Islamisierung als Wahlkampfthema

Die AfD mischt bei „Pegida“ mit

Die AfD hat ein neues Lieblingsthema: Die Angst vor einer vermeintlichen Islamisierung Deutschlands. Die Partei soll Demonstrationen von „Pegida“ mitorganisiert haben. Doch das ist ein Spiel mit dem Feuer.
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Manfred Mattis, Sprecher des Kreisverbandes Kassel-Stadt der AfD: Die Partei unterstützt die islamkritischen Demonstrationen. Quelle: dpa

Manfred Mattis, Sprecher des Kreisverbandes Kassel-Stadt der AfD: Die Partei unterstützt die islamkritischen Demonstrationen.

(Foto: dpa)

BerlinFür die AfD kommt der Streit um die Protestbewegung „Pegida“ wie gerufen. Denn um die Alternative für Deutschland (AfD) war es in den vergangenen drei Monaten stiller geworden. Nach ihren Erfolgen bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg fiel es der rechtskonservativen Partei zuletzt schwer, ein neues Thema zu finden, mit dem sie bis zur Bürgerschaftswahl in Hamburg im Gespräch bleibt.

Nach Informationen der Wochenzeitung „Die Zeit“ werden einige Initiativen der Pegida-Bewegung auch von Mitgliedern der AfD gesteuert. Für den 12. Januar 2015 hat der Leipziger Pegida-Ableger „Legida“ seine erste Demonstration angemeldet. Der Ort hat als Revolutionsstadt von 1989 Symbolwirkung für die islamkritische Bewegung.

Mindestens zwei Mitglieder des bisher unbekannten Organisationsteams sind AfD-Führungsfiguren in Sachsen: Felix Koschkar (27) kandidierte 2014 für die Partei um einen Landtagssitz und gilt als wichtiger Vertreter der extrem rechten und islamfeindlichen Gruppierung der „Identitären“. Koschkar ist außerdem Mitbegründer des AfD-Rechtsaußen-Flügels „Patriotische Plattform“. Auch Hans-Thomas Tillschneider (36) ist dort aktiv und sieht sich als Berater der Leipziger Organisatoren. Der Islamwissenschaftler an der Universität Bayreuth sei von den Legida-Veranstaltern gebeten worden, beim Aufbau des Pegida-Ablegers in Leipzig zu helfen, sagte er der „Zeit“. Der als Islamkritiker bekannte Tillschneider ist Mitglied im Landesvorstand der AfD in Sachsen, war AfD Bundestagskandidat und hat den „Arbeitskreis Islam“ in der AfD ins Leben gerufen.

Auch in anderen Orten organisieren AfD-Mitglieder die Veranstaltungen der Pegida-Bewegung mit. Einer der Düsseldorfer Veranstalter („Dügida“), Alexander Heumann, ist Mitglied der AfD. Auch in Kassel („Kagida“) wurde der Protest mit Michael Viehmann von einem AfD-Mitglied angemeldet und organisiert. Der Sprecher des AfD-Kreisverbandes Kassel-Stadt, Manfred Mattis, trat als Redner auf.

Dass sich die AfD jetzt schützend vor eine Bewegung stellt, die vor der „Islamisierung des Abendlandes“ warnt, ist allerdings eine riskante Strategie. Denn aus den Reihen der Frustrierten, die sich über „Denkverbote“ und „political correctness“ aufregen, werden der AfD nun wahrscheinlich noch weitere Anhänger zulaufen. Diejenigen unter den AfD-Anhängern, die aus dem liberalen Lager kommen, sehen dieses klare Bekenntnis zu rechten Positionen mit Sorge.

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64 Kommentare zu "Islamisierung als Wahlkampfthema: Die AfD mischt bei „Pegida“ mit"

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  • Lieber Herr Knoll, bevor Sie die negativen und falschen Aussagen der Presse übernehmen, sollten Sie sich selber einmal ein Bild über die AfD machen: "alternativefuer.de". Dort werden Sie spätestens beim Durchlesen der Mitgliedsantrags feststellen, dass Rechtsradikale oder Menschen, die jemals Mitglied in einer rechtsradikalen Partei gewesen sind, vom Beitritt ausgeschlossen sind! Lassen Sie sich also bitte nicht die Meinung von den Medien aufzwingen, sondern machen Sie sich selber ein (richtiges) Bild.

  • Spiel mit dem Feuer? Was machen unsere Politiker mit dem Islam? Die Folgen sieht man wieder in Pakistan. Wir zünden laufend!!

  • Tito Klein
    Özdemir soll seine Klappe halten. Seine deutschfeindlichen Aussagen sind bekannt

  • Frauke Müller,
    Sie haben es betens gesagt

  • Herr Marcus T.
    ich auch. Aber uns, also normale Bürger lädt man ja nicht ein
    Man holt sich dann liebr ganz stramme linke Journaliten, wie gestern wieder bei Lanz odr Sonntag bei Jauch

  • Alexander Knoll,
    EGIDA und die AfD hat dafür das Sammelbecken bereitgestellt. Leider will jedoch keiner so richtig erkennen, dass auf dem Boden des Sammelbeckens ein Hackenkreuz prangt.
    ------------------
    Da istz er wieder der totale Schwachsinn der Gutmenschen.
    Wer nicht auf dem linken Mainstream schwimmt, ist eben einfach rechts.
    Machen Sie es sich nicht ein wenig zu einfach?
    Ein Land, wie unsres, was keie einzige konsrvative Partei mehr hat, denn die CDU ist das nicht mehr, muß sich nicht wundern, wenn sich eie AfD bildet. Die ist ncith rechts, sodern konservativ-bürgerlich.

  • Völlig richtig und gut formuliert!

  • Hier tut sich ein Graben auf!
    Die Reaktionen der „Volksvertreter“ und deren medialen Erfüllungsgehilfen auf den Protest vertiefen den Graben noch. Die Wortführer werden zu Unpersonen und Rattenfänger gestempelt, die mitdemonstrierenden Bürger zu naiven Mitläufern, Ratten herabgewürdigt, welche „unbegründeten, diffusen Ängsten und Ressentiments“ erlegen seien. Beides erweist sich bei näherer Betrachtung als hilflose Abwehr einer „Funktionselite“, die den Draht zu weiten Teilen des Volkes verloren hat und die, schlimmer noch, unwillig oder gar unfähig ist, jenen Draht wieder aufzunehmen. Das protestierende Volk möchte keine Aufklärung oder Sensibilisierungsmaßnahmen, sondern eine Kehrwendung der aktuellen Politik!

  • @ Reiner Zufall „Was sind denn "Biodeutsche"?“
    Aus welchem Muspott kommen Sie denn? Die Definition des „Biodeutschen“ erfragen Sie bei dem „Biotürken“ und Paßdeutschen Çem Özdemir.

  • Wenn die Medien (2004-2009) vor Islamisierung (oder auch die Kanzlerin vor noch nicht allzu langer Zeit) warnen, ist es "Journalismus". Wenn das Volk vor Islamisierung warnt, ist es auf einmal "Rechts-Populismus". Wer will Euch Volksvertreter und Medien noch ernst nehmen!??

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