Jahrestag der NSU-Aufdeckung
Braune Soße

Ein Prozess, drei Untersuchungsausschüsse, viele Rücktritte, Protestaktionen und Gedenktage: Obwohl Rechte wieder aufmarschieren, ist die Empörung von 2011 nach der Entlarvung des NSU-Terrors verpufft. Warum nur?
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KölnDer erste Raureif liegt auf den Wiesen der Vorgärten, als sich die mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt auf dem Weg zur Wartburg-Sparkasse am Nordplatz in Eisenach machen. Der Plan: Die Bank überfallen.

Alles geht glatt. Sie verletzen einen Angestellten durch einen Schlag mit einer Waffe auf den Kopf und erpressen 75.000 Euro. Mit Fahrrädern flüchten sie zu einem Wohnmobil. So wie sie es bereits vierzehn Mal zuvor in Chemnitz, Zwickau, Stralsund und Arnstadt getan hatten. Doch diesmal geht etwas schief.

Anwohner hatten zuvor ein verdächtiges Wohnmobil der Polizei gemeldet. Nach dem Überfall in der Sparkasse leitet die Polizei eine großangelegte Fahndung ein, errichtet Straßensperren und setzt Hubschrauber mit Wärmebildkameras ein. Mundlos und Böhnhardt verstauen ihre Fahrräder im Wohnmobil. Einem Passanten erscheint dies ungewöhnlich. Er verständigt die Polizei.

Als sich ein Sondereinsatzkommando gegen 11.30 Uhr dem verdächtigen Wohnmobil nähert, sind Schüsse zu hören. Wenig später steigt Rauch aus dem Fahrzeug. Mundlos und Böhnhardt sind tot. Einer hatte den anderen durch einen Kopfschuss gerichtet und dann sich selbst.

In ihrem Fluchtfahrzeug und einer eilends durch ihre mutmaßliche Komplizin Beate Zschäpe zerstörten Wohnung in Zwickau findet die Polizei in der Folge zahlreiche Waffen, darunter die Tatwaffen einer Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischen Händler sowie einer Polizistin. Es ist Anfang November 2011 – dieses Datum markiert das Ende des größten rassistischen Verbrechens in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg.

Fassungslosigkeit, Empörung und Wut auf Politik und Polizei: Die Taten der Terrorgruppe „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) ließen die Bundesrepublik im Herbst 2011 nicht los. Wer wollte schon in einem Land leben, in dem Menschen sterben, während Sicherheitsbehörden auf dem rechten Auge zu sein scheinen? Wie konnte das geschehen?

Kommentare zu " Jahrestag der NSU-Aufdeckung: Braune Soße"

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  • Hallo ihr Politiker,wundert euch nicht ,wenn die braune Suppe immer dunkler wird .Das ist euer Verdienst.Die Bürger
    fühlen sich durch eure permanente Unfähigkeit Entscheidungen
    in Punkto Salafisten,Einwanderung zu treffen nicht mehr sicher.Man hat den Eindruck ,das die Bundesregierung nicht
    mehr Herr im eigenen Haus ist.Wenn Salafisten unsere Re-
    gierung im Nasenring durch die Manege führt und die ganze
    Welt zusieht muß sich niemand mehr wundern wenn Rechte und andere Gruppierungen mal auf den Tisch hauen.So schlimmm das auch ist,aber nur vor solchen Leuten haben
    die Salafisten richtig Respekt.

  • Warum nur?

    Weil man es irgendwann als lästig empfindet, nahezu jeden Tag etwas unter die Nase gerieben zu bekommen.

    Und wer hat sich aufgeregt? Die Presse doch.

    Und stand hinter der Aufregung der Presse denn auch ein Großteil der Bevölkerung?



  • "Empörung von 2011 nach der Entlarvung des NSU-Terrors verpufft. Warum nur?"

    Und im Artikel kein Wort über die unfaßbaren Ermittlungsakten, welche ins Netz geleakt wurden!
    Kein Wunder, daß der Mainstreampresse die Leser davonlaufen, hält sie sie doch für so blöd, nicht im Netz zu recherchieren, s.d. nur zu konsumieren, was sie den Leuten vorsetzt. So als ob das uralte Informationsmonopol der Hochfinanz durch das Netz nicht gebrochen worden wäre!

    Die Westmedien sind nur noch peinlich.

    Wer bisher noch keine Ahnung haben sollte, daß der NSU-Prozeß eine einzige Farce ist, der könnte als Einstieg folgendes googlen: wer nicht fragt bleibt dumm blogspot.
    Dann findet man schnell hervorragende Infos, v.a. die geheimen und geleakten Ermittlungsakten.

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