Irak
Bombenanschlag überschattet Westerwelle-Besuch

Außenminister Guido Westerwelle ist am Samstag zu einem Blitzbesuch in der irakischen Hauptstadt Bagdad eingetroffen. Der Irak hat in den vergangenen Jahren als Handelspartner Deutschlands Gewicht gewonnen, ist aber nach wie eines der gefährlichsten Länder der Welt. Noch während Westerwelles Besuch starben mindestens 13 Menschen bei Anschlägen.
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HB BAGDAD. Als erster westlicher Außenminister nach der Parlamentswahl im Irak vor neun Monaten hat der deutsche Ressortchef Guido Westerwelle Bagdad besucht. Der FDP-Politiker landete am Samstagmorgen mit einer Militärmaschine auf dem Flughafen der Hauptstadt.

Mindestens 13 Tote bei Bombenanschlägen

Während des Besuchs sind in einer Serie von Bombenanschlägen in der irakischen Hauptstadt mindestens 13 Menschen getötet worden. Nach Angaben aus dem Innenministerium und der Polizei wurden zudem mehr als 80 Personen verletzt. Ziel von zwei Anschlägen seien iranische Pilger gewesen. Eine Autobombe sei vor einem Rasthaus für Pilger detoniert, eine weitere in der Nähe eines Busses mit iranischen Fahrgästen. Zudem sei ein Anschlag auf einen Markt verübt worden. Iranische Pilger reisen seit dem Sturz von Saddam Hussein 2003 in Scharen in den Irak, um heilige schiitische Orte zu besuchen.

Westerwelle wollte bei seiner eintägigen Visite unter anderem zum Gespräch mit dem designierten Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki zusammenkommen, der derzeit mit der Regierungsbildung beauftragt ist, sowie mit Präsident Dschalal Talabani. Auch ein Treffen mit christlichen Geistlichen stand auf dem Programm. Die Reise war aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim gehalten worden. Begleitet wurde der Minister von einer Wirtschaftsdelegation. Westerwelle nannte bei seiner Ankunft „drei Anliegen“ der Reise.

Deutschland wolle ein Signal der Unterstützung für die Stabilisierung im Irak und die Fortsetzung des demokratischen Prozesses geben, sagte er. Der Zeitpunkt dafür sei günstig. Ferner sollten die Wirtschaftschancen für deutsche Unternehmen gefördert und der Schutz religiöser Minderheiten angesprochen werden. Am Mittag wollte der Minister gemeinsam mit dem amtierenden irakischen Industrieminister Fausi al Hariri ein bilaterales Abkommen über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Kapitalanlagen unterzeichnen. Westerwelles Vorgänger Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte im Februar 2009 den Irak besucht, ebenfalls in Begleitung deutscher Wirtschaftsvertreter.

Maschinen gegen Erdgas

Die deutsch-irakischen Handelsbeziehungen haben in den vergangenen zwei Jahren rasant zugelegt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden Güter im Wert von rund 691 Millionen Euro - vor allem Maschinen und Kraftfahrzeuge - aus Deutschland in den Irak exportiert, fast 73 Prozent mehr als noch im selben Zeitraum 2009.

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