Jauch-Talk mit Merkel
Euro-Lehrstunde mit Kanzlerin

Eine souveräne Angela Merkel, freundliche Fragen und unerklärliche Klatscher: Günther Jauchs Talk mit der CDU-Chefin verlief weit gehend reibungsfrei. Es gab etwas Volkshochschule - und einen verblüffenden Schwenk.
  • 41

BerlinEs hatte fast etwas Satirisches an sich, wie oft gestern bei Günther Jauch geklatscht wurde. Immer dann, wenn Angela Merkel eine besonders nichtssagende Äußerung machte, erhob sich im Publikum unerklärlich der Beifall. Da fragte man sich, ob die Kanzlerin die gesamte CDU-Basis mit ins Fernsehstudio gebracht hatte. Das orchestral einsetzende Klatschen unterstrich den Eindruck, dass Angela Merkel gestern bei Günther Jauch eine Bühne zur volksnahen Darstellung ihres Regierungskurses in Zeiten der Euro-Krise geboten wurde.

„Kampf um den Euro“, so lautete der Titel der Sendung. Angela Merkel war am Sonntag der einzige Gast bei Günther Jauch, den die Mehrheit der Deutschen laut Umfragen am liebsten selbst zum Bundeskanzler wählen würde. Die tatsächliche Bundeskanzlerin traf also auf den Bundeskanzler der Herzen – staatstragender kann eine politische Talkshow wohl nicht werden.

Merkel hat es dieser Tage aber auch schon schwer genug: Griechenland steckt in der Krise, der Euro auch und die FDP sowieso. Am kommenden Donnerstag steht im Bundestag die Abstimmung über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms an. Die Kritik aus den eigenen Reihen wächst. Schon machen Gerüchte von einem Scheitern der schwarz-gelben Koalition und Neuwahlen die Runde. Also ging die Kanzlerin am Sonntag bei Günther Jauch in die Offensive, um den Deutschen ihre Politik zu erklären.

Merkel ist in den politischen Talkshows ein seltener Gast. Schon daran lässt sich erahnen, wie ernst die Lage wirklich ist. Bei Publikumsliebling Jauch konnte sie sich der entsprechenden Reichweite sicher sein: In seinen ersten beiden ARD-Sendungen schalteten jeweils rund fünf Millionen Zuschauer ein. Zudem musste sie bei ihm auch keine krawalligen Provokationen befürchten; der Moderator ist schließlich für seinen ruhigen, zurückhaltenden Stil bekannt.

So nutzte Angela Merkel ihre Redezeit, um eindringlich für die Rettung Griechenlands und die Stabilisierung des Euro zu werben. „Wir brauchen den Euro, der Euro ist gut für uns“, sagte die Kanzlerin. „Wir helfen, damit unsere gemeinsame Währung stabil ist.“ Deswegen gehe es bei der Ausweitung des Rettungsschirms im Endeffekt darum, in Deutschland „den Wohlstand zu erhalten.“

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  • symptomatisch

    Wir befinden uns nicht nur in einer Schuldenkrise, sondern auch in einer Krise der Demokratie: Es war ungeheuerlich, wie mit den wenigen opponierenden Abgeordneten umgegangen wurde. Es war haarsträubend, mit welcher Ahnungslosigkeit einige Abgeordnete zur Wahlurne schritten. Es ist empörend, mit welcher Heuchelei Politiker ihren Verrat am deutschen Volk betreiben. Es ist entsetzlich, was ein großer Teil der Medien dazu zu sagen hat.

    Vor allem die Zustände beim Fernsehen sind besorgniserregend. Die Zusammenarbeit zwischen der Regierung und den öffentlich-rechtlichen Claqueurbetrieben funktioniert mittlerweile perfekt. Auch das neue Politik-Schwafel-Konzept dient diesem höheren Zweck. Anne Will war zu kritisch. Nun haben wir Belang- und Harmlosigkeit à la Jauch. Die Murksel erhält termingerecht ihren Soloauftritt. Lügen müssen kein Widerwort befürchten. Den Rest erledigen die bezahlten Kommentatoren des Staatsfernsehens. Wer erinnert sich an Deppendorfs Kommentar zu Rösler?

  • Mit Jauch hat die politische Talkshow ihren vorläufig elendsten Zustand erreicht. Von jetzt an wird man nur noch vom russischen Staatsfernsehen lernen können.

  • FORTSETZUNG:

    Was passiert zZt in Griechenland: in der Hand von 2000 Reichen befindet sich 80% des Vermögens. Diese haben in hohen MRD Beträgen bereits ihr Geld außer Landes gebracht, Firmen sind abgewandert nach Rumänien und Bulgarien.

    Bulgarien macht es nun wie Irland, nur 10% Steuer auf Unternehmen zu erheben. Griechische Banken sind dort auf dem Vormarsch. Es wird also das in Griechenland dringend benötigte Geld für Arbeitsplätze, Investition und Steuern in andere Länder transferiert.

    Frage: wie soll dieses Land, das seit der Unterstützung seine Verschuldung noch erheblich vergrößert hat, das letztens sogar noch Gold am Markt für 14 MRD kaufte, mit der verbliebenen Wirtschaft - die größte ist ein Getränkevertreiber, der nächste eine Wettgesellschaft - jemals in der Lage sein, zudem noch über Sparmaßnahmen seine Verschuldung abzahlen, ein Staat, der ausblutet.

    Die Transfers, die die Troika genehmigt, reichen gerade dazu, die Staatsbediensteten zu bezahlen und die Kreditzinsen an die Banken. Die Anleihen werden aufgekauft oder zeitl. verlängert.
    Man rechnet damit,daß dieses Alimentieren an die 10 Jahre dauern könnte. Von anderen Staaten nicht zu reden.

    Wo wir uns jetzt befinden - nämlich in der Schuldenfalle - wird uns nun allzu deutlich bewußt.

    Ebenso die USA, die uns nun versucht unter Druck zu setzen, ohne ihre eigenen strukturellen Probleme anzugehen Niemand hat ein überzeugendes Konzept, wie man da herauskommt.
    Aber einer gewinnt immer: der Bankensektor

    In 2012 werden wir erst die richtige Auswirkungen der Krise erleben.

    Wen man weiß, daß Goldman Sachs gegen den Euro wettet, die 1,25 - 1,20 EUR/$ sind angedacht, auf die Pleite von EU - Staaten, dann ahnt man, wie der Hase läuft. GS dengelt das schon.

    Ein Jauch war dazu vom Sachverstand nicht der richtige Interviewer.

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