Irland
Musterschüler mit gewaltigem Etatdefizit

Irland wird für seine Fortschritte bei der Haushaltssanierung gelobt - trotzdem hatte das Land 2011 das höchste Haushaltsdefizit der Europäischen Union. Wie geht das zusammen?
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Als Musterschüler unter den Krisenländern gilt Irland.Gerade erst hat die „Troika“ aus Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und EU-Kommission das Land ob seiner Fortschritte bei der Haushaltssanierung gelobt.

Nun raten Sie mal, wer 2010 das höchste Haushaltsdefizit der Europäischen Union hatte? Richtig, die irische Regierung mit astronomischen 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein höheres Defizit hat kein Land der EU je gehabt. Und wer hatte 2011 das höchste Defizit? Wieder Irland mit 13,1 Prozent. Durch die exorbitanten Ausgaben für die Bankenrettung ist der Schuldenstand der Regierung von 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor der Krise auf über 100 Prozent nach oben geschossen.

Dennoch konnte die Regierung jüngst stolz verkünden, dass sie ihr für 2011 vereinbartes Defizitziel von 10,6 Prozent um gut ein Prozent unterboten hat. Der Trick: Die Troika unterscheidet zwischen guten und schlechten Defiziten. Gute Defizite werden im Programm nicht mitgezählt. Geld, das eine Regierung den Banken gibt, ist immer gut angelegtes Geld. Deshalb werden die riesigen Ausgaben zur Bankenrettung ausgeklammert. Dabei wird betont, die Ausgaben für die Banken seien Einmalausgaben. Es sind allerdings Einmalausgaben, die sich wiederholen.

Gleich 2008 hatte die Regierung eine Garantie für die Verbindlichkeiten aller irischen Banken übernommen. Und zwar in der Erwartung, wie Notenbankgouverneur Patrick Honahan das ausdrückte, „dass keine der Institutionen insolvent war, und dass ihre Probleme hauptsächlich vom Einfrieren der Märkte für kurzfristige Liquidität nach der Pleite von Lehman Brothers herrührten“.

Auch nachdem die Regierung im Jahr 2010 ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts in den Banken versenkt hatte, ging man von einmaligen Belastungen aus. Aber dann mussten im Sommer 2011 noch einmal 17,6 Milliarden Euro aufgewendet werden, um die Banken auf Vordermann zu bringen.

Natürlich war das wieder eine einmalige Ausgabe, die die Troika nicht zum Staatsdefizit zählt.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Irland: Musterschüler mit gewaltigem Etatdefizit"

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  • Schaut man sich die aktuellen Schuldenuhren

    http://www.fortunanetz.de/trends/uhr.php

    genau an, stellt man fest, dass Irland im weltweiten Ranking die Liste der External Debt's to GDP Ratio mit weitem Abstand anführt.

    Wie man in diesem Zusammenhang die Irische Volkswirtschaft mit der Begrifflichkeit "Musterschüler" bewerten kann, erschließt sich mir leider nicht.

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