Jauch-Talk mit Merkel

Euro-Lehrstunde mit Kanzlerin

Eine souveräne Angela Merkel, freundliche Fragen und unerklärliche Klatscher: Günther Jauchs Talk mit der CDU-Chefin verlief weit gehend reibungsfrei. Es gab etwas Volkshochschule - und einen verblüffenden Schwenk.
  • Gabriela M. Keller
41 Kommentare
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Günther Jauch. Quelle: Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Günther Jauch.

(Foto: Reuters)

BerlinEs hatte fast etwas Satirisches an sich, wie oft gestern bei Günther Jauch geklatscht wurde. Immer dann, wenn Angela Merkel eine besonders nichtssagende Äußerung machte, erhob sich im Publikum unerklärlich der Beifall. Da fragte man sich, ob die Kanzlerin die gesamte CDU-Basis mit ins Fernsehstudio gebracht hatte. Das orchestral einsetzende Klatschen unterstrich den Eindruck, dass Angela Merkel gestern bei Günther Jauch eine Bühne zur volksnahen Darstellung ihres Regierungskurses in Zeiten der Euro-Krise geboten wurde.

„Kampf um den Euro“, so lautete der Titel der Sendung. Angela Merkel war am Sonntag der einzige Gast bei Günther Jauch, den die Mehrheit der Deutschen laut Umfragen am liebsten selbst zum Bundeskanzler wählen würde. Die tatsächliche Bundeskanzlerin traf also auf den Bundeskanzler der Herzen – staatstragender kann eine politische Talkshow wohl nicht werden.

Merkel hat es dieser Tage aber auch schon schwer genug: Griechenland steckt in der Krise, der Euro auch und die FDP sowieso. Am kommenden Donnerstag steht im Bundestag die Abstimmung über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms an. Die Kritik aus den eigenen Reihen wächst. Schon machen Gerüchte von einem Scheitern der schwarz-gelben Koalition und Neuwahlen die Runde. Also ging die Kanzlerin am Sonntag bei Günther Jauch in die Offensive, um den Deutschen ihre Politik zu erklären.

Merkel ist in den politischen Talkshows ein seltener Gast. Schon daran lässt sich erahnen, wie ernst die Lage wirklich ist. Bei Publikumsliebling Jauch konnte sie sich der entsprechenden Reichweite sicher sein: In seinen ersten beiden ARD-Sendungen schalteten jeweils rund fünf Millionen Zuschauer ein. Zudem musste sie bei ihm auch keine krawalligen Provokationen befürchten; der Moderator ist schließlich für seinen ruhigen, zurückhaltenden Stil bekannt.

So nutzte Angela Merkel ihre Redezeit, um eindringlich für die Rettung Griechenlands und die Stabilisierung des Euro zu werben. „Wir brauchen den Euro, der Euro ist gut für uns“, sagte die Kanzlerin. „Wir helfen, damit unsere gemeinsame Währung stabil ist.“ Deswegen gehe es bei der Ausweitung des Rettungsschirms im Endeffekt darum, in Deutschland „den Wohlstand zu erhalten.“

Die vereinzelte Hartnäckigkeit von Günther Jauch
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

41 Kommentare zu "Jauch-Talk mit Merkel : Euro-Lehrstunde mit Kanzlerin"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • symptomatisch

    Wir befinden uns nicht nur in einer Schuldenkrise, sondern auch in einer Krise der Demokratie: Es war ungeheuerlich, wie mit den wenigen opponierenden Abgeordneten umgegangen wurde. Es war haarsträubend, mit welcher Ahnungslosigkeit einige Abgeordnete zur Wahlurne schritten. Es ist empörend, mit welcher Heuchelei Politiker ihren Verrat am deutschen Volk betreiben. Es ist entsetzlich, was ein großer Teil der Medien dazu zu sagen hat.

