Jetzt Wahlkampfthema: 50.000 protestieren gegen Atomkraft

Jetzt Wahlkampfthema
50.000 protestieren gegen Atomkraft

In Baden-Württemberg sind am Samstag Zehntausende gegen Atomkraft auf die Straße gegangen. Die dramatischen Entwicklungen in Japan geben den Demos besondere Brisanz - und verschaffen der CDU ein handfestes Problem.
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Berlin/Stuttgart/DüsseldorfMehrere Zehntausend Menschen haben am Samstag in Baden-Württemberg für einen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert. Sie bildeten zwischen dem Atomkraftwerk Neckarwestheim und Stuttgart eine 45 Kilometer lange Menschenkette. Brisanz erhielt die seit langem geplante Großkundgebung durch die dramatischen Ereignisse in Japan. Hier droht nach dem verheerenden Erdbeben im Kernkraftwerk Fukushima eine atomare Katastrophe.

Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich etwa 60.000 Menschen an der Aktion. Erwartet worden waren rund 40.000. Die Polizei sprach letztlich von rund 50.000 Teilnehmern. Für 15.30 Uhr war eine Schlusskundgebung in Stuttgart geplant. Angesichts der Zahlen scheint es wahrscheinlich, dass die drohende Kernschmelze in Fukushima noch zusätzlich Teilnehmer motivierte.

Allein rund um das Schloss in Ludwigsburg demonstrierten mindestens 10.000 Atomkraftgegner unter anderem mit Sprechchören und Trommeln lautstark gegen die im Herbst beschlossene Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke. Heftig diskutiert wurden auch die aktuellen Ereignisse in Japan.

Der Geschäftsführer des Landesverbands BUND, Berthold Frieß, sagte der Nachrichtenagentur dapd in Neckarwestheim, die Ereignisse um den japanischen Atomreaktor zeigten, wie riskant der Einsatz dieser Energietechnologie sei. „Wir sind mit unseren Gedanken bei den Opfern in Japan und hoffen, dass diese furchtbaren Ereignisse auch bei der Landesregierung für ein Umdenken sorgen“, sagte Frieß.

Ähnlich äußerte sich der evangelische Pfarrer Ulrich Koring, der wie Frieß zu den Organisatoren der Menschenkette gehört. „Wir können nicht nach Japan schauen und gleichzeitig die bestehenden Defizite deutscher Atomkraftwerke ignorieren“, sagte der 59-Jährige.

Auch wenn es in Deutschland aller Wahrscheinlichkeit nicht zu so starken Erdbeben wie in Japan kommen könne; das Risiko von Flugzeugabstürzen und Terroranschlägen sei dennoch ebenso realistisch.

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  • Nun, dass die Politiker machen, was sie wollen, liegt ja eigentlich an uns selbst. Und da fasse ich mich auch an die eigenen Nase. Ich wollte die Laufzeitverlängerung nicht und bin aber auch nicht auf die Straße gegangen.
    Wenn wir aber alle gingen, sollten wir auch was bewegen können. Hier gibt es Möglichkeiten, mehr als nur Unterschriften zu geben: http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/03/12/japan-hat-es-wieder-gezeigt-wie-gefahrlich-atommeiler-sind-daher/#comment-249

  • Was muß noch passieren, damit in diesem geldregierten Land endlich ein Umdenken stattfindet ?

  • naja, die Polizei bestätigte aber die 60.000 Demonstranten laut SWR-Meldung.

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