IWH-Studie
Flüchtlingszustrom belastet ostdeutschen Arbeitsmarkt

Man muss lange zurückblicken, um auf so niedrige Arbeitslosenzahlen wie im November zu stoßen. Diese Ära geht aber zu Ende. Im nächsten Jahr steigt die Arbeitslosigkeit, auch wegen der Flüchtlinge, meinen Experten.

BerlinDie sprunghaft gestiegene Migration beeinflusst zunehmend auch den ostdeutschen Arbeitsmarkt. Das geht aus einer dem Handelsblatt vorliegenden Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervor.

„Die Beschäftigungsaussichten vieler Zuwanderer vor allem aus den Asylherkunftsländern sind aufgrund unzureichender Sprachkenntnisse sowie oftmals geringer beruflicher Qualifikation zumindest kurzfristig eingetrübt“, heißt es in der Expertise. Aktuelle Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt „generell schwieriger“ sei als bei anderen Migrantengruppen. So habe deutschlandweit der Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung von 15 bis 64 Jahren unter den Flüchtlingen im Zugangsjahr durchschnittlich bei 8 Prozent gelegen. „Nach fünf Jahren lag dieser Anteil bei knapp 50 Prozent und nach 15 Jahren bei knapp 70 Prozent.“

Die Forscher erwarten deshalb, dass „viele“ Asylbewerber zunächst arbeitslos sein werden. Die Arbeitslosigkeit, die in den vergangenen Jahren in Ostdeutschland aufgrund des starken Rückgangs des Erwerbspersonenpotenzials stetig gesunken sei, dürfte demnach im kommenden Jahr kaum noch abnehmen.

Eine Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit (BA) für das IWH hat zudem ergeben, dass es mit Blick auf Beschäftigten beziehungsweise Arbeitslosensituation kaum Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gibt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hätten in beiden Großregionen die Zahl der Beschäftigten, der Arbeitslosen und der Hartz-IV-Empfänger aus den Migrationsländern „insgesamt sehr stark zugenommen“. Die Zahl der Beschäftigten habe in Ostdeutschland mit 24,5 Prozent sogar noch stärker zugenommen als in Westdeutschland (12,7 Prozent).  Auch bei der Zahl der Arbeitslosen sei die Zuwachsrate in Ostdeutschland etwas höher.

Dass in den Arbeitsmarkt im kommenden Jahr Bewegung kommen wird, darüber sind sich Experten schon länger einig – auch wenn die Arbeitsmarkt-Pressekonferenz von Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise am Dienstag noch von großer Zufriedenheit geprägt war. Die Arbeitslosenzahl von 2,633 Millionen, die er vom Podium im Medientrakt des Bundesagentur-Komplexes verkündete, war für sich genommen schon keine große Sensation mehr, sondern nur ein weiteres Rekordtief in einer langen Serie von Tiefstwerten.

Die von Weise verkündete November-Arbeitslosenzahl dürfte denn auch nach jahrelanger Rekordjagd die Talsohle auf dem deutschen Arbeitsmarkt markieren. Tiefer dürfte die Arbeitslosenzahl, da sind sich fast alle Experten einige, auf absehbare Zeit kaum mehr sinken. Jeder künftige Jobaufschwung wird wahrscheinlich am November 2015 gemessen werden.

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