Interviews nach NRW-Wahl Martin Schulz kann auch „Niederschläge einstecken“

Am Abend nach der Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen absolvierte der SPD-Kanzlerkandidat in ARD und ZDF Interview-Sondersendungen. Und gab sogar einen Fehler zu. Steht nun eine „Sternstunde der Demokratie“ bevor?
Update: 16.05.2017 - 08:29 Uhr 20 Kommentare
SPD-Kanzlerkandidat Schulz stellte sich in Fernseh-Interviews Fragen zur NRW-Wahlniederlage.
Schulz

SPD-Kanzlerkandidat Schulz stellte sich in Fernseh-Interviews Fragen zur NRW-Wahlniederlage.

BerlinWas immer sich Martin Schulz vorwerfen lässt: Dass er keine Medien-Strategie und nicht genauso gute Kontakte in die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wie die CDU besäße, kann nicht dazugehören. Einen Tag nach dem überraschend schlechten Abschneiden seiner Partei auch bei der dritten Landtagswahl des Frühjahrs saß der SPD-Kanzlerkandidat binnen einer guten Stunde für erst zwanzig Minuten zwei Interviewern im ZDF und dann eine Viertelstunde einem ebenfalls weiblich-männlichen Duo von der ARD gegenüber.

Die Interviewer stellten ziemlich ähnliche Fragen. Beide eröffneten mit Fußball-Metaphern. „Der Anpfiff für das Bundesligaspiel hat heute begonnen“, wies Schulz die Vorlage zurück, es stünde nach Wahlen für die SPD bereits 0:3.

Schulz zeigte sich angegriffen von den Niederlagen und pflegte einen deutlich zurückhaltenderen, weniger kraftstrotzenden Ton als bei den ersten öffentlichen Auftritten nach seiner Kanzlerkandidaten-Kür. Daraus, dass er „nicht zum ersten Mal schwere Niederschläge einstecken musste“, wie er beim immer etwas albernen Satzergänzungsspiel der ZDF-Sendung „Was nun?“ sagte, beziehe er Hoffnung, die Bundestagswahl dennoch gewinnen zu können – und aus der Schnelllebigkeit der Politik: Als Bettina Schausten und Peter Frey ihn 106 Tage zuvor im selben Studio befragt hatten, habe die SPD in Wahlumfragen noch bei 20 Prozent gelegen und sei Gefahr gelaufen, von der AfD überholt zu werden. Diese Gefahr besteht derzeit tatsächlich nicht.

Die Frage, ob er im nordrhein-westfälischen Wahlkampf nicht „falsch beraten“ gewesen sei, sich zurückzuhalten, ließ er im ZDF eher offen. In der ARD antwortete er, dass er sich „stärker hätte einbringen müssen“. Tatsächlich war es der ausdrückliche Wunsch der Spitzenkandidatin Hannelore Kraft gewesen, vor allem auf die landespolitische Karte zu setzen.

Ein paar konkrete Pläne für seine Bundesregierung kündigte Schulz an – freilich in derart vagen Formulierungen, wie sie die meisten Parteien unterschreiben würden. Die SPD wolle in Infrastrukturen investieren, um „die Substanz der deutschen Volkswirtschaft zu erhalten“ (ZDF), „damit die Bundesrepublik ihren technischen Vorsprung bewahrt“ (ARD). Und sie werde das Sicherheitsbedürfnis der Wähler, das in Nordrhein-Westfalen eine große Rolle gespielt hat, „sehr ernst nehmen“.

Einige spannende Fragen bleiben offen
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20 Kommentare zu "Interviews nach NRW-Wahl: Martin Schulz kann auch „Niederschläge einstecken“"

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  • @Herr Franz Powa 16.05.2017, 10:44 Uhr

    mein Beitrag bezog sich natürlich auf die SPD als Partei - nicht den SPD-Wähler.

    Wobei dies natürlich auf alle anderen Altparteien übertragbar ist.

  • Schleimig verlogenes Lavieren mit inhaltlosen Floskeln und dabei auch noch zu glauben, man kann mit schönen Worten jeden über den Tisch ziehen, hat einen neuen Namen.

  • Berufspolitikern

  • Obendrauf kommt dann nochmal die Diät in Höhe von 9.327,21 Euro.
    Allein das Wort DIÄT ist bei diesen Summen Realsatire!
    Zusammen kassiert ein Bundestagsabgeordneter 13645,59 €.
    Dazu kommen noch die jeweiligen Sonderzulagen wie Bahncard, kostenlose Verpflegungen durch die Wirtdschaftslobby, div. Nebenverdienste usw.

    Klar, kann man natürlich bei so wenig Geld im Monat von den Berufspilotikern nicht verlangen, auch noch Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung abzuführen. Dass überlässt man gerne den Arbeitnehmern, die man dazu zwangsverpflichtet.
    Denn eines ist sicher, die fetten Pensionen von Spitzenbeamten, jahrzehntelang durch Beitragseinzahlung finanziert vom zukünftigen Grundsicherungsrentner!
    Es wird knallen, es ist nur noch eine Frage der Zeit. Große Teile der deutschen Bevölkerung haben es satt, sich länger verarschen und ausnehmen zu lassen!
    Gleiches gilt für „betreutes Denken“ durch die täglichen politisch motivierten Berichte der Mainstream-Medien, auch dass hat ein Großteil der Bevökerung satt!


