Italiens Protestpolitiker keilt zurück
Grillo nennt Steinbrück einen „Flegel“

Peer Steinbrück will seinen Clown-Vergleich nach der italienischen Parlamentswahl nicht zurücknehmen. Das will Protestpolitiker Grillo nicht auf sich sitzen lassen. Er beschwert sich heftig über Steinbrücks Äußerungen.
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BerlinDer italienische Protestpolitiker und Berufskomiker Beppe Grillo hat den SPD-Kanzlerkandidaten als Flegel bezeichnet. Grillo selbst sagte der "Bild am Sonntag" , er sei ein Komiker aber kein Clown. "Steinbrück hat sich benommen wie ein Flegel." Er habe damit alle Italiener beleidigt, die seine Bewegung gewählt hätten und ebenso die Anhänger Berlusconis. Eine Entschuldigung erwarte er nicht.

Steinbrück wiederum wollte den "Flegel"-Vorwurf nicht bewerten: "Ich will die Äußerungen von Herrn Grillo nicht kommentieren, um die Situation nicht weiter zu eskalieren." SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte aber, Grillo könne Steinbrück gerne einen Flegel nennen, aber entschuldigen müsse sich Steinbrück ganz sicher nicht.

Steinbrück hält an seinen umstrittenen Äußerungen zum Ausgang der Italien-Wahl fest. "Gesagt ist gesagt", sagte Steinbrück dem Blatt. "Die meisten Leute sagen mir, dass es ja wohl noch erlaubt sein muss, das auszusprechen, was die Mehrheit der Bevölkerung denkt."
Steinbrück hatte vor wenigen Tagen bei einer Diskussionsveranstaltung den Protestpolitiker und Berufskomiker Beppe Grillo sowie den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi als Clowns bezeichnet, über deren Sieg bei der Italien-Wahl er entsetzt sei. Italiens Präsident Giorgio Napolitano hatte daraufhin kurzfristig ein Abendessen mit Steinbrück abgesagt.
SPD-Chef Sigmar Gabriel gab dem Kanzlerkandidaten Rückendeckung und legte in der "Bild am Sonntag" sogar noch nach: "Herr Grillo wird ja hoffentlich noch stolz auf seinen Beruf sein, und mit Herrn Berlusconi wäre ich nicht so freundlich umgegangen. Clown ist ja schließlich ein ehrbarer Beruf."

Einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" zufolge halten allerdings 56 Prozent der Bundesbürger eine Entschuldigung des ehemaligen Finanzministers bei Grillo und Berlusconi für angebracht. 40 Prozent finden, er sollte das nicht tun.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Italiens Protestpolitiker keilt zurück: Grillo nennt Steinbrück einen „Flegel“"

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  • Zu Zeiten der Regentschaft Helmut Schmidt erhielt Italien von Deutschland einen Rettungskredit in Höhe von 5 MRD DM, gesichert durch Gold der italienischen Zentralbank. Schon lang her die Geschichte. Auch mit geenseitigen Bezichtigungen löst sich die Kreditblase nicht auf. Bald steigt der Po an.


  • Zu Zeiten der Regentschaft Helmut Schmidt erhielt Italien von Deutschland einen Rettungskredit in Höhe von 5 MRD DM, gesichert durch Gold der italienischen Zentralbank. Schon lang her die Geschichte. Auch mit geenseitigen Bezichtigungen löst sich die Kreditblase nicht auf. Bald steigt der Po an.

  • Ihr tut so, als ob der Euro oder die EU an Italiens Misere schuld wären.

    Italien steht traditionell wirtschaftlich lausig da und Grillo ist nur ein weiteres Symptom/Resultat italienischer Unfähigkeit. Das Volk erliegt einem üblen, die Situation materiell ausnutzenden Populisten.

    Witzig, dass ihr einen solchen Brüllaffen anbetet. Die Geschichte sollte euch doch Besseres lehren.

    Die Alternative zu unfähigen und teilweise korrupten Politikern des alten Systems sollten nicht schreiende Populisten sein, sondern ernsthafte, ehrbare, weise Menschen. Ob der "Wutbürger" allerdings in der Lage ist, solche Personen zu erkennen und ihnen zur Macht verhilft, ist eine spannende Frage.

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