Interview
„Wahnsinn, dass die Banken Milliarden bunkern“

Die Unternehmen spüren angesichts der dramatischen Lage auf den Finanzmärkten derzeit wenig von einer Kreditklemme, meint Anton F. Börner. Das Handelsblatt sprach mit dem Präsidenten des Bundesverbands Groß- und Außenhandel (BGA) über die Krise und mögliche Lösungen.

Herr Börner, die Vertrauenskrise unter den Banken hält an. Haben Sie ein Rezept dagegen?

Man muss diesen Teufelskreis durchbrechen. Die Zinssenkungen und Liquiditätsspritzen der Notenbanken verpuffen praktisch wirkungslos, weil das Misstrauen der Kreditinstitute untereinander anhält. Deshalb sollten die EZB und die Notenbanken in der Schweiz und England als Garanten im Interbankenmarkt fungieren. Zwangsläufig müssen auch die Fed und die japanische Notenbank einbezogen werden.

Was heißt das genau?

Das heißt, dass die Zentralbanken mit Ausfallbürgschaften das fehlende Vertrauen ersetzen, so dass sich die Banken untereinander wieder Geld leihen können. Wenn dann eine Bank ausfallen würde - was bei den Großbanken übrigens sehr unwahrscheinlich ist - würde die Zentralbank auf erstes Anfordern, also unverzüglich, einspringen. Das Risiko läge dann nicht mehr bei den teilnehmenden Banken und der Geldmarkt käme wieder in Schwung. Zunächst sollte das für die Overnight-Transaktionen gelten, später wäre eine Ausweitung auf Einmonats- und Dreimonatsgelder denkbar. Die Maßnahmen müssten natürlich in enger Abstimmung mit der EU und den Regierungen erfolgen.

An die Marktkräfte glauben Sie nicht mehr?

Im Moment brauchen wir einen Anstoß von außen, das Vertrauen muss quasi exogen in den Markt kommen. Es ist doch ein Wahnsinn, dass die Banken ihre Milliarden bunkern, weil das Vertrauen fehlt. Mein Vorschlag wäre auch schnell und unbürokratisch umzusetzen, alles andere - etwa die Lockerung der internationalen Bilanzvorschriften - dauert zu lange.

Haben Sie Angst vor einer Kreditklemme?

Noch spüren die Unternehmen wenig. Aber es ist die Befürchtung da, dass sich die Abwärtsspirale weiter nach unten dreht. In den vergangenen Jahren wurden zwei Millionen neue Jobs geschaffen, die wären auch als erste wieder gefährdet. Das müssen wir verhindern und als Erstes bei den Banken ansetzen.

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