    Vor allem die Zustände beim Fernsehen sind besorgniserregend. Die Zusammenarbeit zwischen der Regierung und den öffentlich-rechtlichen Claqueurbetrieben funktioniert mittlerweile perfekt. Auch das neue Politik-Schwafel-Konzept dient diesem höheren Zweck. Anne Will war zu kritisch. Nun haben wir Belang- und Harmlosigkeit à la Jauch. Die Murksel erhält termingerecht ihren Soloauftritt. Lügen müssen kein Widerwort befürchten. Den Rest erledigen die bezahlten Kommentatoren des Staatsfernsehens. Wer erinnert sich an Deppendorfs Kommentar zu Rösler?

  • Mit Jauch hat die politische Talkshow ihren vorläufig elendsten Zustand erreicht. Von jetzt an wird man nur noch vom russischen Staatsfernsehen lernen können.

  • FORTSETZUNG:

    Was passiert zZt in Griechenland: in der Hand von 2000 Reichen befindet sich 80% des Vermögens. Diese haben in hohen MRD Beträgen bereits ihr Geld außer Landes gebracht, Firmen sind abgewandert nach Rumänien und Bulgarien.

    Bulgarien macht es nun wie Irland, nur 10% Steuer auf Unternehmen zu erheben. Griechische Banken sind dort auf dem Vormarsch. Es wird also das in Griechenland dringend benötigte Geld für Arbeitsplätze, Investition und Steuern in andere Länder transferiert.

    Frage: wie soll dieses Land, das seit der Unterstützung seine Verschuldung noch erheblich vergrößert hat, das letztens sogar noch Gold am Markt für 14 MRD kaufte, mit der verbliebenen Wirtschaft - die größte ist ein Getränkevertreiber, der nächste eine Wettgesellschaft - jemals in der Lage sein, zudem noch über Sparmaßnahmen seine Verschuldung abzahlen, ein Staat, der ausblutet.

    Die Transfers, die die Troika genehmigt, reichen gerade dazu, die Staatsbediensteten zu bezahlen und die Kreditzinsen an die Banken. Die Anleihen werden aufgekauft oder zeitl. verlängert.
    Man rechnet damit,daß dieses Alimentieren an die 10 Jahre dauern könnte. Von anderen Staaten nicht zu reden.

    Wo wir uns jetzt befinden - nämlich in der Schuldenfalle - wird uns nun allzu deutlich bewußt.

    Ebenso die USA, die uns nun versucht unter Druck zu setzen, ohne ihre eigenen strukturellen Probleme anzugehen Niemand hat ein überzeugendes Konzept, wie man da herauskommt.
    Aber einer gewinnt immer: der Bankensektor

    In 2012 werden wir erst die richtige Auswirkungen der Krise erleben.

    Wen man weiß, daß Goldman Sachs gegen den Euro wettet, die 1,25 - 1,20 EUR/$ sind angedacht, auf die Pleite von EU - Staaten, dann ahnt man, wie der Hase läuft. GS dengelt das schon.

    Ein Jauch war dazu vom Sachverstand nicht der richtige Interviewer.

  • Was ist der ESFS: eine "Zweckgesellschaft", was anderes geht nicht. An was erinnert uns das fatal? Richtig, die letzte Finanzkrise, wo die Banken ihre dubiosen Geschäfte mit den dubiosen Kreditversicherungen in eine "Zweckgesellschaft" auslagerten außerhalb der Bilanzen. Das ging schief. Wäre es gut gegangen, wären sie in die Bilanzen eingeflossen. Nun ruhen diese Giftpapiere in den sogen. "Bad Banks".
    Wer sind die Hauptzahler in den EFSF: Deutschland zu 27 %, Frankreich zu 20 %. Wie man weiß, sieht es in Frankreich auch wenig rosig aus, weil deren Exportkraft nicht groß ist. Folgen also ungewiß.

