Ist der Standort Deutschland am Ende?
Wie die Arbeit im Lande bleiben kann

Trotz der Krise bei Opel, Karstadt und anderen gibt es noch Hoffnung für den Standort Deutschland. Nicht alle Arbeitsplätze werden ins Ausland verlagert.

HB FRANKFURT. Die Horrormeldungen der letzten Wochen scheinen das zu bestätigen. Opel will in Deutschland 10 000 Arbeitsplätze abbauen, Karstadt 5500. Und auch der Autobauer Volkswagen steckt mächtig in der Krise, hier geht es um insgesamt 176 000 Arbeitsplätze – allein in Deutschland. Diese drei Beispiele verdeutlichen einen Trend: Immer mehr industrielle Arbeitsplätze werden ins Ausland verlagert, kaum eine Branche ist davor sicher.

Betroffen sind Großkonzerne und Mittelständler gleichermaßen. Waren Anfang der 90er Jahre noch mehr als 14 Millionen Menschen in der Industrie beschäftigt, so sind es derzeit noch etwas mehr als 10 Millionen. 2,2 Millionen Stellen wurden abgebaut, das sind 600 Jobs pro Tag! Sogar Unternehmen, für die bislang das „made in Germany“ Verkaufsargument war, verlagern Teile ihrer Produktion oder gleich ganze Fertigungslinien ins Ausland. So der Modelleisenbahnbauer Märklin aus dem schwäbischen Göppingen, ein urdeutsches Unternehmen, mit dessen Produkten jedes Kind mindestens einmal im Leben in Berührung gekommen ist.

Auch Miele, Hersteller von Haushaltsgeräte aus Ostwestfalen, hat Teile seiner Produktion ins Ausland verlagert, abwohl gerade diese Marke stark vom deutschen Qualitätsimage abhängt. Siemens, ein weiterer deutscher Großkonzern, beschäftigt bereits seit sechs Jahren mehr Mitarbeiter im Ausland als in Deutschland. Egal, wo man hinschaut: Wenn ein deutsches Unternehmen eine neue Fertigungsstätte baut, dann im Ausland. Der Münchner Wirtschaftswissenschaftler Horst Wildemann rechnet mit einem jährlichen Verlust von 152 000 Stellen, überwiegend in der Produktion. „Die Globalisierung erreicht eine neue Qualität: Sie bedroht die Basis der deutschen Wirtschaft“, schreibt der „Spiegel“. Unmittelbare Folge dieses Trends: Jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland macht sich laut „Spiegel“ Sorgen um seinen früher vielleicht einmal sicheren Job.

Warum werden Arbeitsplätze verlagert?

Im internationalen Vergleich ist die Arbeit in Deutschland schlicht zu teuer. Beispiel Märklin: Fast jedes Teil einer Lokomotove oder eines Waggons wird von Hand gefertigt, von Hand vierfach lackiert und von hand zusammengebaut. Die Firma legt Wert auf äußerste Präzision. Doch im Stammwerk bei Stuttgart verdienen angelernte Mitarbeiter 2200 Euro, Mitarbeiter im Thüringen bekommen 1300 Euro für die selbe Arbeit und die ungarischen machen es für 350 Euro. Solche Lohnunterschiede kann kein Unternehmen, das im Wettbewerb steht lange ignorieren.

Für den Chef des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, ist schon längst klar, dass „made in Germany“ heute nur noch „reiner Etikettenschwindel“ sei. „In Wahrheit wird in Deutschland häufig nur die Endmontage durchgeführt, in manchen Fällen wird nicht einmal mehr das Firmenschild aufgeklebt“, sagte Sinn dem „Spiegel“. Deutschland entwickele sich zu einer „Basarökonomie“, in der Waren nur noch gehandelt, aber nicht mehr produziert werden. Neben der Entlohnung haben die deutschen Arbeitskräfte auch in punkto Qualifikation kaum noch Vorteile. Ein Siemens-Handy, das in Shanghai zusammengebaut wurde, unterscheidet sich nicht von einem, das aus dem Werk in Kamp-Lintfort kommt. Fazit: Es gibt nur noch wenig, was die Deutschen besser können als andere, sagen Pessimisten. Und Standard-Produkte, die also praktisch jedes Land herstellen kann, haben praktisch keine Chance mehr.

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