Interview mit Susanne Schmidt
„Bundesbank untergräbt Glaubwürdigkeit der EZB“

Die Finanzexpertin Susanne Schmidt empfiehlt in ihrem Buch „Das Gesetz der Krise“ eine Neuregulierung der Finanzbranche. Im Interview spricht sie über Lösungen der Euro-Krise und die Rolle der Notenbanken.
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Handelsblatt: Frau Schmidt, Angela Merkel hat dem griechischen Premier Antonis Samaras keine Zugeständnisse gemacht, als er sie am Freitag in Berlin besuchte. War das richtig?

Susanne Schmidt: Sie sollte sich aufgeschlossen dafür zeigen, die Rückzahlungen der Rettungsgelder nach hinten zu verschieben und möglicherweise auch die Zinszahlungen zeitweilig auszusetzen. Sie sollte signalisieren, dass sie Verständnis für Griechenlands großen innenpolitischen Probleme hat, Samaras aber auch klarmachen, dass er den Reformkurs strikt fortsetzen muss.

Dann hätte sie aber eine Menge Widerspruch gehört, vor allem aus ihrem eigenen politischen Lager.

Ja, das ist ein Problem. Wenn wir die Krise bewältigen wollen, brauchen wir Politiker, die an einem Strang ziehen. Wir brauchen viel Zeit, jedwedes Tun oder Unterlassen wird viel Geld kosten, und wir brauchen zudem eine gehörige Portion Glück. Und nationale Zentralbanken, die nicht querschießen.

Sie meinen die Bundesbank ...

...die keine besonders glückliche Rolle spielt. Mit ihrer beständigen Kritik untergräbt sie die Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank in Deutschland. Damit ist niemandem geholfen. Sie versucht, Politik zu machen, und wendet sich direkt an die Bevölkerung - das geht nicht. Die Geldpolitiker sollen sich streiten, kontroverse Diskussionen sind notwendig - aber nicht in der Öffentlichkeit.

Die Kritik an der EZB wird inzwischen von vielen Politikern geteilt.

Von einigen. Doch das ist nicht immer ehrlich. Da wird EZB-Präsident Mario Draghi angegriffen, aber insgeheim ist man froh, dass er zum Gelddrucken übergegangen ist und so das Zeitfenster für politisches Handeln geöffnet bleibt.

Gerade durch das Gelddrucken hat das Ansehen der EZB aber gelitten.

Nur in Deutschland. Weltweit hat die EZB ein sehr gutes Ansehen. Und seien wir ehrlich: Wenn sie nicht immer wieder eingegriffen hätte, zum Beispiel mit dem Ankauf von Staatsanleihen, der großen Sonderkreditlinie für die Banken oder der Akzeptanz von minderwertigen Sicherheiten, dann wäre die Währungsunion in die Luft geflogen. Die EZB hat seit Ausbruch der Krise einen schrecklich schwierigen Job, aber unterm Strich hat sie ihn bisher hervorragend gemeistert.

Kommentare zu " Interview mit Susanne Schmidt: „Bundesbank untergräbt Glaubwürdigkeit der EZB“"

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  • Nicht zu glauben, dass Frau Schmidt sich dafür stark machen will, sich gegen die mit der Bundesrepublik geschlossenen Verträge stark zu machen. Auch wenn ihr Beitrag eine freie Meinungsäußerung darstellt, befremdet sie dennoch, weil es ihr klar sein müsste, dass Verträge einzuhalten sind.

    Geschieht dies nicht, wer wollte dann noch Verträge abschließen? Wie wollte man dann den Euro retten? Er wäre schlicht zu einem Zufallsprodukt verkommen.

    Die deutschen Politiker wären gut beraten, dem Bundesbankpräsidenten den Rücken zu stärken oder distanzieren sie sich etwa von ihren eigenen Beschlüssen?

  • @ Sir_Walter
    Schade, daß Sie sich das Interview nicht angeschaut haben, es war nämlich durchaus in vielen Passagen hörenswert. Die Zukunft Europas sieht Herr Schmidt eher pessimistisch. Die von ihm geforderte Solidarität sehe ich auch nicht als Lösungsmodell, da ist er einfach ein Mann seiner Generation, der sich und seine Ansichten nicht mehr in Frage stellt, persönlich ausgesorgt hat und sich nun im Gutmenschentum gefallen kann. Das ist das Privileg des Alters und ich gestehe ihm das gern zu. Das bedeutet aber nicht, daß er nichts relevantes mehr zu sagen hat. Beispielsweise sagte er, der Sozialist JAQUE DELORES (franz. Wirtschaftsminister und 10 Jahre EU-Präsident) habe verhinden wollen, daß Großbritanien Mitglied der europäischen Gemeinschaft wird. Damit ist aus meiner Sicht offenbar, daß es jedenfalls den Franzosen niemals um das vielbeschworene, einige Europa ging, sondern immer nur um ihre Vormachtstellung in einem definierten europäischen Großraum. Mit den Briten an Bord war klar, daß die Franzosen nicht das alleinige Sagen hatten (die Deutschen hatten ohnehin nix zu melden). Um es auf den Punkt zu bringen: die Franzosen wollten von Anfang an auf dem europäischen Kontinent herrschen, den Deutschen kam die Rolle der Arbeitsmaschine zu, Spanien und Italien waren politisch zu schwach, um den Franzosen ernsthaft etwas entgegenzusetzen. Und die einzigen, die sich den franz. Machtanspruch verbeten hätten, die Briten, sollten garnicht dabei sein. Schmidt hat seinerzeit wohl darauf bestanden, daß man ein Europa nur mit den Briten schmieden kann. Diese Passage hat für mich den europäischen Gedanken entlarvt, da jedenfalls die Franzosen immer anderes im Sinn hatten als in den schönen Sonntagsreden beschworen wird.
    Schauen Sie sich das Interview an, wenn es irgendwo verfügbar ist, Sie werden es nicht bereuen. Und auf die teilweise dümmlich-naiven Fragen von Frau Maischberger konnte man nur in kurzen Sätzen antworten.

  • Dummes Geplapper, wie Schulden ehrlich bezahlt werden, weiß sie nicht. Natürlich auch nicht viele andere die sich täglich melden im großen Spiel der Abzocke. Ob Nobelpreisträger oder Handwerker, wer sein Geschäft nicht versteht und trotzdem immer in der Öffentlichkeit die Posaune bläst, wird nach dem großen Crash gefragt was er vorher sagte. Dann reden wir auch über ganz andere Dinge, über die sich ein Ami momentan keine Gedanken macht; Systemwechsel?
    Ovid

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