Jenseits des Wunschberufs
Was Migranten als Azubis erleben

Junge Leute mit ausländischen Wurzeln landen mit ihrer Ausbildung in Deutschland seltener im Traumberuf. Viele beklagen auch Benachteiligungen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund mahnt, junge Flüchtlinge als Azubis gut zu behandeln.

BerlinJugendliche mit ausländischen Wurzeln sind zwar in der Mehrzahl zufrieden mit ihrer Ausbildung - aber sie haben es doch schwerer: Sie kriegen im Durchschnitt weniger Ausbildungsplätze und wenn sie welche bekommen, führen diese seltener zum Traumjob. Darauf deutet der neue Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hin. Der DGB fordert deshalb Schritte gegen Benachteiligung.

Jugendliche mit ausländischen Wurzeln sind ebenso an einer Ausbildung interessiert wie jene ohne solch einen Hintergrund, stellte der offizielle Berufsbildungsbericht 2015 fest. „Überdurchschnittlich häufig bleiben Jugendliche mit Migrationshintergrund aber ohne Berufsabschluss“, so die Experten. Wesentliche Ursache: die insgesamt niedrigeren Schulabschlüsse.

In welchen Berufen finden junge Leute mit ausländischen Wurzeln eine Lehrstelle? In den begehrtesten Ausbildungsberufen – etwa Bankkaufmann, Mechatroniker oder Industriekaufmann – sind sie mit Anteilen unter 15 Prozent stark unterrepräsentiert, stellte die DGB-Umfrage fest. Dabei haben laut DGB-Studie rund 27 Prozent der Azubis einen Migrationshintergrund. Bei zahnmedizinischen Fachangestellten machen sie dagegen rund die Hälfte der Azubis aus, bei Friseuren und Verkäufern zwei von fünf, bei Einzelhandelskaufleuten oder Verkäufern in der Lebensmittelbranche 36 Prozent. Nur rund 29 Prozent landen im Wunschberuf – Jugendliche ohne Migrationshintergrund immerhin zu 33 Prozent.

Die Zufriedenheit mit der Lehrstelle ist mit 67 Prozent bei den Azubis mit Wurzeln in anderen Ländern zwar hoch, aber doch fast 6 Prozentpunkte niedriger. Sie fühlen sich zudem häufiger überfordert und geben etwas öfters an, sich in der Freizeit nicht gut von der Ausbildung erholen zu können. Benachteiligt fühlt sich rund jeder fünfte – selten oder manchmal machten jeweils mehr als 9 Prozent die Erfahrung von Diskriminierung, häufig immer noch 4 Prozent.

DGB-Jugendsekretär Florian Haggenmiller sagt, laut Berichten von Betroffenen seien es manchmal ein fremd klingender Name oder die Hautfarbe, die zur Benachteiligung führten. „Uns haben aber auch Betroffene berichtet, dass sie die Ausbildungsunterlagen nicht mit nach Hause nehmen dürfen.“ Ihnen werde wohl unterstellt, dass sie die Unterlagen nicht wieder mitbrächten. Haggenmiller forderte gegen Diskriminierungen geschulte Ausbilder.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht keine generellen Vorbehalte der Unternehmen gegen junge Leute mit ausländischem Background. Mehr als 40 Prozent der Betriebe hätten in den vergangenen Jahren Jugendliche mit Migrationshintergrund ausgebildet, sagt Vize-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. „Azubis mit Migrationshintergrund gehören also längst zum betrieblichen Alltag.“ Wie für alle gelte: „Basiskompetenzen in Mathe und Deutsch sowie soziale Umgangsformen sind Mindestvoraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung.“

Die Perspektiven der jungen Flüchtlinge, die derzeit ins Land kommen, sind bei der Studie noch nicht berücksichtigt: Die meisten der Befragten besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Forderung nach einer feste Bleibeperspektive für junge Lehrlinge und Berufseinsteiger aus Krisenstaaten wird derzeit aber immer lauter. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) macht sich für ein dauerhaftes Bleiberecht nach absolvierter Ausbildung stark. Der DGB unterstützt dies – doch mahnt er auch, die Betroffenen dann ordentlich zu behandeln. Betriebe sollten junge Flüchtlinge nicht als billige Azubis ausnützen können, fordert DGB-Vize Elke Hannack.

Bei den Kammern gibt es schon eine Reihe von Projekten, um Flüchtlinge per Ausbildung zu integrieren. So ermittelt man zum Beispiel bei der IHK Schwaben in Augsburg unter dem Motto „Junge Flüchtlinge in Ausbildung“ Schulbildung, Sprachkenntnisse und Berufswunsch. Rund 100 Unternehmen sind beteiligt – zum 1. September gibt es hier etwa 35 Ausbildungsverträge und Qualifizierungen zum Berufseinstieg für junge Flüchtlinge.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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