Jauch-Talk zu Schwans Kohl-Buch
„Wenn ich diese Bilder sehe, kommen mir die Tränen“

Wenig Erkenntnis, aber Aufregung herrschte in Günther Jauchs ARD-Talkshow zum umstrittenen Buch mit nicht autorisierten Helmut-Kohl-Aussagen. Eine verwirrende Diskussion mit blanken Nerven und verletzten Eitelkeiten.
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BerlinGünther Jauchs Talkshow zum Thema „Helmut Kohl - Wem gehört seine Geschichte?“ lief wenige Minuten, da überraschte Heribert Schwan, der Autor des am heutigen Montag offiziell erscheinenden Buchs „Vermächtnis/ Die Kohl-Protokolle“, den ebenfalls gastierenden Anwalt des Altkanzlers mit der Aussage, dass er „gar nicht hier sitzen“ dürfte. Der ehemalige Ghostwriter Kohls bezog sich offenbar auf die Anwaltsregel, dass in laufenden Auseinandersetzungen Anwälte der Gegenseite mit einem Beteiligten nicht ohne Einwilligung der Anwälte verhandeln dürfen.

Das Argument verfing aber nicht, Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner blieb im Studio sitzen.

Am Ende der zähen Diskussion kündigte Schwan dann an, Kopien seiner Tonbänder mit Helmut-Kohl-Aussagen dem Bundesarchiv überlassen zu wollen. Holthoff-Pförtner riet dem Bundesarchiv, sie nicht anzunehmen. „Das Fertigen von Kopien ist eine Straftat“, sagte er. „Unsinn, das ist keine Straftat“, entgegnete Schwan noch, dann war die Sendung zu Ende. Geklärt wurde also auch dieses Argumente nicht im Geringsten.

Zutage traten bloß blanke Nerven und verletzte Eitelkeiten. Vor allem Schwan erfüllte entsprechende Erwartungen. Auf Jauchs Frage, wo seine Tonbänder mit Kohls Aussagen sich befinden, antwortete er, es gebe „jede Menge Kopien“, die „verstreut in deutschen Landen, auch im Ausland“ seien - als ob er ein Whistleblower vom Rang Edward Snowdens wäre, den und dessen Wissen die Geheimdienste der Welt jagten.

„Wenn ich diese Bilder sehe, kommen mir die Tränen“, sagte er zu Kohls Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse in der vergangenen Woche, „das ist nicht sein Wille, das hätte er nicht gewollt“.

Einen weiteren Vorwurf an Maike Kohl-Richter, der ihn offensichtlich mehr wurmt, legte er später nach: „Dummheit in höchster Form“. „Wie dumm war es, meinen Vertrag zu kündigen? Ich hatte das Herrschaftswissen...“, echauffierte sich Schwan darüber, wie ihm im Jahr 2009 sein Autorenvertrag gekündigt wurde.

Den Eindruck, dass es bei der vom „Spiegel“ der Vorwoche befeuerten Auseinandersetzung um das Kohl-Buch nicht zuletzt um Eitelkeiten geht, bestätigte die Jauch-Show.

Kommentare zu " Jauch-Talk zu Schwans Kohl-Buch: „Wenn ich diese Bilder sehe, kommen mir die Tränen“"

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  • Manfred Carter
    das sehe ich auch so
    Vom alten Spiegel eines Augstein it nichts mehr vorhanden

  • @ Peter Petersen
    Bei mir bleibt die Glotze grundsätzlich aus. Ich habe die Idiotenlampe eigentlich nur noch, um mir Videos anzuschauen. Unsere "Demokratie" kann mich zwar dazu zwingen, die Zwangsabgabe zu entrichten, aber nicht dazu, mir diesen über neunzigprozentigen Müll auch noch anzutun.
    Erst recht brauche ich keine (Polit-)Talkshows mit Selbstdarstellern, nur um am nächsten Tag dann über irgendwelchen Mist "mitreden" zu können.
    Die relevanten Informationen finde ich alle im Internet - sogar, wenn in einer Talkshow ausnahmsweise mal etwas wirklich Grandioses gesagt wird, wie zuletzt beispielsweise durch den von mir eigentlich verachteten Oskar Lafontaine zur "Friedenspolitik" des Hegemons USA:
    http://www.youtube.com/watch?v=9Zf9tsuJRek

  • Seichte Sendung über verwirrten Alt-Kanzler Kohl
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    Hier wurden seine "geheimen Zitate" über seine "Parteifreunde" angesprochen!

    ■ „Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen. Sie lungerte bei den Staatsessen herum, sodass ich sie mehrfach zur Ordnung rufen musst“, zitiert der „Spiegel“ den Ex-Kanzler.
    ■ Friedrich Merz und Angela Merkel im Bundestag 2000: Über die beiden soll Kohl gesagt haben „Die Merkel hat keine Ahnung, und der Fraktionsvorsitzende ist ein politisches Kleinkind.“
    ■ Christian Wulff mit Helmut Kohl 1998: „Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er auch eine Null.“
    ■ Kohl soll seinen damaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geißler als „hinterfotzig“ bezeichnet haben – ebenso wie Arbeitsminister Norbert Blüm und Finanzminister Gerhard Stoltenberg.
    ■ „Da muss bei Blüm das Wort rein: Verräter. In irgendeiner Form“, so Kohl.
    ■ Doch nicht nur zu Personen, sondern auch zur deutschen Einheit soll sich Kohl geäußert haben. Laut des Altkanzlers habe nicht die Bürgerrechtsbewegung in der DDR zum Zusammenbruch des Regimes in Ost-Berlin geführt: „Es ist ganz falsch, so zu tun, als wäre da plötzlich der heilige Geist über die Plätze in Leipzig gekommen und hat die Welt verändert.“
    ■ Der Altkanzler soll davon überzeugt gewesen sein, dass die Schwäche Moskaus zum Zusammenbruch der DDR geführt habe.
    ■ Im Zusammenhang mit Wolfgang Schäuble (Bild von 1989) soll Kohl von „Unfähigkeit“ und „Vernichtungsfeldzug“ gesprochen haben.

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