Interview mit: Kurt Biedenkopf
„Wir haben nun einmal dieses Gesetz“

Kurt Biedenkopf (SPD) leitet heute schon zum zweiten Mal eine Kommission zur Reform der Unternehmensmitbestimmung. Mit dem Handelsblatt sprach er über die Interessen von Anteilseignern und Beschäftigten.

Ist die deutsche Mitbestimmung noch zeitgemäß?

Wenn Sie so fragen: Eindeutig ja.

Ohne Einschränkung?

Soweit ich erkennen kann und nach allen mir bekannten Studien hat sich die deutsche Mitbestimmung jedenfalls im Grundsatz bewährt. Natürlich treten hier und da in der Praxis auch Mängel auf. Aber das ist ja kein Einwand gegen das Konzept als solches.

Kann eine starke Arbeitnehmer-Mitbestimmung überhaupt auf Dauer gegen einen wachsenden, angelsächsisch geprägten Einfluss der Finanzmärkte bestehen?

Ich sehe da keinen Gegensatz. Die Interessen von Anteilseignern und Beschäftigten müssen im Unternehmen immer in irgendeiner Art zusammengeführt werden. Nach meinem Eindruck erweist sich die Mitbestimmung in Deutschland zunehmend als Vorteil, weil Anpassungsprozesse in den Unternehmen dadurch oft wesentlich reibungsloser ablaufen.

Und diese Einschätzung teilen auch jene, die über die Kapitalausstattung der Firmen entscheiden?

Jedenfalls wird die Bedeutung des Themas auch im angelsächsischen Raum zunehmend erkannt. Die Debatte um Corporate Governance reicht ja längst weit über simple Shareholder-Value-Ansätze hinaus. Es wird für den Unternehmenserfolg anerkanntermaßen immer wichtiger, dass die Unternehmensführung die Wissensträger – allgemeiner: den Humanfaktor – stark berücksichtigt.

Braucht man dazu ein Gesetz, das eine (fast) paritätische Mitbestimmung vorschreibt?

Wir haben nun einmal dieses Gesetz, und wir können uns auch nicht von unserer Geschichte lösen. Das Mitbestimmungsgesetz hat sich aus Sicht von Arbeitnehmern und Gewerkschaften als ganz zentrale Voraussetzung erwiesen, um den Konflikt zwischen Kapital und Arbeit zu überwinden, der in Deutschland historisch bedingt besonders ausgeprägt war. Das ist schon ein sehr wichtiger Aspekt.

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