IWF-Analyse
IWF warnt Berlin vor scharfem Sparkurs

Deutschland sei der Stabilitätsanker in der Euro-Zone, lobt der IWF. Die größte Volkswirtschaft sollte es mit dem Sparen aber nicht übertreiben und mehr für die Binnenkonjunktur tun.
  • 25

Washington/BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat Deutschland zu mehr Anstrengungen beim Abbau wirtschaftlicher Ungleichgewichte aufgefordert und vor überzogenem Sparen gewarnt. In einem am Dienstag in Washington veröffentlichten Länderbericht lobt der IWF zwar die „bescheidene Lockerung der Fiskalpolitik“ als angemessen, um die Binnennachfrage anzukurbeln. Ein übertriebener Sparkurs sollte wegen der Unsicherheiten aber vermieden werden.

Der IWF plädiert unter anderem für höhere Reallöhne. Dies würde helfen, die Binnennachfrage zu stärken und die Wirtschaft weniger anfällig zu machen für externe Schocks, ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden: „Ein stärkeres und ausgewogeneres Wachstum in Deutschland ist entscheidend für eine nachhaltige Erholung in der Eurozone und den globalen Aufschwung.“

Mit Blick auf die „starken inländischen Fundamentaldaten“ und die Haushaltslage lobt der IWF Deutschland als wichtigen Stabilitätsanker in Europa. Der weitere Abbau der Unsicherheiten in der Euro-Zone müsse aber „in naher Zukunft“ Priorität haben. Die Verunsicherung der Marktteilnehmer beeinträchtige deutlich die Investitionsbereitschaft in der deutschen Wirtschaft.

Der IWF erwartet für Deutschland in diesem Jahr weiter ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent. „Die Aussichten für den Rest des Jahres 2013 und das nächste Jahr hängen stark von einer allmählichen Erholung im Rest der Eurozone sowie einem nachhaltigen Abbau der Unsicherheiten ab“, heißt es.

Angesichts des starken Außenhandels sei Deutschland sehr anfällig für externe Schocks. Sollten sich Wachstumsaussichten und Beschäftigung eintrüben, müsse mit „proaktiver Finanzpolitik“ gegengesteuert werden. Der Schwung bei den Finanzmarktreformen müsse beibehalten werden. Das Bankensystem in Deutschland sei zwar stabiler geworden, es blieben aber Schwachstellen: Kapitalausstattung und Profitabilität müssten verstärkt werden. Begrüßt werden die Maßnahmen für eine höhere Erwerbsquote.

Das Bundesfinanzministerium sprach von einer ausgewogenen Analyse. Der IWF habe darauf verwiesen, dass Deutschland auf gutem Weg sei zum Abbau der Ungleichgewichte. Der Überschuss in der Leistungsbilanz gegenüber der Eurozone sei seit 2007 rückläufig. Deutschland teile die Auffassung, dass Änderungen der Architektur der Euro-Zone eine robuste Währungsunion schaffen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " IWF-Analyse: IWF warnt Berlin vor scharfem Sparkurs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Diese Lagarde legt also in Washington einen Bericht über Deutschland vor. Was soll das denn?
    Aber lt. Schäuble -so im Bericht- sind wir ja auf einem guten Weg.
    So ganz allmählich müssen wir uns tatsächlich fragen, wer uns regiert. Washington?

  • Bitte, BITTE tun sie mir den Gefallen und informieren sich mal richtig. Ich kann solche Kommentare nicht mehr lesen. Es wird bis heute viel geheim gehalten, wohin die Rettungsgelder letztendlich fliessen, also welche Gläubiger damit bedient werden. Ein grosser Teil sind aber Vermögende aus allen möglichen Ländern der Welt (wer denn auch sonst. Leutz die von einem Lohn zum nächsten Leben werden wohl kaum riesige Kredite erhalten und wenn ja, dann haben sich halt die Kreditgeber verspekuliert und müssen genauso bluten -> das wäre echte Marktwirtschaft).

    Um es aber kurz zusammenzufassen. Eigentlich wird mit der Aktion Geld/Forderungen von Gläubigern gerettet (Dazu zählen natürlich Pensionsfonds, Lebensversicherungen, etc..., aber eben auch einfach nur Geld von sehr gut betuchten Personen, die einen Schuldenschnitt locker verkraften könnten) und zwar mit Steuergeldern ALLER Bürger (also auch die 50% welche überhaupt kein oder nur ein geringes Vermögen haben). Es war keine Magie und auch kein Trick, sondern man hat die Casino Spieler Verluste (Finanz-Blasen) mit Steuergeldern aufgefangen und das allerbeste ist, dann noch den Leutz weiss gemacht (also den NICHT Vermögenden, Banken und Versicherungen, welche sich verspekuliert haben und einfach nur auf kurzfristige hohe Rendite aus waren), dass es sie waren die über ihre Verhältnisse gelebt haben und deshalb muss vielen EU Staaten ein Austeritätskurs aufgebrumt werden. Hier hat man sprichwörtlich den Bock zum Gärtner gemacht und die Gartenbesitzer nicken noch fröhlich und suchen den Sündenbock für die Misere bei den kleinen ausländischen Schrebergärten (also der Arbeiterklasse), anstatt im internationalen Finanzwesen. Pflegen sie aber weiterhin ihre vorurteilsbelastete Meinung auf dem Niveau des 18.Jh., wenn es glücklich macht. Aber der "Wahrheit" kommen sie so nicht auf die Schliche.

  • Man kann denken, diese Aussage ist Wahlkampfhilfe für ROT/GRÜN die bekannter weise immer das Geld zum Fenster rauswerfen wenn sie regieren. Immer noch wird Steuergeld in immenser Höhe verschwendet und wenn dann noch der Hahn aufgedreht wird dann gute Nacht. Bei Maischberger hat sich gestern Steinbrück als Fan der PDS geoutet. Die Linke sind 2 Parteien in einer und der Ostdeutsche Teil
    wäre wohl Bündnisfähig aber nicht der kommunistische und
    radikale Westteil. Hört hört die Signale der Steinbrück geht um. Schon im kalten Krieg war SPD und SED oft Schulter an Schulter. Zuletzt bei der von beiden nicht gewollten Wiedervereinigung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%