Interview mit Peter Gauweiler
„Die AfD war eine Hallo-Wach-Tablette“

Der Chef-Querulant der CSU, Peter Gauweiler, ist jetzt Partei-Vize. Ein Gespräch über die Konkurrenz der Union zur AfD und wie er als Kommissionspräsident die EU reformieren würde.
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CSU-Vize, Euro-Gegner, Querulant: Die Wahl von Peter Gauweiler zum CSU-Parteivize im vergangenen Jahr war eine Überraschung, denn Gauweiler polarisiert. Im Interview mit Handelsblatt Online spricht er über die Konkurrenz zur AfD, Europa und Angela Merkel.

Herr Gauweiler, beim Politischen Aschermittwoch der AfD hat Bernd Lucke Sie als Pin-up Girl der CSU bezeichnet. Wie fühlen Sie sich als leichtes Mädchen Ihrer Partei?
Bitte die nächste Frage.

Stört Sie die Frage oder möchten Sie nicht über die AfD sprechen?
Nein, einfach die nächste Frage.

Wie hat die AfD Ihre Partei verändert?
Überhaupt nicht. Die Formation von Herrn Lucke hat sicher Leben in die Debatte gebracht und bei der CDU das Bewusstsein geschärft, dass die Stammwähler nicht vernachlässigt werden dürfen. Allerdings haben wir als CSU immer darauf geachtet, die treuen Anhänger nicht zu vergrätzen. Für den Rest der Union war diese Parteigründung rechts der Partei eine Hallo-Wach-Tablette.

Wären Sie als Eurokritiker auch ohne die AfD stellvertretender CSU-Vorsitzender geworden?
Die CSU hat die Skepsis gegenüber dem, was in Brüssel passiert, schon lange auf dem Programm. Wir waren bekanntlich die einzige Partei, die wirklich über den Vertrag von Maastricht diskutiert hat und haben am Ende die Stabilitätskriterien durchgesetzt. Meine Anträge beim Bundesverfassungsgericht habe ich zwar alleine gestellt, das stimmt, aber die CSU hat es dann verstanden, sich relativ schnell dem anzuschließen. Insofern sind die Positionen nicht neu.

Bei der vergangenen Wahl zum Parteivize haben Sie gegen Peter Ramsauer krachend verloren.
Mei, manchmal verliert man, manchmal gewinnt man. Es war auch nicht krachend, sondern ganz knapp.

Kommentare zu " Interview mit Peter Gauweiler: „Die AfD war eine Hallo-Wach-Tablette“"

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  • Im Grunde genommen ist Gauweiler Recht zu geben: Die alten Vorstellungen vom Europa der Vaterländer, das die jeweilige kulturelle Tradition der Einzelstaaten überarbeitet und alles ausgrenzt, was dem Kulturaustausch und der Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Entwicklung einer humanistischen Kultur bisher im Wege stand und Konfliktstoff der Vergangenheit war und immer noch ist. Angesichts der großen Tradition der Kultur von Antike, Renaissance, Humanismus und Aufklärung in Italien, Frankreich und Deutschland wäre das eine spannende Aufgabe, die auch diesem Lande ermöglichen könnte, seine geistige Entwicklung der letzten 200 Jahre gründlich zu überprüfen und in Richtung einer humanistischen Kulturtradition zu ändern, etwa in Anlehnung an einen verschmähten Philosophen dieses Landes: „Wir suchen heute den Boden, auf dem Menschen aus allen Kulturen sich über die Welt hin sinnvoll begegnen können, bereit, ihre je eigene Geschichte neu anzueignen, zu reinigen und zu verwandeln, aber nicht preiszugeben.“
    Und was haben wir jetzt? Den schlimmen Versuch, die Eigenheiten (nicht Eigenarten) der Länder über eine Haftungs- und Schuldenunion in einem Euro-Topia zu verwischen und das Dilettanten zu überlassen, die schon mehrfach in ihren Ländern gescheitert sind. Und der Oberdepp des europäischen Parlaments, ehemals Bürgermeister eines kleinen Nestes bei Aachen und jetzt oberster Spesenritter der europäischen Union (Hans Herbert von Arnim – Das Europakomplott) gibt auch hier seinen Senf dazu: Maastricht soll an die „Realitäten“ angeglichen werden. Größere Aporie politischer Tätigkeit kann es doch nicht geben, oder?
    Ob das die Blockparteien ändern können, wage ich zu bezweifeln – Ich sehe keinen einzigen Politiker mit auch nur annähernden Fähigkeiten.
    Im Gründungsstadium der AfD gab es solche Gedanken, die allerdings jetzt durch eine ganze Reihe von Banalitäten stark verschüttet sind. Aber allemal besser als auf rot-rot-grün-schwarz-gelb zu vertrauen.

  • Klasse argumentiert. Ein Europa der Vaterländer wäre mein Wunschtraum, ohne Pflicht einer Einheitswährung, ohne Ausbeutung der schwachen Länder, ohne Schuldenvergemeinschaftung, ohne Kriegstreiberei (Ukraine), ohne Vertragsbrüche (Maastrichtvertrag), mit politischer Eigenständigkeit durch demokratische Vertreter der Bürger vor Ort, mit mehr Selbstbestimmung ohne unsinnige Bevormundungen (Gurken, Birnen, Staubsauger, Kaffeemaschinen, Kanalprüfungen etc.), mit viel Mitbestimmung durch die Bürger in wichtigen Angelegenheiten (siehe Schweiz). Weil das alles die Blockparteien nicht wollen, sondern lieber unser Land ausverkaufen, teilweise sogar hassen, muss man sich nach Alternativen umschauen. Gott sei Dank gibt es sie in allen Ländern. Der unproduktive Wasserkopf in Brüssel muss um 90 % schrumpfen, weil so ein Irrsinn nicht mehr bezahlbar ist. Europa kann sich diesen Milliarden-Luxus einer annähernden Diktatur nicht mehr leisten!

  • Deutsche Politiker wachen auf und denken an Deutschland?? Wann soll dies geschehen??

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