IW-Studie
Deutsche Firmen tun weniger für Familien

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Wirtschaft gegen gesetzlichen Zwang

Das Fazit der IW-Forscher ist denn auch wenig überraschend: „Die Aussichten auf familienbewusste Arbeitszeiten könnten sich hierzulande noch weiter verbessern“, schreiben sie in ihrer Untersuchung, „wenn auch die Betriebe, die bisher auf flexible Arbeitszeitmodelle verzichtet haben, die Arbeitsorganisation und Arbeitsprozesse daraufhin prüfen, ob nicht doch zusätzliche Spielräume für die Einführung von Vertrauensarbeit, individuellen Arbeitszeitarrangements und flexiblen Tages- und Wochenarbeitszeitmodellen existieren“.

Das ist auch die Stoßrichtung der Politik. Eltern brauchen nach den Worten von Familienministerin Schröder mehr Wahlmöglichkeiten bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit. So sollten sie beispielsweise zwischen Teilzeit- und Vollzeitarbeit wechseln können, „ohne dadurch langfristig berufliche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen“, sagte Schröder am Rande eines Spitzentreffens mit der Wirtschaft zur Familienpolitik. Bei der Konferenz in Berlin warb auch Bundeskanzlerin Merkel für familienfreundliche Arbeitszeiten.

Die vor zwei Jahren von Regierung und Wirtschaft unterzeichnete „Charta für familienbewusste Arbeitszeiten“ bezeichnete Schröder als Erfolg: „Diese Entwicklung wollen wir fortsetzen und verstetigen.“ Im „ARD“-Morgenmagazin verlangte Schröder, dass Eltern, die zur Erziehung von Kindern in Teilzeit gegangen sind, „einen Rechtsanspruch auf Rückkehr in Vollzeit“ bekommen müssen. Hier gebe es beim Koalitionspartner FDP leider einige Skepsis. „Insofern wird das sicherlich ein großes Thema im Bundestags-Wahlkampf werden.“

Der Präsident des Familienunternehmer-Verbandes, Lutz Goebel, lehnt gesetzliche Regelungen zu flexibleren Arbeitszeiten für Eltern hingegen strikt ab. „Wir brauchen keinen gesetzlichen Zwang. Denn eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für uns Familienunternehmer ein existenzielles Thema, weil wir sonst in den nächsten Jahren nicht mehr genügend Fachkräfte finden werden“, sagte Goebel Handelsblatt Online. „Deshalb bieten unsere Familienunternehmer an vielen Orten flexible, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle für Mütter und Väter an.“

Goebel sieht die Politik selbst in der Pflicht, mehr für Familienfreundlichkeit zu tun. „Die Politik muss in vielen Städten und Gemeinden noch für bessere Kinderbetreuungseinrichtungen sorgen“, sagte er. Außerdem sei es „extrem bürokratisch“ für Unternehmen, Betriebskindergärten einzurichten. „Da erwarte ich von der Politik bessere betriebsnahe Lösungen.“

Auch das IW setzt darauf, dass die Firmen selbst aktiv werden. Unternehmen erlebten mehr und mehr, dass Bewerber und Mitarbeiter der Vereinbarkeit von Familie und Beruf einen hohen Stellenwert beimessen. "Sie sind sich der Bedeutung dieses Themas bewusst und haben ein großes Eigeninteresse, sich durch entsprechende personalpolitische Maßnahmen als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren", sagte Oliver Stettes, Leiter des Kompetenzfelds Arbeitsmarkt- und Personalökonomik am IW, Handelsblatt Online. Dabei setzten sie vor allem auf flexible Arbeitszeitmodelle und flexible Formen der Arbeitsorganisation sowie freiwillige Freistellungsregelungen. "Ein gesetzlicher Zwang ist vor dem Hintergrund des Engagements der Unternehmen hierzulande unnötig", betonte Stettes.

 

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  • Da oben genannte Thema passt auch genau zur Fachkräftemangel-Lüge!

  • Schwatzt unser Dummchen in der Regierung heute nicht mit der Wirtschaft.
    Mit dem Ziel nichts Verbindliches zu erreichen.

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