    Warum ist das Schuldendilemma entstanden? Eine wesentliche
    Ursach war die EURO Einführung zu einem viel zu frühen Zeitpunkt, man sprach auch damals schon vom Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten. Das wurde ignoriert. Plötzlich kamen die jetzt notleidenden Staaten über den Euro an niedrige Zinsen, die sie zuvor nie hatten.
    Wie in Amerika, wurde die Politik des leichten Geldes verfolgt, man verschuldete sich - ist ja jetzt so billig -
    und hat seine Ausgaben ausufern lassen, mit der Begründung, die Wirtschaft anzukurbeln. Haushaltsdisziplin wie mal verabredet, wurde unterlaufen.Auch von uns.

    Irland hatte das Konzept, mit niedrigen Steuern Industrie anzulocken,viel Geld floß dorthin, die Banken blähten sich auf und kollabierten letztlich, weil ein zu großes Rad gedreht wurde.

  • Der Artikel gibt die Sendung für mich zutreffend wieder und ist so für mich auch ein gutes Beispiel für sachlichen, unabhängigen Journalismus.
    Bei der monierten "vereinzelten Hartnäckigkeit von Günther Jauch" beim Nachfassen auf Fragen, denen Frau Merkel mit allgemeinen gut klingenden aber nichtssagenden Phrasen auswich, führt Frau Keller das Nachhaken beim Schuldenschnitt Griechenlands als positives Beispiel an.
    Noch informativer wäre es vielleicht gewesen, zu erwähnen, wo er nicht nachgefragt hat: als er es Frau Merkel hat durchgehen lassen, mit einem Wortschwall seiner Frage auszuweichen, was denn auf den Steuerzahler zukomme, wenn die Wette auf ein Nichteintreten des Bürgschaftsfalles
    verloren wird.

  • Der Artikel gibt die Sendung für mich zutreffend wieder und ist so für mich auch ein gutes Beispiel für sachlichen, unabhängigen Journalismus.
    Bei der monierten "vereinzelten Hartnäckigkeit von Günther Jauch" beim Nachfassen auf Fragen, denen Frau Merkel mit allgemeinen gut klingenden aber nichtssagenden Phrasen auswich, führt Frau Keller das Nachhaken beim Schuldenschnitt Griechenlands als positives Beispiel an.
    Noch informativer wäre es vielleicht gewesen, zu erwähnen, wo er nicht nachgefragt hat: als er es Frau Merkel hat durchgehen lassen, mit einem Wortschwall seiner Frage auszuweichen, was denn auf den Steuerzahler zukomme, wenn die Wette auf ein Nichteintreten des Bürgschaftsfalles
    verloren wird.

  • Für sowas sind mir meine GEZ Zwangsgebühren wirklich zu schade. Und Herr Jauch hat für diese Leistung gerade mal den Mindestlohn und nicht sein vermutlich sehr üppiges Gehalt verdient. Viele Hartz IV ler hätten das besser gekonnt!

  • Langfristig kommt die

    1 Weltordnung

    So hat man es schon im 18th. Jahrhundert beschlossen. Und wie es ausieht, deutet alles darauf hin, dass die Illuminati mit ihrem Plan durchkommen.

    Und bald laufen wir alle mit einem Chip in uns herum.
    Bei den Hunden ist es schon Pflicht.

  • Wollt Ihr den totalen Euro? IM Erika blubberte nichtssagend vor sich hin und machte auf Bösblick wenn Jauch nur irgendwie in die Nähe einer kritischen Frage kam. Man merkte Jauch hatte Schiss! So muss es wohl einen russischen Journalisten gehen, wenn er Putin interviewen darf.

  • Wer hat denn bei Jauch etwas anderes als eine Wahlwerbung mit Merkel erwartet?? Hab mir das Ganze erst garnicht angetan. Die Artikel in den diversen Zeitungen sagen doch alles!! Und dafür werden GEZ-Gebühren ausgegeben.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%