Islamkonferenz
Eine Frage des Glaubens

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lädt am Mittwoch zur ersten Deutschen Islam-Konferenz nach Berlin. Die Erwartungen sind riesig, die Anregungen für das Treffen im Schloss Charlottenburg fast nicht mehr überschaubar.

BERLIN. „Die islamischen Organisationen sollten verstärkt darauf hinwirken, den Stellenwert von Bildung und Qualifizierung in den muslimischen Familien zu erhöhen“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben dem Handelsblatt. Integrationsminister Armin Laschet (CDU) aus Nordrhein-Westfalen fordert von den islamischen Verbänden eine gemeinsame positive Haltung zum Grundgesetz. Die Türkische Gemeinde schlägt ähnlich wie das „Wort zum Sonntag“ ein „Wort zum Freitag“ für Muslime vor.

Die Liste kann mit Forderungen von Bildungspolitikern, Sicherheitsexperten oder Religionswissenschaftlern beliebig erweitert werden. Themen zuhauf für die 30 Verbandsvertreter, Schriftsteller, Unternehmer und Islamwissenschaftler, die sich mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) treffen. Im Zentrum der Konferenz dreht sich alles um die Frage: Wie kann der Dialog mit den Moslems gefördert werden? Am Ende des auf zwei bis drei Jahre angelegten Prozesses soll eine Art „Gesellschaftsvertrag“ stehen. Drei Arbeitskreise sprechen in dieser Zeit regelmäßig über „Staat und Religion“, „Wirtschaft und Bildung“ oder „Werte und Verfassungsverständnis“. Ein vierter Arbeitskreis beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema Sicherheit. Die Teilnehmer sollen Vorschläge erarbeiten, wie Moslems daran gehindert werden können, in das Lager von Terroristen überzulaufen.

Für das nötige Aufsehen sorgten im Vorfeld die heftigen Reaktionen der islamischen Welt auf die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. in einem Regensburger Hörsaal. Die Antwort des Vatikans darauf gleicht seitdem einer Gratwanderung (s. „Papst sucht Dialog“). Die Muslime in Deutschland verhielten sich dagegen sowohl im Karikaturenstreit als auch bei den Papst-Äußerungen moderater. Die Situation bleibt dennoch hochsensibel. Die notwendigen Fragen an die Muslime greifen tief in deren Gefühls- und Glaubenswelt ein. „Was predigen die Imame in den Moscheen?“ lautet eine davon. Gewalt und Abschottung der Muslime fürchten viele Deutsche angesichts der Anschläge in London, Madrid, New York und zuletzt auch der versuchten Attentate in Dortmund und Koblenz. Als Reaktion darauf hatte Schäuble unter anderem angemahnt, Imame müssten auf Deutsch predigen – und damit eine heftige Debatte ausgelöst.

Seite 1:

Eine Frage des Glaubens

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%