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IT-Branche ist Job-Motor: Warnung vor Fachkräftemangel

Die ITK-Branche wächst schneller als ihr Umfeld. Und es werden Fachkräfte gesucht. Rund 12 000 Stellen kommen in diesem Jahr hinzu. Der nicht gedeckte Bedarf an IT-Spezialisten entwickelt sich zu einem Wachstumshemmnis.

Die ITK-Branche ist ein echter Jobmotor. Allerdings könnte das Wachstum durch den Fachkräftemangel bald leiden. Quelle: dpa
Die ITK-Branche ist ein echter Jobmotor. Allerdings könnte das Wachstum durch den Fachkräftemangel bald leiden. Quelle: dpa

HannoverDie ITK-Branche wird dank guter Wirtschaftslage in diesem Jahr nach Prognosen des Bitkom erstmals mehr als 900 000 Jobs anbieten. Rund 12 000 Stellen würden voraussichtlich hinzukommen. „Die Branche ist damit neben dem Maschinen- und Anlagenbau der einzige Industriesektor, der in Deutschland mehr als 900 000 Arbeitsplätze bietet, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf am Montag auf der CeBIT in Hannover. Bis Jahresende würden es sogar 907 000 Stellen sein.

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Doch der Fachkräftemangel entwickele sich zum dauerhaften Wachstumshemmnis, warnt der Verband. Wie der Verein deutscher Ingenieure VDI am Montag bekannt gab, kommen auf jeden arbeitslosen Informatiker im Schnitt 3,7 offene Stellen. 2012 habe es permanent mehr als 20 000 offene Stellen für Informatiker gegeben. Große Unternehmen suchten bereits verstärkt im Ausland oder lagerten Geschäftsbereiche ins Ausland aus. Damit gehe wichtiges Know-how in Deutschland verloren, warnt der VDI.

Deutscher Arbeitsmarkt Der wunde Punkt des Jobwunders

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Dabei gehe es der Branche gut. Der Umsatz in der Telekommunikation, Unterhaltungselektronik und der Informationstechnologie werde voraussichtlich um 1,4 Prozent auf 153 Milliarden Euro steigen. „Damit wächst der ITK-Markt erneut deutlich stärker als die Gesamtwirtschaft“, sagte Kempf.

In der Informationstechnik rechnet der Bitkom mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 75 Milliarden Euro in diesem Jahr. Dabei gehe der Hardware-Markt wegen der niedrigeren PC-Umsätze um 0,3 Prozent auf 21 Milliarden Euro zurück. Tablets werden dagegen um 11 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zulegen. „Mit Tablets wird in diesem Jahr erstmals genau so viel Umsatz erzielt wie mit Desktop-PCs“, sagte Kempf.

IT-Services und Beratung werden voraussichtlich um 2,5 Prozent auf rund 36 Milliarden Euro wachsen. Den Stärksten Zuwachs gibt es im Softwarebereich, der dank Cloud Computing um 5 Prozent auf knapp 18 Milliarden Euro zulegen wird, so die Prognosen. Allein Cloud-Angebote für Geschäftskunden dürften dem Bitkom zufolge in diesem Jahr ein Umsatzwachstum um 53 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro verzeichnen. Für die Telekommunikation geht der Bitkom von einem Plus um 1,3 Prozent auf 66 Milliarden Euro aus.

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Von der Politik fordert der Verband entschiedene Maßnahmen in der Bildungs- und Fachkräftepolitik. Der Bedarf von derzeit 43 000 IT-Spezialisten in Deutschland entwickle sich zu einem dauerhaften Wachstumshemmnis, so der Branchenverband. Dabei würden die Entwicklungen in der Industrie enorme Chancen bieten. „Es muss nur darum gehen, diese Chancen auch zu erkennen und zu nutzen“, sagte Kempf.

„Unternehmen gehen je nach Größe sehr unterschiedlich mit der schlechten Bewerberlage um“, sagte Dieter Westerkamp vom VDI. Große Unternehmen versuchten vermehrt, das Problem mit dem Auslagern (Outsourcing) von Dienstleistungen aufzufangen, zum Teil auch ins Ausland. Dagegen setzten kleine und mittlere Unternehmen stärker auf die Weiterbildung. Der IT-Standort Deutschland werde zwar als sehr gut bewertet, sagte Westerkamp. Um diesen Stand zu halten, müssten aber die richtigen Maßnahmen ergriffen werden.


  • 07.03.2013, 23:43 UhrMasterbrain

    Der IT-Fachkräfemangel ist die größte Lüge des Arbeitsmarkes. Die Wahrheit ist, es gibt hier keinen Mangel. Es werden hingegen händeringend Prorammierer und SAP-Sezialisten gesucht, die sich für kleines Geld eine 60h-Woche gönnen wollen. Ich habe mit 45 bereits über 100 Bewerbungen geschrieben, aber scheinbar ist der Mangel nicht so groß, als da man erfahrene und gut ausgebildete IT-Manager suchen würde. Die Realität ist die: Wenn etwas Mangelware ist, was alle wollen, dann steigt der Preis der Ware. Das scheint bei den IT-Gehältern wohl umgekehrt zu laufen :-) - Alles nur Lügen.

  • 04.03.2013, 18:57 UhrSmokie2013

    Man darf hier nicht vergessen, dass ~40.000 Stellen nicht so gigantisch viel ist. Und darüber hinaus sind das richtige "Fachstellen", soll heissen hier werden richtig Experten gesucht zB für Datenbanken Administration, programmieren von extrem komplizierter Software usw.

    Wer gerade mal Flash kann oder "mal" Visual Basic programmiert hat, hat bei solchen Stellen eh keine Chance.

    Es geht hier mehr um den Bewerber, der 5-6 Jahre Universitätsausbildung hat + 1-2 Jahre Erfahrung im relevanten Bereich hat. Und die Zahl an potentiellen Kandidaten für solche Stellen dürfte damit unfassbar klein sein.

    Vor dem Hintergrund des miserablen deutschen Bildungssystem sehe ich auch keine Besserung. Eher sogar eine Verschlechterung.

    Das Gerede von einem Fachkräftemangel in der Breite des Arbeitsmarktes ist allerdings dummes Zeug.

  • 04.03.2013, 16:47 UhrHardie67

    "Es geht nur um Lohndumping und sicher nicht um fehlende Fachkräfte"

    Exakt. Die Telekom hat inzwischen Inder ausgebildet, die nun zurück nach Indien gehen und dort für deutlich niedrigeren Lohn für die Telekom arbeiten dürfen.
    Freiberuflich tätige IT-Spezialisten werden inzwischen auf die Strasse gesetzt.
    Schade, dass das HB die billige Propaganda einfach so weitergibt. Hier wäre mal Nachhaken gefragt. Aber diese Zeiten sind wohl vorbei....

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