Joachim Gauck
Der Freiheits-Lehrer macht es spannend

Wer von Joachim Gauck einen ersten politischen Wurf erwartet hat, wurde enttäuscht. In seiner Dankesrede nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten hielt er sich auffällig bedeckt. Ein Eingeständnis ließ aber aufhorchen.
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BerlinNun haben die Deutschen den Bundespräsidenten, den sie mehrheitlich wollten. Joachim Gauck erhielt in der Bundesversammlung 991 von 1228 gültigen Stimmen, das entspricht einer Zustimmung von gut 80 Prozent. Das überragende Ergebnis ist nicht überraschend, denn Gauck war ein Konsens-Kandidat der Parteien. Nun liegt es an ihm, aus den Vorschusslorbeeren etwas zu machen und die Politik, aber vor allem die Bürger in Deutschland, davon zu überzeugen, dass nach der Affäre um den vorzeitig aus dem Amt geschiedenen Christian Wulff nun der richtige an die Staatsspitze gewählt wurde.

Viele hatten gehofft, dass Gauck schon unmittelbar nach seiner Wahl erste politische Duftmarken setzen wird. Doch er selbst hatte die Erwartung gedämpft, indem er am Samstag schon erklärte, dass es von ihm nur Dankesworte geben werde. „Da gibt es noch keine politische Rede.“ Gauck macht es spannend. Erst nach seiner Wahl deutete er in Fernsehinterviews an, wohin die politische Reise inhaltlich gehen könnte. Gauck sprach sich unter anderem für eine Ausdehnung des Solidarausgleichs auf bedürftige Regionen in Westdeutschland aus. Nun blicken alle auf seine Vereidigung am Freitag. Kommt dann die erste große Rede?

Seine kurze Ansprache im Bundestag lieferte jedenfalls wenig Neues zu Gaucks künftiger Amtsführung. Was er anriss, war teils eine Rückschau und teils der Versuch, in etwa die Erwartungen mit Inhalt zu füllen, die vor seiner Wahl von politischer Seite an ihn heran getragen worden waren. Gauck redete über seine Lieblingsthemen Freiheit und Verantwortung und versprach dabei zu helfen,  die Kluft zwischen Politik und Bürgern zu verringern. Gauck sieht dafür gute Chancen, nachdem er in den vergangenen Wochen von vielen Menschen ermuntert worden sei, die Präsidentschaftskandidatur anzunehmen. Das gebe ihm Hoffnung, eine Annäherung zwischen Regierenden und Regierten hinzubekommen.

Gauck muss die heutige Wahl als großes Glück empfunden haben. Denn für ihn schließt sich in gewisser Weise auch ein Kreis. In seiner Ansprache erinnerte er an seine erste freie Wahl zur DDR-Volkskammer am 18. März vor 22 Jahren. Wie alle Ostdeutschen habe er damals “endlich Bürger sein dürfen“. Kein Wunder also, dass er den Tag damals mit dem heutigen in eins setzt und sagt: „Was für ein schöner Sonntag.“

Für Gauck passt einfach alles zusammen - auch im Sinne seiner Idee von Freiheit und Verantwortung. Beides gehört für ihn untrennbar zusammen. Das schwingt auch fast in jedem Satz mit, den Gauck im Plenum des Bundestages sagt. An sein Freiheits-Erlebnis vor 22 Jahren will er denn auch anknüpfen, wenn er sagt, dass er sich als Präsident die Welt und das Land nicht denken könne ohne Freiheit und Verantwortung.

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Wie ein Hilferuf der Kanzlerin

Kommentare zu " Joachim Gauck: Der Freiheits-Lehrer macht es spannend"

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  • Na, "EinBuerger" ist der Gauck nicht dem 'Innlands- und Auslandsgeheimdienst' entsprungen. Sind nicht der Bush und der Putin aus solchen Verhältnissen aufgetaucht? Hat nicht die Merkel lange gegen den Geheimdienstler Gauck interveniert, weil er wegen der Stasi-Verbindungen zuviel über sie wusste und weiß? Oder war der erste Groll gegen ihn auch nur gespielt, um später gewaltig als Präsident verabschiedet zu werden, weil in der Politik eben nichts ungeplant geschieht?

    Vorsicht ist geboten, wenn Adel, Kirche, Geheimdienst, Industrie, Finanz ... in die Politik einziehen: Vorsicht, Vorsicht in solchen Fällen!!!

  • @erklärbar

    "Sie gehen schon etwas gewürzt zu Werke in Sachen Kanzlerin:"

    Ahem, "gewürzt"? Seit wann sind Ahnungslosigkeit, Hysterie, Paranoia und ein ständig überkochende Galle "Gewürze" ... das sind ungute mentale Zustände.

    Der eigentliche Witz, werter Erklärbär, dürfte doch wohl sein, daß am meisten unter diesen "Zuständen" der Autor selbst zu leiden hat. Wir, sein Publikum, leiden doch nicht wirklich darunter, wenn sich Margritt17888 erblödet und entblößt oder.

    Quatsch, wir haben Spass daran. Das ist wie einen Zoo zu besuchen und eine aussterbende Tierart hinter den Gitetrstäben zu besichtigen, die früher mal gemeingefährlich war, als sie sich noch in Rudeln herumtrieb.

    Wenn Margritt17888 heute also hinter den Stäben herumschleicht und wütend brüllt, dann wissen wir hier draussen: Der arme Kerl ist in seinem klausttophobisch engen Gehirn eingesperrt, die Welt ist voller Feinde und Vaterlandsverräter ...

    Ehrlich, ein bißchen mehr Mitleid wäre da schon angebracht, statt ihn auch noch dadurch zu demütigen, daß man ihm etwas "erklärt":

    Versuchen Sie mal einen Liter Milch in ein Schnapsglas zu kippen. Eben. Passt da gar nicht rein ...

  • @thomas

    Ich frag' mich auch, ob das HB wirklich schon so heruntergekommen ist. Früher waren die ja mal "konservativ". Aber früher galt ja auch der "Spiegel" mal als "links".

    Das war zu einer Zeit, als die Redakteure solcher Zeitschriften noch wussten, was das ist "konservativ" oder "links". Heute ist man ja nur noch zynisch und macht halt die Beine breit für die Klicks.

    Da darf man dann halt auch schon mal im HB fordern, daß "das Schwein" - gemeint war Frau Merkel - "aufgeknüpft" gehört und margritt17888 ewige wiedergekäute Suada von den "Politverbrechern", "Vaterlandsverräter", dem "Pack" gilt in der Redaktion wahrscheinlich mittlerweile schon als "bürgerliche Mitte".

    Vergessen Sie also das mit dem SPAM-Button, da können Sie ein Loch in ihren Monitor klicken, wenn Sie mal wieder über unterirdischen Rassismus, erzreaktionäres Stammtischgeschwätz oder einfach nur debil nationalistisches Gegrunze ärgern .. ich glaube, das ist gewünscht.



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