Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds
Große Koalition auf dem Potomac

Wie ein Leuchtturm steht er auf dem Hauptdeck des Raddampfers Cherry Blossom, der gerade gemächlich vor der Kulisse des nächtlichen Washington den Potomac hinunter schippert. Um mindestens einen Kopf überragt Friedrich Merz alle Gäste der Vergnügungsfahrt, die die Commerzbank traditionell anlässlich der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds für Geschäftsfreunde, Notenbanker und Politiker veranstaltet.

HB WASHINGTON. Doch nicht nur deshalb steht der dürre Mann aus dem Sauerland im Mittelpunkt des turbulenten Geschehens im plüschigen Salon des Vergnügungsdampfers. Die Frage, die alle hier bewegt lautet, was hat der Politiker eigentlich im Washingtoner Party Circuit zu suchen, wo er doch zu Hause, nach dem die Union den glücklosen Paul Kirchhof abserviert hat, wieder als heißer Kandidat für das Finanzministerium gehandelt wird? Will da ein Kabinettsmitglied in spe schon einmal auf der Weltwährungstagung die Lage sondieren? Oder gibt sich Merz wieder einmal kapriziös, frei nach dem Motto, verhandelt ihr mal schön in Berlin, wenn ihr mich braucht, dann müsst ihr schon laut nach mir rufen?

Mit Unschuldsmiene klärt Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller auf, dass Herr Merz ja im Beirat des Hauses sitze und sein Rat nicht nur in Sachen Steuern auch fern der Heimat gefragt sei.

Um Gesprächspartner muss sich Merz an diesem schwülwarmen Südstaatenabend auf dem Potomac nicht lange bemühen. Schnell schart sich die Berliner IWF-Delegation um den CDU-Mann. Allen voran Staatsekretär Caio Koch-Weser und sein Abteilungsleiter Jörg Asmussen, die beide lange Jahre SPD-Finanzminister Hans Eichel treu dienten. Der blieb in diesem Jahr wegen des ungewissen Wahlausgangs zu Hause. Merz und die beiden beamteten Staatsdiener hatten sich jedenfalls jede Menge zu erzählen.

Vielleicht trainierte der CDU-Steuerexperte ja schon einmal für die große Koalition, wie kürzlich im Berliner Cafe Einstein als er mit Innenminister Otto Schily plauderte. Aber vielleicht hat ja auch ein zynischer Partygast recht, der meinte: "Wer jetzt hier in Washington auftaucht, der wird beim Tauziehen um eine Koalition nicht gebraucht."

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