Job gefährdet: Wenn Wulff Vorstandschef wäre

Job gefährdet
Wenn Wulff Vorstandschef wäre

Chefsessel in der Wirtschaft sind immer auch Schleudersitze. Könnten Vorwürfe wie diejenigen im Fall von Bundespräsident Christian Wulff einen Konzernboss zu Fall bringen? Experten antworten.
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DüsseldorfNicht nur Bundespräsident Christian Wulff, auch Vorstandschefs großer Aktiengesellschaften stehen oft unter Druck, sich zu Affären oder vermeintlichem Fehlmanagement im Konzern zu äußern - sei es gegenüber dem Aufsichtsrat oder der Öffentlichkeit. Das Staatsoberhaupt zieht wegen der Vorwürfe gegen ihn unter anderem die Konsequenz, dass es die „Transparenz weiter treiben muss“.

„Besonders günstige Kredite und andere gewährte Vorteile können auch Vorstände zu Transparenz drängen. Die entsprechenden Vorschriften für die Vorstände börsennotierter Aktiengesellschaften sind weitreichend“, sagt Stefan Galla, Experte für Compliance bei der Rechtsanwaltskanzlei Luther - Compliance bezeichnet die Einhaltung von Verhaltensregeln und rechtlichen Vorgaben.

Seit 2002 gibt es den Deutschen Corporate Governance-Kodex, der ein Regelwerk für gute Unternehmensführung schafft und noch vor Verstößen gegen Aktiengesetz oder Strafgesetzbuch greift. Ziel des Kodex ist es, vor allem ausländischen Investoren deutsche Unternehmensstrukturen transparent zu machen. Die von einer Regierungskommission aufgestellten Regeln, sollen von Aktiengesellschaften befolgt werden. Artikel 3.4 des Regelwerks lautet etwa: „Der Vorstand informiert den Aufsichtsrat regelmäßig, zeitnah und umfassend über alle für das Unternehmen relevanten Fragen (...) der Compliance“.

Zu diesen Verhaltensregeln zählt auch Artikel 4.3.2 des Kodex, der in einem Szenario wie der Affäre Wulff in einer Aktiengesellschaft große Bedeutung hätte: „Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter dürfen im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit weder für sich noch für andere Personen von Dritten Zuwendungen oder sonstige Vorteile fordern oder annehmen oder Dritten ungerechtfertigte Vorteile gewähren."

Bundespräsident Wulff sieht sich unter anderem mit dem Verdacht konfrontiert, er könnte Freunden politische Gefallen geleistet haben, da diese ihm bei der Hausfinanzierung behilflich waren oder kostenlos Urlaub in Ferienhäusern machen ließen. Diesen Vorwurf hatten die Anwälte Wulffs am Donnerstag zurückgewiesen. „Die privaten Freundschaften von Herrn Wulff haben seine Amtsführung nicht beeinflusst“, hieß es in einer Erklärung. Das Staatsoberhaupt veröffentlichte zur Verteidigung Details zu Reisen und einer Immobilienfinanzierung.

Kommentare zu " Job gefährdet: Wenn Wulff Vorstandschef wäre"

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  • gruni90

    Ist in diesem Land weder Staatsanwaltschaft und/oder Finanzbehörde für die Vorteilsgewährungen im Falle des Herrn Wulff zuständig? Seltsam!!!

  • gruni90

    Vorteilsgewährungen wie bei Herrn Wulff verbilligte Kredite,
    Urlaubsreisen sind geldwerte Vorteile die als solche steuerbar sind.
    Wo bleiben die Vorteile in den Steuererklärungen von Herrn Wulff?
    Bei jedem Steuerzahler hätte der Fiskus die Vorteile schon lange hinterfragt.
    Sind vor dem Gesetz wirlich alle gleich in diesem Staat?

  • Heute finde ich nur eine Nachricht interessant:

    "Hannoveraner Wallach mangels Heu zu verschenken!"

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