Interview
„Niemand weiß, was Obama will“

Das Handelsblatt sprach anlässlich der Münchener Sincherheitskonferenz mit Dmitrij Rogosin, Russlands Botschafter bei der Nato.

Handelsblatt: Russlands Präsident Medwedjew hat einen Plan für eine Sicherheitsarchitektur in Europa vorgelegt. Wer ist dagegen?

Rogosin: Vor allem die Bürokraten in den internationalen Organisationen wie Nato, OSZE, die ihre seit Jahrzehnten gefestigten Strukturen und letztlich auch ihre Posten und Pöstchen behalten wollen. Politisch gibt es sogar EU-Staaten, die uns unterstützen.

Ist denn mit der Wahl Barack Obamas die Chance auf eine neue Weltordnung und Sicherheitsarchitektur gewachsen?

Klar. Aber im Moment weiß noch niemand wirklich, was Obama will. Auch sein Vize-Präsiden Biden wird in München nichts großartig Neues verkünden. Das behält sich Obama selbst vor, wenn er im April auf dem Nato-Gipfel zum 60. Bestehen der Allianz in Straßburg und Kehl auftritt.

Aber besteht denn jetzt die Chance, Medwedjews Plan einer neuen Sicherheitsstruktur anstelle der bisherigen Organisationen wie Nato und Uno, umzusetzen?

Wir hätten diese neue Idee schon längst umsetzen müssen. Dann hätte so ein Heißsporn wie Georgiens Präsident Saakaschwili nicht einen Krieg im Kaukasus vom Zaun brechen können. Sondern wir alle zusammen hätten für Sicherheit und Stabilität dort eingestanden.

Das ist Ihre Ansicht. Einige im Westen sagen aber, die Lehre aus dem Krieg von Russland gegen Georgien ist, dass die Nato nun Georgien und die Ukraine aufnehmen müsse.

Davon spricht meiner Ansicht nach niemand ernsthaft mehr. Ich rechne nicht damit, dass die Nato auf ihrem Gipfeltreffen im April noch mal Einladungen an beide Länder bekräftigt.

Die Fragen stellte Mathias Brüggmann

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