Interview mit Karl-Rudolf Korte
„Jamaika ist für die Grünen einfacher“

Karl-Rudolf Korte, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen, spricht im Handelsblatt-Interview über die Rolle der FDP auf Länder- und Bundesebene sowie Chancen und Hindernisse für Jamaika- und Ampelkoalition.

Herr Korte, muss die FDP nach der Bundestagswahl im September in der Regierung sitzen?

Die FDP steht vor keiner Zerreißprobe, wenn sie nicht mitregiert. Die Partei gewinnt derzeit sehr viel Kraft über die Landesebene: Sie regiert in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit der Union. In Hessen könnte es am 18. Januar auch klappen – dann sind sie praktisch vierter Koalitionspartner im Bund.

Auf der Bundesebene wird das FDP-Image nach elf Jahren Opposition aber zwangsläufig blasser.

Für eine Funktionspartei wie die FDP wäre es wichtig, wenn sie wieder als Mehrheitsbeschaffer in einer Regierung sitzen könnte. Zurück bleibt sonst aus Sicht der Wähler im Zeitraffer nur das Image einer Partei, die für Steuersenkungen eintritt. Dabei ist das FDP-Portfolio viel breiter. Nur wissen das die Wähler irgendwann nicht mehr. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass die FDP unbedingt in die Regierung muss.

Welche Konsequenzen haben vier weitere Jahre Opposition für Parteichef Guido Westerwelle?

Ich kann in der FDP niemanden erkennen, der sich als Kritiker von Guido Westerwelle aktiv und machtbewusst hervortut. Da muss sich also nach der Wahl nichts ändern. Westerwelles Bilanz etwa in den Ländern kann sich sehen lassen.

Ist es einfacher für die Grünen, in eine Jamaika-Koalition einzutreten, als für die FDP, in eine Ampelkoalition zu gehen?

Es ist für die Grünen einfacher, mit Union und FDP zu regieren. Die schwarz-grüne Koalition in Hamburg hat das gezeigt. Den Liberalen hängt immer das Umfallerimage an. Wenn sich Westerwelle vor der Bundestagswahl zur Union bekennt, kann er nur sehr schwer nach der Wahl eine Koalition mit SPD und Grünen eingehen.

Belastet es die FDP, dass sich die Kanzlerin gegen eine klare Koalitionsaussage stemmt?

Die FDP wird bei Wählern dadurch nicht besonders leiden. Aber die Wähler wollen wissen, was mit ihrer Stimme passiert. Wenn die Union sich nicht klar äußert, muss die FDP sagen, mit wem sie auf keinen Fall eine Koalition eingehen will.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
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