Interview zum Leistungsschutzrecht
„Google ist nicht die Caritas“

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"Das ganze Gesetz zum Leistungsschutzrecht ist ein Fiasko"

Gibt es denn eine Alternative, um einen Interessenausgleich zwischen den Verlagen und Google zu erreichen?

Zunächst einmal gibt es das Kartellrecht, das auch für Google gilt. Alles weitere sollten wir dem Markt überlassen.  Zeitungen haben eine Chance, wenn sie einzigartige Inhalte produzieren. Lokalzeitungen haben Inhalte, die kein anderer bietet. Große Marken wie das Handelsblatt oder die FAZ habe ebenfalls sehr hochwertige Inhalte. Zudem haben die Verlage ja die Möglichkeit, einzelne Artikel selbst über einen Online-Kiosk stärker zu vermarkten. Dann kann sich der Nutzer seine eigene Zeitung zusammenstellen – und bezahlen.

Was halten Sie von dem neuen Kompromissvorschlag, dass kleinste Textausschnitte nun doch erlaubt werden sollen?

Überhaupt nichts. Das ganze Gesetz zum Leistungsschutz ist ein Fiasko. Wenn das Gesetz mit diesen Änderungen am Freitag im Bundestag beschlossen wird, gäbe es für Google wohl kaum Auswirkungen. Dann trifft man nur noch die Falschen, kleine Blogger zum Beispiel. 

Sie sind Mitglied der Monopolkommission, die sich den Kampf gegen Monopole auf die Fahne geschrieben hat. Nun zitiert  Google sie in seinen Anzeigen gegen das Leistungsschutzrecht. Warum lassen Sie sich vom Monopolisten Google für die Kampagne einspannen?

Ich bin gegen ein Leistungsschutzrecht. Deshalb habe ich Google auch die Erlaubnis gegeben, mich unentgeltlich zu zitieren. In der akademischen Welt ist es ohnehin üblich, dass man sich gegenseitig zitiert. Ich habe die Anzeige nicht vorher gesehen und bekomme dafür auch nichts.

Bei der EU läuft seit zwei Jahren ein Wettbewerbsverfahren gegen Google. Macht es da nicht einen Unterschied, ob man sich in einem Interview oder in einer Werbeanzeige äußert?

Die Verleger fahren ja auch Kampagnen gegen das Leistungsschutzrecht. Sie brauchen dafür nur keine Anzeigen zu schalten. Dort kommen auch Wissenschaftler zu Wort. Ich finde es angemessen, wenn ich mich als Wissenschaftler zu dem Thema äußere – egal auf welchem Weg.

 

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Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " Interview zum Leistungsschutzrecht: „Google ist nicht die Caritas“"

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  • @ MashupLSR - informativer Artikel, sehr empfehlenswert

    Die hinterwäldlerische Reglementierungswut der Politiker scheint grenzenlos. Übrigens schieben die meisten User Google längst einen Riegel vor...
    "so what"

  • In dem Entwurf steht, dass Blogs nicht betroffen sein werden. Es geht lediglich um große Suchmaschinen. Trotzdem ist das Gesetz Bullshit ;). Sie wollen in Google News gefunden werden, melden sich extra dort an und dann wollen Sie Geld dafür von Google ^^.

    http://www.netz-verteidiger.de/?utm_source=google&utm_medium=deinnetz&utm_campaign=startseite#loc=6/50.2199/9.1294

  • Die Debatte rund ums Leistungsschutzrecht offenbart einen desolaten Zustand unserer Republik. Nicht nur, dass gierige Suchmaschinen und mächtige Lobbyisten dem Bundestag diktieren, was in den Gesetzen zu stehen hat. Auch müssen wir erkennen, dass es unter den führenden Politikern nicht den Hauch einer Ahnung vom Internet gibt. Das ist eine Schande.
    Einen ausführlichen Frustbericht findet man hier:
    http://whats-up-in.berlinvalley.com/zur-fragwuerdigen-debatte-ums-leistungsschutzrecht-bitte-alle-beteiligten-uebers-knie-legen/

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