Interview
„Wir spüren Rückenwind“

IG-Metall-Chef Berthold Huber spricht im Handelsblatt-Interview über die Frage nach gerechtem Lohn, die geforderte Lohnangleichung zwischen Stammpersonal und Zeitarbeitern und den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst.
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Handelsblatt: Herr Huber, der öffentliche Dienst hat mit 6,3 Prozent einen kräftigen Tarifabschluss vorgelegt. Was folgt daraus für Ihre Tarifrunde – haben Sie sich schon bei Verdi-Chef Bsirske für die Vorlage bedankt?

Berthold Huber: Wir haben gerade erst wieder miteinander telefoniert, so wie wir das regelmäßig tun. Ich finde, Verdi hat eine gute Arbeit gemacht. 3,5 Prozent mehr in diesem Jahr und direkt weitere 1,4 Prozent im Januar 2013 – das sind 4,9 Prozent innerhalb von zwölf Monaten. Das ist auch nach den Maßstäben der IG Metall ordentlich bis ambitioniert.
Ist das jetzt Rückenwind für Ihre Metall-Tarifverhandlungen?
Wir spüren schon die ganze Zeit Rückenwind. In den Belegschaften gibt es viel Unterstützung für unsere Forderungen. Aber das Ergebnis des öffentlichen Dienstes wirkt da zusätzlich beflügelnd. Es ist eine Mahnung an die Metall-Arbeitgeber, nicht das Maß zu verlieren. Sie müssen erkennen, dass man nicht grenzenlos nach unten Pokern kann. 

3,5 Prozent für dieses Jahr, 4,9 Prozent in zwölf Monaten – ist das jetzt Ihre Messlatte für die Metall-Tarifrunde?
Ich werfe dazu jetzt keine Zahlen in den Raum. Aber natürlich gibt es in Tarifrunden immer so etwas wie eine magische Zahl: Jeder hat eine eigene Vorstellung davon, wo sie liegt. Sicher ist, dass die magische Zahl 2012 höher liegt als 2010. 
Noch mal zum öffentlichen Dienst. Die Staatskasse wird von den Industriebeschäftigten mitfinanziert. Ist da so ein hoher Abschluss nicht ein Ärgernis?
Wenn alles so simpel wäre, hätten wir eine andere Welt. Aber zur Realität gehört auch, dass eine starke Metall- und Elektroindustrie ohne einen funktionierenden öffentlichen Dienst nicht vorstellbar wäre. Wer gute öffentliche Dienstleistungen will, der muss sie auch ordentlich bezahlen …
… und wenn gerade Schuldenkrise ist, soll man trotzdem richtig zulangen?
Ich bitte Sie. Wir reden von einer ordentlichen Erhöhung, nicht weniger und nicht mehr. Man kann doch nicht die Tarifpolitik im öffentlichen Dienst permanent auf null setzen, also dauerhaft Reallohnverluste festschreiben. Es war hier jahrzehntelang ein Grundkonsens, dass die Tarifentwicklung der verschiedenen Bereiche nicht zu weit auseinanderlaufen soll. Das war ein guter Konsens. Falls jetzt manche Kommunen ernste finanzielle Probleme haben, muss man sich die Einnahmeseite des Staates vornehmen. 

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