Interview mit Jürgen Trittin
„Deutsche Uraltkraftwerke sofort vom Netz nehmen“

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin spricht im Interview über die Folgen des Reaktorunfalls für Deutschland, die Atompolitik der Regierung und die Frage, ob sich der Unfall auf den Wahlkampf auswirken wird.
  • 6

Was folgt aus der AKW-Katastrophe für die deutsche Energiepolitik?

Kein Deutsches Atomkraftwerk ist für den Fall einer Kernschmelze ausgelegt. Die Zeit mit diesem Risiko weiter zu leben muss begrenzt werden.

Was fordern Sie konkret von der Bundesregierung?

Dieses Risiko nicht durch Laufzeitverlängerung zu vergrößern sondern sie zurück zu nehmen.

Bundesumweltminister Röttgen hat die Delegierten bei CDU-Landesparteitag zum Beten für die Menschen in Japan aufgefordert. Reicht das?
Ob Beten den Menschen in Japan hilft, muss jeder für sich entscheiden. Ein Bundesumweltminister aber muss die Menschen über die wirklichen Risiken aufklären, anstatt fahrlässig und falsch zu behaupten, ein Atomunfall in einem Higtech-Land wie Japan habe nichts mit Deutschland zu tun, das immerhin den drittältesten Reaktorpark der Welt betreibt.

Was fordern sie von den deutschen AKW-Betreibern?

Zu ihrer eigenen Unterschrift zu stehen und Uraltkraftwerke wie Biblis, Neckwestheim und Brunsbüttel sofort vom Netz zu nehmen.

In Deutschland sind keine Erdbeben nennenswerter Stärke zu erwarten - gibt es davon abgesehen Risiken, denen unsere AKW nicht gewachsen wären?

Die Atomkatastrophe wurde ausgelöst, weil eine Kühlung des Reaktors wegen fehlender Stromversorgung nicht mehr möglich war. Dazu bedarf es keines Bebens, siehe Forsmark, siehe Krümmel. Ein Flugzeugabsturz würde die Frage einer Kernschmelze gerade in den ältesten AKW unmittelbar auf die Tagesordnung setzen.

Aber wie schnell und wodurch könnte Atomenergie hierzulande ersetzt werden?
Deutschland produziert sehr viel mehr Strom als es verbraucht. Der sprunghafte Ausbau erneuerbarer Energien hat uns zum Nettostromexporteur gemacht, der die Jahresleistung von rund sieben Großkraftwerken im Ausland verkauft. Ein Abschalten der ältesten Atomkraftwerke ist da von heute auf morgen möglich – und es würde unsere überlasteten Stromnetze entlasten.

Gehen Sie davon aus, dass die japanische Katastrophe den Grünen bei den kommenden Wahlen zusätzliche Wähler zutreibt?
Wir wünschen uns, dass die ganz große Katastrophe in Japan ausbleibt.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Interview mit Jürgen Trittin: „Deutsche Uraltkraftwerke sofort vom Netz nehmen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ich schreibe es gerne wieder und wieder: jeder der Trittin ernst nimmt ist nicht mehr zurechnungsfähig.

    den Vorschlag mit dem Abschalten der akw's greife ich mal kurz auf:
    deutsche AKW's produzieren 11% des in dtl produzierten stromes. 2007 hatten wir eine nahezu ausgeglichene energiebilanz, will heißen keine energie importe keine exporte. ich will zugestehen dass sich die bilanz etwas ist plus gedreht hat (dass dtl etwas strom exportiert hat), aber nicht in dem maße, dass wir auf kernenergie verzichten könnten.
    sooo wir schalten alle akw's ab. es entsteht eine Bedarfslücke von ca. 8-10%, d.h. wir werden zum strom importeur. wo kommt der her? da wo er billig ist! wo ist er billig? wo keine hohen sicherheitsstandarts sind, wo doe technologie veraltet ist und was näher an tschernobyl liegt.

    was ist also die folge? wir schalten unsere doch sicheren akw's und importieren den strom aus dem osten von hiesigen akw's.
    was bringt uns das? Richtig :KONTROLLVERLUST, STEUERAUSFÄLLE und grüne öko-Terroristen

    trittin ist ein heuchler.

    Vielen Dank

  • Wir könnten uns doch selbst ein Zeichen oder Signal setzen und einfach 3 Kernkraftwerke vom Netz nehmen, eines sofort, das nächste in einem Jahr das dritte in 2 Jahren.
    Parallel einfach verstärkt in die Wasserstofftechnik investieren und verstärkt Gebäude nach folgendem Programm >Förderung Zinsloses Darlehen
    isolieren:
    1. Ausstausch der Fenster in beheizten Räumen mit U = 0,7
    2. Innenwandisolierung (gibt es inzwischen) in beheizten
    Räumen, da kommen gut 30 - 50 % Einsparung dazu
    3. Autos mit Brennstoffzellen fördern, paralell die Wasserstofversorgung ausbauen und die Überlandleitungen einsparen > Unfug

  • Der Typ gehört schlicht und ergreifend weg - untragbar mit einem dummen Geschwätz.
    Nur zur Erinnerung: Trittin hatals grüner Umweltminister E10 veranlaßt, Gabriel als roter Umweltminister hat ihn verzögert und jetzt fliegt uns die Sch... um die Ohren. Mit deutschen AKWs hatten wir solche Probleme noch nie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%