Interview
Schmidt fordert Verbesserung der Betreuung von Kleinkindern

Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) hat im Interview mit dem Handelsblatt Länder und Kommunen aufgefordert, die Einsparungen durch die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe für die Verbesserung der Betreuungsangebote für unter dreijährige Kinder zu nutzen.

Deutschland ist Europameister beim Kindergeld. Trotzdem haben wir mit die niedrigste Geburtenrate. Was machen wir falsch?

Bei der Kinderbetreuung sind wir Schlusslicht. Mit einer Versorgungsquote von 2,7 Prozent bei Kinderkrippen für unter Dreijährige in Westdeutschland sind wir sogar Entwicklungsland. Und diese Quote ist in den vergangenen vier Jahren sogar noch gesunken. Fortschritt ist hier zu Lande nicht nur eine Schnecke – diese Schnecke kriecht auch noch rückwärts. Für weitere vier bis fünf Prozent der Kleinkinder gibt es Tagesmütter. Das ist im Westen ein Versorgungsgrad von sieben Prozent. In Schweden sind es vierzig Prozent.

Was tun Sie dagegen?

Durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe haben Länder und Kommunen eine Einsparung von 3,2 Milliarden Euro. Davon sollen bis zu 1,5 Milliarden Euro jährlich steigend in den Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige fließen. Mit der Einigung über Hartz IV ist dafür der Startschuss gefallen. Es kann nun losgehen.

Bei der Betreuung für ältere Kinder sieht es kaum besser aus.

Bei der Betreuung über Dreijähriger ist seit Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz viel geschehen. Hier fehlt es aber wie bei den Schulen an Ganztagsbetreuungsangeboten. In den Ländern um uns herum gehen 90 % der Kinder auf Ganztagsschulen. Auch hier nimmt der Bund Geld in die Hand. Seit 2003 läuft unser bis 2007 befristetes Investitionsprogramm für Ganztagsschulen. Kürzlich haben wir die 1000. Ganztagsschule eröffnet.

Ostdeutschland verfügt bereits heute über ein ausgezeichnetes Betreuungsangebot, trotzdem sind dort die Geburtenraten niedriger.

Niedrige Geburtenraten haben nie nur einen Grund. Fehlende Betreuungsmöglichkeiten sind einer, hohe Arbeitslosigkeit wie insbesondere in Ostdeutschland ein weiterer Grund. Aber wir wissen, dass gerade gut qualifizierte Frauen ihren Kinderwunsch zurückstellen. Wir müssen dafür sorgen, dass aus Kinderwünschen auch Kinderwirklichkeit wird. Dazu muss auch die Wirtschaft ihren Beitrag leisten, indem sie Familie und Beruf besser vereinbar macht.

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