Investitionen
Infrastruktur wird zur Wachstumsbremse

Zwar weist Deutschland im internationalen Vergleich eine relativ gut ausgebaute Infrastruktur auf, doch der Vorsprung gegenüber anderen Ländern schwindet. Nun schlägt die Wirtschaft Alarm - und fordert mehr Investitionen in moderne Verkehrswege, effiziente Kraftwerke und schnelle Datenleitungen.

BERLIN. Die Wirtschaft sorgt sich um den Zustand der Verkehrs-, Energie- und Telekommunikationsnetze in Deutschland. "Leistungsfähige Infrastrukturen sind unverzichtbar für unseren Wohlstand und unsere Lebensqualität", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, dem Handelsblatt. "Das ist zunehmend aus dem Blickfeld geraten." Es sei "höchste Zeit, endlich umzudenken". Zusätzliche öffentliche und private Investitionen in moderne Verkehrswege, effiziente Kraftwerke und Leitungsnetze sowie schnelle Datenleitungen seien dringend nötig.

Allein im Verkehrssektor fehlten Jahr für Jahr mindestens zwei Mrd. Euro, die zusätzlich in die Erhaltung und Modernisierung von Straßen und Schienen investiert werden müssten, kritisierte der BDI-Präsident. "Im Energiesektor müssen wir vor allem die Widerstände gegen moderne Kohlekraftwerke und den Ausbau der Stromnetze überwinden", sagte Thumann. Für den Telekommunikationssektor mahnte er die Versorgung der ländlichen Regionen mit moderner Breitbandtechnik an.

Der BDI beruft sich bei seiner Kritik auf eine breit angelegte Studie des Centrums für angewandte Wirtschaftsforschung der Universität Münster (CAWM), die dem Handelsblatt in Auszügen vorliegt. Sie wird heute auf der Infrastrukturkonferenz des BDI in Berlin präsentiert. Der Verband hat das Thema zu einem Schwerpunkt seiner künftigen Arbeit erklärt.

Die Studie unterstreicht den unmittelbaren Zusammenhang von Infrastrukturausstattung und Wachstum: Engpässe bei der Infrastruktur führten unweigerlich zu Wachstumseinbußen. Bislang weise Deutschland im internationalen Vergleich zwar noch eine relativ gut ausgebaute Infrastruktur auf; der Vorsprung gegenüber anderen Ländern schwinde jedoch.

In der jüngeren Vergangenheit habe es gravierende Versäumnisse im Infrastrukturausbau gegeben. Zwischen 1992 und 2007 habe sich die Investitionsquote des Staates annähernd halbiert, schreiben die Münsteraner Wissenschaftler und ziehen folgenden Schluss: "Wären die Investitionen in den Jahren 2000 bis 2004 genauso hoch gewesen wie im entsprechenden Zeitraum zehn Jahre zuvor, so wäre das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um insgesamt vier Prozent höher gewesen."

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