Jauch-Kritik
„Sie können alle wunderbar entrüstet sein!“

In Günther Jauchs Talkshow über das abgehörte Kanzlerin-Handy waren zwar viereinhalb von fünf Gästen einer Meinung. Aber gerade deshalb war sie interessant.
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In Diskussionen über das Internet trifft das uralte Karl-Valentin-Diktum, wonach zwar schon alles gesagt worden ist, aber noch nicht von jedem, den Nagel so auf den Kopf wie in keinem anderen Themenfeld. Jeder hat eigene Erfahrungen und andere Einschätzungen, was sie bedeuten und was die Zukunft bringen wird. Daher entsteht in Diskussionsrunden selten ein fruchtbares Gespräch - erst recht, wenn sie im Fernsehen tagen.

Doch Günther Jauchs Sendung unter dem Titel "Handy-Alarm im Kanzleramt - machtlos gegen Amerikas Spitzel" am Sonntagabend zeigte, dass seit dem Bekanntwerden des amerikanischen Ausspähens von Angela Merkels Handy tatsächlich ein gemeinsames Problembewusstsein eine breite Basis hat. Dass von fünf Gästen etwa viereinhalb weitgehend einer Meinung waren, schadete insofern nichts.

Immerhin, ein ehemaliger amerikanischer Offizieller hatte sich zu Jauch gewagt: John Kornblum, US-Botschafter in Berlin von 1997 bis 2001, saß bleich und mit gequältem Blick im Studio, bezichtigte die NSA einer "Dummheit ersten Ranges" und, nachdem "Dummheit" als verniedlichender Begriff kritisiert worden war, auch des Rechtsbruchs. "Ich bin kein Freund, ich bin ein Partner", erwiderte Kornblum auf Fragen nach der deutsch-amerikanischen Freundschaft - ein Punkt, an dem weniger konsensfixierte Talkmaster als Jauch eingehakt hätten. "Sie können alle wunderbar entrüstet sein, wenn Sie wollen!", konzedierte der Ex-Botschafter den Deutschen.

Der amtierende Botschafter John B. Emerson habe weder ins Studio kommen, noch ein Statement abgeben wollen, ließ Jauch zwischendurch fallen. Kein Wunder, da im Studio auch "Spiegel"-Reporter Marcel Rosenbach saß, der nicht nur Kornblum mit kritischen Fragen zusetzte, sondern auch die aktuelle "Spiegel"-Titelgeschichte "Das Nest" vorstellte. Derzufolge dient die US-Botschaft neben dem Brandenburger Tor auch derzeit als Spionagezentrale zum Abhören des deutschen Regierungsviertels. Kornblum antwortete auf die Frage, ob auch zu seiner Zeit von der Botschaft aus spioniert worden war, vielsagend nur mit seiner "lebenslangen Verpflichtung, nicht darüber zu reden".

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Erst Merkels Handy hat die Politik aufgeweckt

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  • Es kommt nur auf den Blickwinkel an:
    Sollte sich morgen herausstellen, dass der "BND" Präsident Obamas Cell- Phone abgehört hat, würden wir uns wahrscheinlich vor lauter Spass auf die Schnenkel klopfen.

  • Beim HB-Zensor brennt wohl ein Lichtlein durch....?`Schon die Abschaltung der Kommentarfunktion am Wochenende hat für signalisiert, dass beim HB-Azubi was nicht stimmt !

    Nur weiter so, HB !

    Ihr werdet euer Ziel auch erreichen, dass sich kein Mensch für ihr Netiquette-Schmierblatt interessieren wird !

  • Auweia ..... jetzt zensiert das HB aber alles was nur ansatzweise US-kritisch ist ..... selbst die sachlichsten Beiträge, werden nun mit dem Hinweis auf Sachlichkeit gelöscht!

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