Interview Wolfgang Schäuble
Neue Griechenland-Hilfe „weit geringer“ als früher

Bundesfinanzminister Schäuble schließt einen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland kategorisch aus. Über neuerliche Hilfen müsse hingegen erst noch entschieden werden, sagt er im Handelsblatt-Interview.
  • 112

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) rechnet damit, dass ein neues Rettungspaket deutlich geringer ausfallen würde als die ersten beiden. Er habe „weitere Hilfen in Aussicht gestellt – unter der Bedingung, dass die Athener Regierung die ihr auferlegten Maßnahmen erfüllt, und in der Erwartung, dass es hier um weit geringere Summen geht als bisher, weil Griechenland dann ja schon einen Primärüberschuss erwirtschaftet“, sagte Schäuble im Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Auf die Frage, woher das Geld kommen soll, antwortete der Finanzminister: „Das ist alles noch nicht entschieden. Aber wir haben den Rettungsfonds ESM – und der ist bei weitem nicht ausgeschöpft.“

Die Kritik der Opposition, er verschleiere die Kosten der Griechenland-Rettung, wies Schäuble scharf zurück. „Ich bin es leid, dass mir von der Opposition ständig vorgeworfen wird, ich würde irgendetwas verschweigen oder beschönigen“, sagte Schäuble. „Das ist Unfug.“ Gleichzeitig verteidigte er seine Ankündigung, dass Athen neue Hilfen brauchen könnte. „Ich habe einfach noch einmal sehr deutlich daran erinnert, dass Mitte nächsten Jahres eine Entscheidung auf uns zukommt“, sagte der Finanzminister. Dieser Termin habe „rein gar nichts mit der Bundestagswahl zu tun, sondern damit dass das bestehende Programm Ende 2014 ausläuft“.

Der Finanzminister bestritt, dass die Bundesregierung die Risiken der Euro-Rettung vor der Bundestagswahl herunterspielt. „Die Bundesregierung hat nie behauptet, dass die Euro-Rettung gratis sein wird“, sagte er. Gleichzeitig warnte davor, mit „Horrorzahlen“ zu Zahlungsausfällen zu operieren. Deutschland sei bei der Euro-Rettung Haftungsrisiken eingegangen. „Aber mit einem Totalausfall zu rechnen, ist nicht seriös. Diesen Fall wird es nicht geben“, sagte Schäuble. Auf die Frage, ob er das garantieren könnte, antwortete er: „Wenn Sie es so wollen: Ja.“

Schäuble warnte im Handelsblatt-Interview davor, dass die Diskussion um einen möglichen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland die gesamte Euro-Zone destabilisieren könnte. „Diese Debatte wird nicht nur völlig unsachlich geführt, sie ist auch extrem gefährlich“, sagte er. Er schloss einen Schuldenschnitt kategorisch aus. „Weil er neue Unsicherheit bringen würde und damit die Eurozone insgesamt destabilisieren könnte.“

Seite 1:

Neue Griechenland-Hilfe „weit geringer“ als früher

Seite 2:

CDU-Politiker Brinkhaus: Griechenland wird noch mehr Geld kosten

Kommentare zu " Interview Wolfgang Schäuble: Neue Griechenland-Hilfe „weit geringer“ als früher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was mit dem Schneeballsystem der EZB veranstaltet wird
    ist die Destabilisierung dieser EUdSSR, welches mit dem
    GAS - Germany's Asset Stripping - enden wird, wenn
    weiterhin in einem Wohlfahrtswahn für Banken Griechen-
    land Beihilfe zur Insolvenzverschleppung geleistet wird,
    bei der man schon heute weiß, daß die Milliarden-
    hilfen als Totalausfall, auf Kosten der Steuerzahler,
    in den Sand gesetzt wurden. AfD!

  • @Rechner: Ein Barwert setzt voraus, dass ich mit Anzahl, Lebenserwartung etc der Empfänger auseinandersetze, um überhaupt den zukünftigee Zahlungsströme aufzustellen, der dann mittels Diskontierung hzu einer Zahl aggregiert wird. Würde man die Barwertermittlung aller Lasten verpflichtend machen, müssten zwangsweise ordentliche Mittel- und Langfristplanungen aufgestellt werden. Dies wäre dann eine vernünftige Basis, um über Nachhaltigkeit der Sozialsysteme und die zu ergreifenden Maßnahmen zu diskutieren. Der Barwert als Einzelgröße kann nur ein Gefühl für die Dimension geben und hat - wie ich schon schrieb - sonst nur über seine Veränderung im Zeitablauf eine eigene Aussagekraft.
    Um den Bogen zu Griechenland aufzunehmen, gilt auch festzuhalten, dass die impliziten Verbindlichkeiten Deutschlands aus Sozial- und Pensionslasten Dimensionen haben, die deutlich größer als die Haftung aus Eurorettungsprogrammen sind und aufgrund der demographischen Entwicklung dieses Landes in den nächsten 20 Jahren zu massiven Problemen führen müssen, wenn nicht massiv gegengesteuert wird. Die Diskussion zu letzterem Vermisse ich in diesem Land. Eine Art Tea Party Bewegung für Deutschland wäre angebracht!

  • 'Nachrechner' sagt
    ---------------------
    @Rechner: Die Diskussion über die Pensionslasten und sonstige versteckte Lasten wird in Deutschland praktisch nicht geführt.

    [...]

    Die Darstellung als Barwert ist auf jeden Fall besser als die Problem völlig zu negieren, wie es leider auch die Regierungen in Bund und Ländern tun.
    ---------------------

    Zu welcher Art von Diskussion diese "Darstellung als Barwert" führt können Sie doch deb Kommentarspalten des Handelsblatts selbst entnehmen.

    Je nachdem, wieviele Jahrhunderte von angeblichen (als ob man die nicht per Gesetz ändern könnte) Pensionsverpflichtungen und welchen kalkulatorishen Zinsfuß das jeweils berechnende Institut genommen hat, kommen Zahlen von 3, 4, 5, ... dausend Billionen raus.

    Und sofort tauchen die Spinner auf und schreien:

    "Deutschland hat 10 Billionen Schulden!"

    "Deutschland pleite!"

    Diskussion Ende.

    Alles kauft noch schnell einen Krügerrand und geht dann nach Hause.

    Eine Diskussion der notwendigen Veränderungen im Renten- und Pensionssystem als Folge der reißerischen Barwertveröffentlichungen in der Presse konnte ich bisher noch nicht beobachten.

    ...

    Was kein Wunder ist - wenn man das Problem zu groß macht, kriegen die Leute Angst und nehmen reißaus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%