden es nie lernen!

  • die Quintessenz des interviews:

    ----------------Zitat:---------------
    ... Deutschland habe sehr vom Euro profitiert, weil die D-Mark niedrig gehalten wurde, und das hat den deutschen Exporten geholfen.

    ich frage mich, ob dieser Profit wirklich ein Profit ist. ich frage mich, ob es wirklich gewinnbringend ist, andauernd Leistungsbilanzüberschüsse aufzubauen. Langfristig ist das kein Gewinn.

    Weil diese Vermögen langfristig abgeschrieben werden müssen, da sie niemand bezahlt?

    Ja, es bedeutet, dass man Waren verkauft und dafür nur Papiergeld erhält. Das wird später abgewertet, und man muss es abschreiben. So hält man Güter von der eigenen Nation fern, die sonst hätten konsumiert werden können.
    -------------/ Zitat-------------------


  • Gerade schaue ich selber nach und habe festgestellt, das die Seiten in Wikis wieder mal schnell bereinigt worden sind, vorher standen dort die Aktivitäten innerhalb und vor des 2. Weltkrieges und die Zugehörigkeit der Familie zu den Nazis und deren Unterstützung.

    Wurde eben mal schnell bereinigt die Seite von der Leyen und deren Herkunft.

    bleibt zu prüfen, warum mein bauchgefühl mit der ursprünglichen Wiki Seite eins zu eins zusammenpasste?

    bleibt zu wiederholen: Ablehnung der Petition durch die Zwangsarbeiter durch Leyen undsoweiterundsofort.
    Dies tippe ich seit zig Jahren hier ein ohne Wikis vorher gelesen zu haben.

    Leiharbeit und deren ausbeutenden Unterstützung ist in Deutschland wiedereingeführt worden.
    Und noch etwas wichtiges von den Adelsforschern, war neulich im Fernsehen: Leyen ist kein Adel.

    So wie ich es auch aus dem bauch heraus nie akzeptiert habe.

    ich liege in diesen Dingen immer richtig und bin einfach die Prinzessin auf der Erbse.

  • Wir stehen schon unter der Nazischuld und wir sollen sie abbezahlen.

    Erst vor kurzem ca. 4 Wochen habe ich zufällig mal im wiki nachgelesen, wer denn der Mann also der Herr sowieso Leyen ist der Mann von der Ursula.

    Und schon wusste ich, was mein bauchgefühl wieder mal wert ist. Ohne dass ich es wusste...

    Sehen Sie sich selber in den Wikis an wer in Deutschland die Fäden im Hintergrund spannt.

    Darum werden diese auch so massiv bekämft von unseren "alten Herrschaften" ehemännern etc...

  • wir werden von einer handvoll "guter europäer" zu tode beschissen. verträge werden gemacht damit sie eingehalten werden - wozu machen wir die dinger sonst? ein paar Wenige putschen hier einen sozialistischen zentralstaat an die Macht - die finanzkrise machts möglich, verträge wurden defakto ausser kraft gesetzt. so werden diktaturen geboren.

  • Selten habe ich so einen geballten Unfug gelesen!

    Herr Schmidt, der ja in seiner Zeit als bundeskanzler schon alles andere als erfolgreich war, wird in den letzten Jahren immer häufiger als moralische und wissenschaftliche instanz von Presse und Journalisten aus dem Hut gezaubert.
    Warum eigentlich?
    Gibt es keine neutralen Wirtschaftsexperten mehr, die geistreicheres beisteuern könnten?

    Seine Aussagen zu den Handelsüberschüssen sind so hanebüchen, das das es schon fast peinlich ist so etwas unwidersprochen im Handelsblatt zu lesen. ist es die Ehrfurcht vor dem Alter, das man so etwas durchgehen lässt?

    Und dann will uns Herr Schmidt auch noch erzählen, das deutsche, nationale Egoismen und fehlender europäischer Geist das Scheitern bestärkt haben. Gerade die Deutschen, die handzahm seit Jahrzehnten den Mund halten und bezahlen, während andere Staaten in brüssel stets den eigenen Vorteil im Visier haben und sich von ihren Landsleuten feiern lassen, für ihre Verhandlungserfolge (siehe Verhandlungen zu den EU-beitragszalungen).

    Und nein Herr Schmidt, nicht die investmentbanken haben die Staatsschulden verursacht, sondern Politiker wie sie, die gerne viel versprechen ohne das nötige Geld zu haben. Nur verlieren die Gläubiger inzwischen die Geduld und wollen ihre Schrottpapiere nicht mehr haben. Wer ist hier also der Verbrecher (ihre bezeichnung für investmentbanker).

    Und bitte verschonen sie uns mit der ewigen Nazischuld, - es reicht!

    (Kommentar bezieht sich auf die Printausgabe Handelsblatt)

  • @[9] FoCS
    "sich Zustimmung/Zuneigung mit deutschen Steuergeldern erkauft hat (Scheckbuchpolitik)."
    Es geht darum die EU-Regel so zu ändern dass den Wirtschaftsschwachen Peripherieländern (oft von der boulevardpresse als Pleitestaaten oder PiiGS genannt) die Möglichkeit gegeben wird ihre Schulden durch Arbeit und Ausfuhren zu tilgen. Man muss aber berücksichtigen dass diese Länder keine "natürliche Standortsvorteile" haben wie Deutschland oder Österreich und auch keine Rohstoffe wie Finnland außerdem einen kleinen binnenmarkt. Die heutige EU-Regeln aber berücksichtigen das nicht. Es ist ein unfairer Wettbewerb. Die Verleumdungskampagne, besonders in Deutschland, hat zu falsche Schlussfolgerungen geführt.
    Das war aber gewollt. Es ist eine erprobte Methode und wurde übrigens auch schon vor 80 Jahren in Deutschland eingesetzt mit den uns bekannter Folge. Dadurch wird die Saat der nächsten europäische Katastrophe gesät. ich hoffe sie werden die ich mich als Ausländer gegeben habe dies auf Deutsch zu schreiben zu schätzen wissen.

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