  • Aktuell liegt die steuerfreie Kostenpauschale bei 4.318,38 €.

  • .........was soll das ganze Gequatsche.....wehklagen warum es so ist...wie es ist.....Anklagen.....der Eine mehr hat als der Andere....Winterkorn + Kladden.....und was sonst noch unverdaulich......auf dem Teller liegt.....es ist ja ehrenwert....und wertig....wenn darüber geschrieben wird.....aber die Veränderungen können....wenn überhaupt nur oben bei den Verantwortlichen.....getroffen werden.....und diese Personen müssen beleuchtet und hinterleuchtet werden.....und sonst nichts.....
    was sie also nachher in die Gänge bringen....erkennbar + spürbar für den Bürger..und so denke ich....daß jeder Mensch seines Glückes eigener Schmied ist....er endlich begreift...daß Nikotin + Alkohol nicht in seinen Körper gehört...(damit fängt es doch an) nicht wahr?......Sport für seine Gesundheit treibt....sich weiterbildet.....durch Lesen ohne Ende.....und den unsäglichen Müll im Fernsehen ade` sagt.....außer den Nachrichten......und lernenswerten Sendungen.....von denen man was mitnimmt ins Leben.....also ganz einfache Dinge......und....und....und.....ein Stück eigene Zufriedenheit findet...damit die Seele einigermaßen ausballanciert ist......dat isset doch.......

  • Neben der Aufwandsentschädigung hat ein Abgeordneter Anspruch auf weitere Leistungen. Gemäß § 12 AbgG steht ihnen eine Amtsausstattung zu. Zu dieser gehören

    eine steuerfreie, monatliche Kostenpauschale in Höhe von aktuell 4.204,- € für Kosten, welche aufgrund des Mandats entstanden sind. Zu diesen zählen unter anderem Bürokosten für das Wahlkreisbüro oder Kosten für Unterkunft und Verpflegung beim Bundestag;

    Mitarbeiterpauschale für wissenschaftliche Mitarbeiter und Sekretäre;

    Bereitstellung eines Abgeordnetenbüros;

    Kostenlose Nutzung aller Verkehrsmittel der Deutschen Bahn sowie von Inlandsflügen; Nutzung der Dienstfahrzeuge.

    Zudem haben Bundestagsabgeordnete seit dem Jahre 1968 Anspruch auf eine eigenständige Leistung der Alterssicherung, welche seit 1977 beamtenähnlich gestaltet ist.

    Fazit: Ein Abgeordneter verdient sicher nicht so viel wie ein Aufsichtsratsmitglied in der freien Wirtschaft, jedoch ist er aufgrund der gesetzlichen Regelungen bezüglich der Gehälter beziehungsweise Einkünfte für Politiker sowie der gesicherten Altersversorgung niemand, der unter dem Existenzminimum leben muss.

  • @ Peter

    Natürlich STEUERFREI, wie sollte es anders sein!
    Aufwandsentschädigungen aus öffentlichen Kassen sind gem. § 3 Nr. 12 EStG steuerfrei.

    https://www.smartsteuer.de/online/lexikon/a/aufwandsentschaedigung-lexikon-des-steuerrechts/

  • Von wem oder welcher Partei wir regiert werden ist ziemlich egal. In erster Linie geht es diesen Protagonisten um ihr persönliches Wohlergehen. Die ewig gleichen, nichtssagenden Sprechblasen nach den Wahltagen sind bekannt. Der Bürger muß es richten gerade wegen dem Wirken der Politik. Bisher hat er es immer noch geschafft. Der Politiker braucht den Bürger für sein ökonomisches Wohlergehen. Der Politiker bestimmt den Umfang und der Bürger bezahlt. Ein typisches Beispiel sind diese sogenannten Sitzungsgelder. Reine Abzocke ohne jedwede Gegenleistung. Diese täglichen Sitzungsgelder sind beinahe so hoch wie der monatliche Hartz IV Satz. Dies wurde von den bürgernahen Volksvertretern so eingerichtet. Dadurch wird ihre Bürgerferne mehr als unterstrichen. Gier frisst eben Hirn.

  • @Grutte Pier
    Ich glaube noch nicht einmal, dass direkte Demokratie den Interessen der Kernklientel der SPD zuwiderlaufen würde. Vielmehr hat man den Eindruck, dass die SPD zwar Politik für die Mehrheit der Menschen machen möchte, aber sich zu weit von ihnen entfernt hat, um noch zu wissen, was sie wirklich bewegt.

    Insofern würden Volksabstimmungen, welche es dem Bürger sowohl erlauben, über bereits vom BT verabschiedete Gesetzte abzustimmen, als auch eigene Gesetze einzubringen, ganz wesentlich zum Fortbestand der SPD als auch zum Fortschritt in Deutschland beitragen.

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