Islamwissenschaftler
Dritte Generation ist anfällig für Extremismus

Wer ist anfällig für Salafismus und Islamismus? Vor allem die dritte Generation muslimischer Zuwanderer, sagt Islamwissenschaftler Marwan Abou-Taam. Der Polizeiberater sieht auch Verbindungen ins kriminelle Milieu.
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Berlin/MainzUnter den deutschen Muslimen ist nach Einschätzung des Islamwissenschaftlers Marwan Abou-Taam vor allem die Generation der Enkel der ersten Einwanderer anfällig für radikale Indoktrination. „Diese dritte Generation ist am meisten betroffen, da sie sowohl von den Eltern Zurückweisung erfährt, als auch von der deutschen Mehrheitsgesellschaft - den Eltern sind sie nicht türkisch oder arabisch genug, von den Deutschen werden sie trotzdem oft wie Fremde behandelt“, sagte Abou-Taam, der für das Landeskriminalamt von Rheinland-Pfalz arbeitet, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

„Der Extremismus liefert dann Anerkennung, Identität und Halt“, erklärte er. Die zweite Generation sei noch stärker von der Kultur des Herkunftslandes geprägt gewesen und von den Eltern. Die Kinder der ersten türkischen Arbeitsmigranten hätten den Eltern noch als Dolmetscher für die ihnen fremde deutsche Sprache und Kultur gedient, führte Abou-Taam aus.

Der Wissenschaftler wies zudem auf Überschneidungen zwischen Bandenkriminalität und radikalen Salafisten-Gruppen hin. Viertel mit einem hohen Migrantenanteil, die geprägt seien von Bildungferne, existierten zwar auch in Duisburg und Bremen. Besonders problematisch sei die Situation aber in Berlin, wo es teilweise „eine sehr starke Überschneidung gibt zwischen dem Salafismus und kriminellen Milieus“. Häufig sei der radikale Salafismus der „rettende Anker“ für Kriminelle. Außerdem verübten einige militante Salafisten Verbrechen, um an Geld zu kommen, beispielsweise für eine Ausreise nach Syrien.

Radikale Prediger hätten es in Deutschland heute leichter als früher, Anhänger zu finden, „weil das Internet und Fernsehsender wie Al-Dschasira die passenden Bilder dazu liefern“. Auch wenn dies für die meisten Deutschen schwer nachvollziehbar sei, gelinge es diesen Predigern, „den Konflikt in Syrien als Fortsetzung der Konflikte, die diese jungen Menschen in Deutschland erleben, zu interpretieren“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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