Interview mit Klaus Hopt
„Gefahr einer Überregulierung"

Das Finanzmarkt-Stabilisierungsgesetz darf nicht in die normale Gesetzgebung einfließen. Im Handelsblatt-Interview äußert sich Governance-Experte Klaus Hopt zu den Konsequenzen aus der Finanzkrise - und warnt vor einer Gesetzesflut.

Handelsblatt: Herr Hopt, Finanzkrise und Rezession gelten als Versagen der Wirtschaftselite. Rechnen Sie jetzt mit mehr staatlicher Reglementierung?

Klaus Hopt: Es besteht in der Tat die Gefahr einer Überregulierung, einer Überfülle an Normen und einer neuen protektionistischen Welle.

Weil Regierungen ihre Unternehmen jetzt gegen Ausverkauf schützen wollen?

In Italien können Sie das gerade beobachten. Berlusconi versucht beispielsweise, die bislang recht liberalen Übernahmeregeln zurückzudrehen. Nationalismus wird langfristig dazu führen, dass diese Länder den Wettlauf verlieren. Wenn nicht gegen eine wiedererstarkte USA, dann aber auf jeden Fall gegen die Bric-Staaten.

So wie nach den Bilanzskandalen vor sieben Jahren?

Damals war die US-Regierung mit dem Sarbanes Oxley Act über das Ziel hinausgeschossen. Jetzt rudern sie zurück, weil die New Yorker Börse im Wettlauf um neue Notierungen von London abgehängt wird. Ich kann nur hoffen, dass uns eine solche Überreaktion erspart bleibt. Aber ich will nicht ausschließen, dass das auch hier kommt. Vor allem wegen der bevorstehenden Bundestagswahl.

Das Finanzmarkt-Stabilisierungsgesetz hat immerhin ein Verfallsdatum.

Ich hoffe, dass es ein Übergangsgesetz bleibt und nicht in die normale Gesetzgebung einfließt. Die Gefahr ist groß. Beim Insolvenzrecht ist schon der Überschuldungsbegriff aufgeweicht worden. Das mag noch in Ordnung gehen. Aber Gott bewahre uns davor, dass Vorstände künftig weiterhin einige grundlegende Entscheidungen treffen dürfen, ohne die Aktionäre zu fragen.

Sollten die umstrittenen Fair-Value-Bilanzregeln geändert werden?

Nein, da bin ich ganz auf Seiten vieler Ökonomen. Wir Deutschen hängen zu sehr am Gläubigerschutz. Mit stillen Reserven macht letztlich der Vorstand, wie er es gerne hätte. Das ist eine Irreführung des Kapitalmarkts. Wir können nicht zum Rheinischen Kapitalismus zurückkehren.

Kritiker bemängeln auch, Fair Value und andere eher angelsächsische Regeln seien systemfremd.

Systeme können lernen. Die Banken halten hierzulande ja auch nicht mehr das Netz der Deutschland AG zusammen. Viele von ihnen haben freiwillig ihre Industriebeteiligungen aufgegeben.

Die Effekte schaukeln sich auf, ein Grund für die jetzige Krise.

Der Verstärkereffekt ist in der Tat ein Problem. Den gibt es auch an der Börse, wie der jüngste Fall mit Volkswagen-Aktien gezeigt hat. Man kann aber sicher, wie beim Dax, über Kappungsgrenzen nachdenken oder über besondere Regeln für die Banken.

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