"Jedes CDU-Mitglied ist uns willkommen"
Schill-Partei umwirbt Hohmann

Die Schill-Partei möchte den aus der Unionsfraktion ausgeschlossenen Abgeordneten Hohmann zum Übertritt bewegen. Parteichef Mettbach will persönlich mit ihm sprechen. Derweil hält in Hohmanns osthessischer Heimat die Kritik am Vorgehen der CDU-Führung an.

HB BERLIN. Die Schill-Partei ist offenbar an dem aus der Unionsfraktion ausgeschlossenen Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann interessiert. Wie die "Bild am Sonntag" (BamS) berichtete, will der Bundesvorsitzende der Schill-Partei, Mario Mettbach, persönlich mit Hohmann über einen Parteiwechsel verhandeln.

"Wenn Herr Hohmann Interesse hat, in unserer Partei mitzuarbeiten, dann weiß er, wie er mich erreichen kann", sagte Mettbach der Zeitung. Mettbach ist in Hamburg Zweiter Bürgermeister und Bausenator. Man solle derzeit "sehr vorsichtig sein, was Herrn Hohmann betrifft, aber man soll ja nie nie sagen", fügte er hinzu.

Zwar wolle er "keinen Aufruf in Richtung unzufriedene CDU-Mitglieder starten, zu uns zu wechseln. Aber jedes CDU-Mitglied, das unser Programm mitträgt, ist herzlich willkommen", sagte Mettbach. Bei den letzten Bundestagswahlen erhielt die Schill-Partei nur 0,8 Prozent der Stimmen.

Würde Hohmann, gegen den sein CDU-Landesverband Hessen ein Ausschlussverfahren angestrengt hat, tatsächlich zur Schill-Partei wechseln, hätte diese einen großen Erfolg errungen: Sie wäre erstmals im Deutschen Bundestag vertreten.

Derweil stärkste der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber der CDU-Chefin Angela Merkel den Rücken. Stoiber sagte im ZDF, angesichts der politischen Dimension habe es keinen anderen Weg gegeben, als Hohmann aus der Unionsfraktion auszuschließen. Wer von den Nationalsozialisten gezogene Vergleiche aufgreife und die Einzigartigkeit des Holocausts relativiere, stelle sich "außerhalb des Verfassungsbogens". Es müsse eine "klare Kante" gezogen werden zwischen der demokratischen Rechten und dem Rechtsextremismus. Hohmann hatte in einem Vortrag Juden in Zusammenhang mit dem Begriff "Tätervolk" gebracht.

An der Basis brodelt es aber weiter: Auf dem Bezirksparteitag der Fuldaer CDU äußerten mehrere Christdemokraten Unverständnis über den Rausschmiss Hohmanns. Die Unionsfraktion habe Hohmann keine Chance eingeräumt, das Vertrauen zurückzugewinnen. Ein Mann dürfe nicht auf eine Rede reduziert werden. Außerdem habe die Berliner Parteispitze nicht die Meinung und den Rat der Osthessen eingeholt, wurde die CDU-Führung kritisiert.

Unterdessen lobte Bundespräsident Johannes Rau die Union für ihr Vorgehen gegen Hohmann. "Seine Partei hat jetzt reagiert und klare Grenzen aufgezeigt", sagte das Staatsoberhaupt. Antisemitismus gebe es zwar überall, aber die "Hemmschwelle muss bei uns eine andere sein als in anderen Ländern".

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