IW-Chef Hüther
„Keine Verschärfung der Euro-Krise wegen Frankreich“

IW-Direktor Michael Hüther sieht in Frankreich erhebliche wirtschaftliche Probleme. Er kritisiert besonders Präsident Hollande für dessen Politik. Eine Gefahr für die Euro-Zone sei dies jedoch nicht – im Gegenteil.
  • 92

BerlinDer Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, rechnet nicht damit, dass die wirtschaftlichen Probleme Frankreichs zu einer erneuten Zuspitzung der Euro-Schuldenkrise führen könnten. „Frankreich hat ohne Zweifel erhebliche wirtschaftliche Probleme, vor allem die Wirtschaftsstruktur bietet wenig Ansatz für eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Hüther Handelsblatt Online. Man habe immer noch nicht den Eindruck, dass Präsident François Hollande wirklich das Notwendige sehe und umsetze. Auch funktioniere die Sozialpartnerschaft nicht so, dass eine Anpassung der Arbeitskosten konfliktfrei gelinge. „Das führt aber nicht zwangsläufig zu einer Verschärfung der Krise in der Euro-Zone“, betonte der IW-Chef.

Einerseits seien die institutionellen Veränderungen im Euroraum weit gediehen, auch wenn die Bankenaufsicht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) wegen vieler technischer Fragen noch länger benötige. Zurecht verlange Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine vertragliche Lösung, so Hüther. Aber: „Die wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone beginnt ins Positive zu drehen“, fügte der IW-Chef hinzu.

Kritik äußerte Hüther in diesem Zusammenhang an Ex-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, der im Handelsblatt (Freitagausgabe) die Einschätzung äußerte, dass sich die Krise im Spätherbst zuspitzen werde. „Wir werden in eine neue Phase der Krisenbewältigung eintreten.“ Nach der Bundestagswahl Ende September werde Frankreich den Druck auf die EZB und Deutschland erhöhen. Das Staatsanleihekaufprogramm OMT solle eigentlich in Spanien und Italien zum Einsatz kommen. „Aber der Druck wird enorm werden, das Instrument auch in Frankreich einzusetzen. Und zwar ohne, dass sich das Land unter den Rettungsschirm begeben muss“, sagte Stark.

Hüther sagte dazu: „Jürgen Stark versucht mit seinen Negativvisionen mehr seinen Rücktritt aus dem EZB-Direktorium zu rechtfertigen. Bedroht wird die Unabhängigkeit weniger vom OMT-Programm, sondern mehr von den Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht.“

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " IW-Chef Hüther: „Keine Verschärfung der Euro-Krise wegen Frankreich“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Korrekt! Und ergänzend muss man auch aus Fairnessgründen Wulff nennen.

  • Bedroht wird die Unabhängigkeit weniger vom OMT-Programm, sondern mehr von den Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht.“ Dieser Satz zeigt schon, welche Geisteshaltung dieser Mensch einnimmt. Aber um zu sehen, wie es Deutschland geht, sollte man die Höhe der jetzigen Bürgschaften von 1 Billion EURO einmal zu Grunde legen. Wir brauchen nämlich die Pleite von Frankreich gar nicht mehr, wenn diese Bürgschaften erst schlagend werden.

    Wieviel ist eine Billion denn jetzt wirklich?
    Angenommen, der Staat ( also der einzelne Bürger wie Du und Ich) müsste heute die Bürgschaft von 1 Billion EURO leisten.
    Seit Christi Geburt sind 2013 Jahre vergangen.
    Wenn wir alle diesen Zeitraum von 2013 Jahren zu Grunde legen, wie viel Geld müssten wir dann wohl jeden Tag (ohne irgendwelche Zinsen zu berücksichtigen) zahlen
    Genau, wir müssen 2013 Jahre lang jeden Tag 1.361.016,41 EURO zahlen.
    Mit Zinsenzinsen, die ja von uns zu zahlen wären, lässt sich dieser Betrag leider nicht mehr ausrechnen, wie das Beispiel des Josephspfennig beweist
    „Geld, das Zinseszinsen trägt, wächst anfangs langsam; da aber die Rate des Wachstums sich fortwährend beschleunigt, wird sie nach einiger Zeit so rasch, daß sie jeder Einbildung spottet. Ein Penny, ausgeliehen bei der Geburt unsers Erlösers auf Zinseszinsen zu 5 %, würde schon jetzt zu einer größeren Summe herangewachsen sein, als enthalten wäre in 150 Millionen Erden, alle von gediegenem Gold. Aber ausgelegt auf einfache Zinsen, würde er in derselben Zeit nur angewachsen sein auf 7 sh. 4 ½ d. [7 Shilling, 4 ½ Pence].




  • Michael Huether, Direktor des IW (Institut für Wirtschafts Köln), so wird er immer in der Presse und im TV angepriesen. Warum steht nie dabei, dass er eines der ranghöchsten Mitglieder der INSM ist und dass das IW-Wirtschaftsinstitut Köln das Wirtschaftsinstitut der INSM ist? Und die INSM wiederum das Propagandainstitut der Arbeitgeberverbände Gesamtmetall und Elektroindustrie ist? Und Vorsitzender des Kuratoriums der INSM ist der frühere Bundeswirtschaftsminister und Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Wolfgang Clement.
    Die INSM verfolgt das Ziel, durch Öffentlichkeitsarbeit ihre ordnungspolitischen Botschaften bei Entscheidern und in der Bevölkerung zu verankern. In der Bevölkerung soll die Bereitschaft für wirtschaftsliberale Reformen erhöht werden, ein unternehmensfreundliches Klima erzeugt werden und Eigenverantwortung, Wettbewerb und unternehmerische Freiheit als positive Werte betont werden und für dieses Ziel sind Halbwahrheiten und geschickt verbrämte Hetze (vor allem im sozialen Bereich) eine der meistgenutzten Waffen.
    Hüther ist vom gleichen Schlage wie Lucke und seine AfD, die ich für schlimmer als die FDP halte.
    Gert Flegelskamp

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%