Japan-Debatte in Deutschland: „Wir bleiben bei der Atomkraft“

Japan-Debatte in Deutschland
„Wir bleiben bei der Atomkraft“

Wegen der Atomhavarie in Japan bahnt sich in Deutschland ein Koalitionsstreit über die Zukunft der Kernenergie an. Für Umweltminister Röttgen ist die Atomkraft ein Auslaufmodell, die FDP will daran festhalten.
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Düsseldorf/BerlinNach Ansicht von Bundesumweltminister Norbert Röttgen wirft die Atomhavarie in Japan grundsätzliche Fragen zur Kernenergie auf. "Das ist schon eine Zäsur", sagte der CDU-Politiker am Samstagabend in der ARD. Es stelle sich die Frage nach der der Beherrschbarkeit der Atomtechnik. "Ich finde, dass dieser Debatte nicht ausgewichen werden darf." Zudem müsse man sich fragen, ob man nicht schneller zu anderen Energiequellen kommen müsse. "Dass wir weg wollen, ist klar." Es stelle sich aber die Frage nach dem Weg und der Geschwindigkeit. Die Atomenergie sei ein "Auslaufmodell", sagte Röttgen.

Kanzlerin Angela Merkel hatte angekündigt, nach dem Reaktorunglück in Japan Konsequenzen für Deutschland zu prüfen. Die Bundesregierung wisse zwar um Sicherheit der heimischen Atomkraftwerke. Nach dem Vorfall in einem technisch entwickelten Land wie Japan könne man aber in Deutschland nicht zur Tagesordnung übergehen.

In der FDP regt sich derweil Widerstand gegen eine mögliche Aufweichung des schwarz-gelben Atomkurses. Ungeachtet der Reaktor-Katastrophe in Japan plädiert beispielsweise der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis für ein Festhalten an der Atomenergie. "Wir bleiben bei der Atomkraft als Bestandteil im Energiemix", sagte das FDP-Bundesvorstandsmitglied Handelsblatt Online. "Allerdings sollte die Baustatik aller Atomkraftwerke global überprüft werden", fügte Chatzimarkakis hinzu.

Er verlangte zudem ein weltweites Bauverbot für Atomkraftwerke in Risikozonen, wie etwa dem San-Andreas-Graben in Kalifornien. Die Vereinten Nationen müssten eine Liste der Liste der akut von Erdbeben bedrohten Regionen erstellen und erklären, dass dort "zum Schutze der Menschheit" keine Reaktoren gebaut werden dürfen. "Ein solches Uno-Übereinkommen muss schleunigst in Angriff genommen werden", sagte der FDP-Politiker, der auch Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europaparlaments ist.

Merkel sprach mit Blick auf Japan von einer "außergewöhnlich ernsten Situation" und kündigte an, dass es dazu "in der nächsten Woche auch im Parlament natürlich dazu eine Debatte geben" werde. Das Thema müsse auch auf die Tagesordnung der EU-Fachminister.

Mit der Bemerkung, es sei zu früh, endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen, wandte sich Merkel indirekt gegen die Forderung nach einer Stilllegung deutscher Atommeiler. Sicherheit bleibe das oberste Gebot. Sie versicherte: "Es ist nach menschlichem Ermessen nicht vorstellbar, dass Deutschland von den Auswirkungen des Unglücks in Japan betroffen sein könnte." FDP-Chef Guido Westerwelle erklärte, angesichts des tausendfachen Leids sei nicht die Zeit für parteipolitische Debatten über die Risiken der Atomkraft.

Kommentare zu " Japan-Debatte in Deutschland: „Wir bleiben bei der Atomkraft“"

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  • motuslupi

    E-Autos lassen sich direkt von Solarstrom speisen und sind
    im Zusammenspiel von Photovoltaik die effizienteste Lösung.

  • Wie hoch war die Parteispende der Atomlobby ?

  • So lange die FDP einen solchen Spinner wie Jorgo Chatzimarkakis in ihrem Reihen hat und auch noch im Vorstand, kann man die FDP vergessen.
    Ich habe diesen Typen mehrmals im TV gesheen, mein gott, einen solchen Spinner gibt es wirklich selten
    Warum haben wir z. B. keine Wasserkraftwerke? Ist doch eine saubere Sache. Norwegen hat jede Menge
    Und was soll das Genöle gegen supermoderne Kohlekraftwerke?
    Und warum wird nicht viel mehr die Wärme genutzt, die z. B. beid er Müllverbrennung entsteht?
    Die Landschaft nur mit diesen Windrädern vollstellen, kann wohl nicht der Weisheit letzter Schluß sein
    Man will weg von Atomstrom, das ist auch richtig, aber alles andere will man auch nicht.
    Irgend was paßt da nicht
    Ich habe es letztens schon gesagt, ich wiederhole mich: vielleit buddeln wir alle unsere Kohl eiens Tages mit den Händen aus.

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