Islamisten-Gruppe bekennt sich
Dschihad-Union nennt Details zu Anschlagsplänen

Die islamistische Dschihad-Union hat sich nach Angaben des Bundesinnenministeriums zu den geplanten Anschlägen in Deutschland bekannt. Neue Erkenntnisse gibt es auch über den vorgesehenen Zeitpunkt und das Motiv. Nur über die Konsequenzen wird weiterhin gestritten.

HB BERLIN. Die extremistrische Islamische Dschihad Union (IJU) hat sich zu den vereitelten Plänen für Terroranschläge in Deutschland bekannt. Das Bundesinnenministerium teilte am Dienstagabend in Berlin mit, die Anschläge hätten Ende dieses Jahres verübt werden und sich gegen den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein sowie gegen US-amerikanische und usbekische Konsulareinrichtungen richten sollen. Man halte das Bekenntnis für authentisch. Eine anonyme Terrordrohung gegen die US-Airbase in Spangdahlem löste unterdessen einen Polizeieinsatz aus.

Die IJU war bereits zuvor vom Bundeskriminalamt als Motor hinter den Terrorversuchen benannt worden. Nun stand ihr Bekenntnis im Internet, wie das Ministerium am sechsten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 auf die USA mitteilte. Die Organisation wird mit den Terrornetzwerk Al Kaida in Verbindung gebracht.

Das IJU-Bekenntnis befasst sich den Behörden zufolge auch mit den Festnahmen vom 4. September in einem Ferienhaus im Sauerland. Dort wurden zwei zum Islam konvertierte Deutsche und ein Türke im Alter zwischen 21 und 28 Jahren gefasst. Sie hatten sich große Mengen Chemikalien beschafft und bereits mit dem Bombenbau begonnen.

Die Sprengsätze sollten den Ermittlungen zufolge als mächtige Autobomben an mehreren Orten hochgehen und möglichst viele Menschen töten und verletzen. Nun teilte das Innenministerium mit: „In der Erklärung wird der durch Deutschland genutzte Luftwaffenstützpunkt Termez/Usbekistan thematisiert.“ Mit den Anschlägen habe die IJU die Schließung des Stützpunktes bewirken wollen.

Das Gemeinsame Internetzentrum der Bundessicherheitsbehörden halte die Erklärung für authentisch. Durch die Festnahmen vergangene Woche sei die Gefährdung im konkreten Fall gebannt worden. Das Bekenntnis unterstreiche aber die fortbestehende Gefährdung durch den islamistischen Terrorismus.

Die Terrordrohung gegen den Stützpunkt Spangdahlem ging auf einen Unbekannten zurück, der dort am Montagabend angerufen und in deutscher Sprache mit möglicherweise russischem oder türkischem Akzent gedroht hatte, mit mindestens vier Komplizen die Airbase anzugreifen. Die gemeinsamen deutschen und amerikanischen Sicherungsmaßnahmen dauerten bis in die Morgenstunden. Zeitgleich liefen die Ermittlungen in Richtung des anonymen Anrufers.

Der Koalitionsstreit über die Online-Durchsuchung ging unterdessen weiter. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Justizministerin Brigitte Zypries (SPD), blieben nach einer Unterredung in Berlin bei ihren unterschiedlichen Auffassungen, wie es in Unionskreisen hieß. An dem Treffen nahmen auch die Chefs der Koalitionsfraktionen, Volker Kauder und Peter Struck, teil. Man wolle im Gespräch bleiben, hieß es weiter.

US-Geheimdienstdirektor Mike McConnell bestätigte vor dem Kongress in Washington erstmals, die Überwachung von Gesprächen im Ausland sei entscheidend für die Festnahme der Männer im Sauerland gewesen. Ob die US-Spezialisten für ihre Beiträge die in Deutschland umstrittene Online-Durchsuchung einsetzten, wurde aus den Angaben nicht deutlich.

Nach den Festnahmen sehen die meisten Bundesbürger keinen Grund für eine Entwarnung. 85 Prozent glauben, die Gefahr eines terroristischen Angriffes sei gestiegen, wie aus einer Emnid-Umfrage für den Sender N24 hervorgeht. Beim Kampf gegen den Terror sehen 56 Prozent eine Verschärfung der Gesetze als das beste Mittel an. Nur 30 Prozent meinen, dafür seien in erster Linie mehr Polizisten notwendig.

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