Italien-Urlaub aber nicht in Frage gestellt
Schily fordert Entlassung des italienischen Staatssekretärs

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat der italienischen Regierung nahe gelegt, den Staatssekretär Stefano Stefani wegen seiner deutsche Touristen beleidigenden Äußerungen zu entlassen.

Reuters BERLIN. „Wenn ich der Regierungschef in Italien wäre, dann wäre dieser Herr nicht mehr im Amt“, sagte Schily am Mittwoch im ZDF. „Die italienische Regierung wäre gut beraten, diese Sache in Ordnung zubringen.“ Stefani hatte die Deutschen in einem Zeitungsartikel als „einförmige, supernationalistische Blonde“ beschrieben, die keine Gelegenheit ausließen, unverschämt zu werden und lärmend über italienische Strände herzufallen. Schily wies darauf hin, dass es über Jahrhunderte tiefe und vertrauensvolle Beziehungen zwischen Italien und Deutschland gegeben habe. „Das kann auch nicht ein tölpelhafter Staatssekretär in Frage stellen, der unflätige Bemerkungen macht und für sein Amt in jeder Weise ungeeignet ist.“

Schily stellte im Gegensatz zu Kanzler Gerhard Schröder (SPD) seinen geplanten Italien-Urlaub nicht in Frage. Er werde sein Haus in Italien nicht verkaufen, außerdem habe er gute und enge Freunde dort. Der Italien-Urlaub Schröders ist wegen der deutsch-italienischen Spannungen in der Schwebe. Darüber soll nach Angaben eines Regierungssprechers zu gegebener Zeit entschieden werden. Eigentlich wolle der Kanzler Ende Juli mit Familie für rund zwei Wochen an die Adria fahren.

Zur Frage, ob deutsche Medien mit zu den Spannungen beigetragen hätten, sagte Schily, in Deutschland herrsche Pressefreiheit. Die Medien könnten veröffentlichen, was sie wollten. „Das kennt offenbar die italienische Regierung anders und de facto ist es ja leider auch in Italien anders, dass viele Medien heute von der Regierung gelenkt werden“, sagte Schily weiter. In einer Titelgeschichte des Magazins „Der Spiegel“ waren dem italienischen Regierungschef und Medienunternehmer Silvio Berlusconi unter anderem undurchsichtige Geschäfte vorgeworfen worden.

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