IW-Studie
Deutsche Firmen tun weniger für Familien

Zeit mit der Familie gilt in Deutschland immer noch als Karrierebremse. Einige Konzerne versuchen, das zu ändern. Doch scheint die Familienfreundlichkeit in der Wirtschaft nicht so stark ausgeprägt zu sein, wie gedacht.
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BerlinDas Thema Familienfreundlichkeit besitzt weiterhin hohe Bedeutung für die Unternehmen. Doch bei ihrem Engagement zur Förderung familienbewusster Arbeitszeiten lassen die Firmen nach. Das ist eines der Ergebnisse einer repräsentativen Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) von rund 1.500 Unternehmen. Die „Sonderauswertung des Unternehmensmonitors Familienfreundlichkeit 2013“ wurde eigens für den heute in Berlin stattfindenden Familiengipfel der Bundesregierung erstellt.

Ziel des Gipfels ist es, für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu werben. Bei der Veranstaltung sprechen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Familienministerin Kristina Schröder (beide CDU) auch Spitzenvertreter von Wirtschaft, Wissenschaft und gesellschaftlichen Gruppen.

In der IW-Studie wird den Unternehmen zwar eine hohe „Sensibilität“ dafür zugesprochen, Voraussetzungen für eine ausgewogene Balance zwischen beruflichen und privaten Anforderungen zu schaffen. Acht von zehn Unternehmen hierzulande würden demnach aus eigener Perspektive dem Thema Familienfreundlichkeit einen hohen oder eher hohen Stellenwert einräumen. Knapp vier von zehn Unternehmen seien zudem der Ansicht, dass die Bedeutung von Familienfreundlichkeit in den kommenden fünf Jahren noch zunehmen werde. Doch bei der konkreten Realisierung dieses Kulturwandels hapert es.

Die entsprechenden Befunde der IW-Forscher sind eindeutig. „Modelle flexibler Tages- und Wochenarbeitszeiten, in denen der Grad der Individualisierung der Arbeitszeit zum Beispiel im Rahmen betriebliche Gleitzeitmodelle begrenzt sein kann, haben (…) zuletzt an Bedeutung eingebüßt, auch wenn sich ihr Verbreitungsgrad weiterhin auf einem sehr hohen Niveau bewegt“, heißt es in der Studie. In Zahlen ausgedrückt: 2009 waren in 70,2 Prozent der Unternehmen Modelle flexibler Tages- und Wochenarbeitszeit verbreitet, drei Jahre später galt dies nur noch in 63,5 Prozent der Unternehmen.

Auch bei Langzeitkonten ist nach IW-Angaben ein Rückgang zu beobachten. Sie würden ebenso wie Telearbeit in jedem fünften Unternehmen angeboten. Von der Möglichkeit der Telearbeit machten 2009 21,9 Prozent der Unternehmen Gebrauch 2012 nur noch 21,1 Prozent. Weniger genutzt wurden auch Modelle für eine flexible Jahres- bzw. Lebensarbeitszeit. 2009 griffen 28,3 Prozent der Firmen darauf zurück, 2012 nur noch 20,4 Prozent.

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  • Da oben genannte Thema passt auch genau zur Fachkräftemangel-Lüge!

  • Schwatzt unser Dummchen in der Regierung heute nicht mit der Wirtschaft.
    Mit dem Ziel nichts Verbindliches zu erreichen.

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