IW: Sparbetrag liegt bei jährlich zwei Milliarden Euro
Privatschulen entlasten den Staat

Privatschulen in Deutschland erleben in jüngster Zeit einen veritablen Boom: Die Zahl ihrer Schüler ist seit 1992 stetig von 450 000 auf fast 640 000 gewachsen.

DÜSSELDORF. Den Ländern bringt der Trend bares Geld: Weil die Zuschüsse an Waldorfschulen, Montessorischulen & Co. pro Schüler weit geringer sind als die Kosten an den staatlichen Schulen, sparen sie unterm Strich 870 Mill. Euro jährlich. Nach betriebswirtschaftlicher Rechnung sind es sogar mehr als zwei Mrd. Euro. Das geht aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

Der Boom der Privatschulen hängt eng zusammen mit der Krise des öffentlichen Schulsystems. Spätestens seit dem Pisa-Schock erhoffen sich immer mehr Eltern von einer privaten Einrichtung eine bessere Ausbildung. In der Rangfolge liegt Bayern vorn, dort besucht mittlerweile jeder zehnte Schüler eine private Einrichtung.

Im internationalen Vergleich hingegen sind Privatschulen in Deutschland noch immer eher rar gesät. Wenn ihr Anteil auf dem Niveau des OECD-Durchschnitts liegen würde, gäbe es zwei Millionen Privatschüler“, so das IW. Die „Privatschülerlücke“ liege also bei knapp 1,2 Millionen. Beim internationalen Schülervergleichstest Pisa 2003 erreichten die deutschen Privatschüler im Schnitt deutlich bessere Ergebnisse als ihre Altersgenossen an staatlichen Schulen. Ob das an einer womöglich besseren sozialen Auslese der Privatschüler liegt, ist unklar. In der Schweiz etwa schnitten Privatschüler bei Pisa schlechter ab.

Im Wettbewerb mit der staatlichen Konkurrenz sind die Privatschulen in Deutschland den IW-Angaben zufolge benachteiligt, weil sie mit wesentlich geringeren Staats-Mitteln auskommen müssen. Wären die Bedingungen vergleichbar, wäre der Wettbewerb ungleich intensiver und damit fruchtbarer für das gesamte System.

Die Länder bezuschussten anerkannte Privatschulen pro Schüler im Jahr 2002 (neuere Zahlen liegen nicht vor) im Schnitt mit gut 3 800 Euro. Die Ausgaben für die staatlichen Schulen betrugen dagegen 4 900 Euro pro Kind. Die Differenz ergibt den Sparbetrag von rund 870 Mill. Euro für die Länder. Gehe man jedoch von den tatsächlichen Kosten aus, so das IW, sei die Entlastung der Staates durch die Privatschulen weit größer: Allein bei den allgemein bildenden Schulen betrage sie rund 1,7 Mrd. Euro. Würden zusätzlich die beruflichen Schulen berücksichtigt, seien es sogar 2,3 Mrd. Euro jährlich.

Diese Summe ergibt sich laut IW, wenn man statt der kameralistisch erfassten Kosten der amtlichen Statistik die betriebswirtschaftliche Schulkostenberechnung des Steinbeis-Transferzentrums Wirtschafts- und Sozialmanagement Heidenheim zu Grunde legt. Danach weise die amtliche Statistik die Kosten je Schüler im staatlichen Bereich um etwa 1 600 Euro jährlich zu niedrig aus. Einen Teil der Differenz decken die Privatschulen durch das Schulgeld der Eltern. Das beträgt etwa bei den 187 Waldorfschulen, die bundesweit rund 78 000 Schüler unterrichten, im Schnitt knapp 1 600 Euro. Daneben geht das IW davon aus, dass Privatschulen besser wirtschaften.

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