Interview zum Leistungsschutzrecht: „Google ist nicht die Caritas“

Interview zum Leistungsschutzrecht
„Google ist nicht die Caritas“

In einer Anzeigenkampagne kämpft Google gegen ein Leistungsschutzrecht für Verlage. Kronzeuge ist dabei der frühere Chef der Monopolkommission, Justus Haucap. Im Interview erklärt Haucap, warum er dabei mitmacht.
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Am Freitag stimmt der Bundestag über das so genannte Leistungsschutzrecht ab. Worum geht es?
Der traditionellen Presse bricht das Geschäft weg. Auf der anderen Seite verdient Google im Internet sehr viel Geld. Das weckt Begehrlichkeiten. Google nutzt in seinen Suchabfragen kleine Ausschnitte von Presseartikeln. Für diese so genannten Snippets wollen die Verlage Geld haben.

Warum auch nicht? Google profitiert doch auch von den Inhalten der Verlage…

Das ist richtig. Google-News ist nicht die Caritas. Mit dem News-Service steigert Google die Attraktivität seiner Suchmaschinen. Aber auch die Verlage bekommen durch Google mehr Zugriffe auf ihre Seiten und damit höhere Werbeerlöse. Deshalb listen sie sich freiwillig dort. Beide Seiten profitieren von dem Geschäft. Es geht um die Verteilung des Kuchens.

Dabei stehen sich die Verlage, die sich im Internet einen knallharten Wettbewerb liefern, und der Monopolist Google gegenüber. Ist das nicht ein ungleicher Kampf?

Natürlich hat Google eine starke Macht. Im Prinzip könnte Google aber auch von den Verlagen Geld dafür verlangen, dass es auf ihre Webseiten weiterleitet. Die Frage ist: Ab wann wird die Marktmacht missbraucht? Es ist so ähnlich wie auf dem Lebensmittelmarkt. Dort gibt es auch immer Diskussionen darüber, ob die großen Ketten ihre Macht gegenüber den Molkereien missbrauchen. Das Leistungsschutzrecht ist der Versuch, in die Verhandlungen zwischen Google und den Verlagen einzugreifen. Es ist aber das falsche Instrument, um etwaige Probleme zu lösen.

Warum?

Es geht im Kern nicht um ein Urheberrechtsproblem, sondern darum, dass die Politik den Presseverlagen helfen soll, Geld von Google zu bekommen. Dabei wird aber massiver Schaden zu Lasten Dritter angerichtet. Man würde zum Beispiel neue wettbewerbsrechtliche Probleme schaffen. Wenn Google für Verweise auf Presseartikel zahlen muss, nimmt es vielleicht nur noch Artikel von großen Medien auf.  Das würde die Konzentration am Pressemarkt verstärken. Außerdem schafft das Gesetz rechtliche Probleme. Zum Beispiel könnten Blogger abgemahnt, die auf andere Blogs verlinken. Ich bin mir absolut sicher, dass dann ein gewaltiges Abmahnwesen entsteht, gerade weil die Rechtsunsicherheit enorm ist. 

Kommentare zu " Interview zum Leistungsschutzrecht: „Google ist nicht die Caritas“"

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  • @ MashupLSR - informativer Artikel, sehr empfehlenswert

    Die hinterwäldlerische Reglementierungswut der Politiker scheint grenzenlos. Übrigens schieben die meisten User Google längst einen Riegel vor...
    "so what"

  • In dem Entwurf steht, dass Blogs nicht betroffen sein werden. Es geht lediglich um große Suchmaschinen. Trotzdem ist das Gesetz Bullshit ;). Sie wollen in Google News gefunden werden, melden sich extra dort an und dann wollen Sie Geld dafür von Google ^^.

    http://www.netz-verteidiger.de/?utm_source=google&utm_medium=deinnetz&utm_campaign=startseite#loc=6/50.2199/9.1294

  • Die Debatte rund ums Leistungsschutzrecht offenbart einen desolaten Zustand unserer Republik. Nicht nur, dass gierige Suchmaschinen und mächtige Lobbyisten dem Bundestag diktieren, was in den Gesetzen zu stehen hat. Auch müssen wir erkennen, dass es unter den führenden Politikern nicht den Hauch einer Ahnung vom Internet gibt. Das ist eine Schande.
    Einen ausführlichen Frustbericht findet man hier:
    http://whats-up-in.berlinvalley.com/zur-fragwuerdigen-debatte-ums-leistungsschutzrecht-bitte-alle-beteiligten-uebers-knie-legen/

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